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Studentenprotest Polizei räumt besetzte Villa

Studenten der Frankfurter Universität wollten mit der Besetzung einer Villa im Westend gegen den miserablen Wohnungsmarkt in Frankfurt protestieren. In der Nacht hat die Polizei das Haus in der Schumannstraße geräumt - Studenten beschuldigen die Beamten, unnötig Gewalt angewendet zu haben.

21.10.2011 00:01
Astrid Ludwig
Das Treppenhaus des besetzten Hauses in Frankfurt: "Communismus!" steht in dicken Lettern an der Wand. Foto: dapd

Studenten der Frankfurter Universität wollten mit der Besetzung einer Villa im Westend gegen den miserablen Wohnungsmarkt in Frankfurt protestieren. In der Nacht hat die Polizei das Haus in der Schumannstraße geräumt - Studenten beschuldigen die Beamten, unnötig Gewalt angewendet zu haben.

"Wir wollen keine Gewalt und wollen in dem Haus auch nichts kaputt machen“, sagt der junge Mann, der seinen Namen nicht nennen will. In einem der Zimmer im ersten Stock der alten Westend-Villa aus der Jahrhundertwende sitzen sie auf dem staubigen Boden, beraten das Vorgehen für die nächsten Abendstunden und die Nacht. Draußen in der Dämmerung steht die Polizei mit vier Einsatzwagen vor der Tür. Alle warten ab, was passiert.

Am späten Donnerstagnachmittag hat eine Gruppe, die sich „Schlaflos in Frankfurt“ nennt, das leerstehende Haus in der Schumannstraße 60 besetzt. Sie kämpft gegen Wohnungsnot unter Studenten – wie zuletzt ihre Kommilitonen in den 70ern. Nach der Vollversammlung des Asta auf dem Campus Westend waren die jungen Leute in einem kleinen Demonstrationszug Richtung Bockenheim gezogen. In der Nähe des Palmengartens hatte sich eine Gruppe abgesetzt und war über den Garten in die zweistöckige Villa gelangt. Kurz darauf ging ein Notruf bei der Polizei ein – vermutlich von Nachbarn.

In der Nacht beginnt dann die Räumung: 75 Menschen werden aus dem Haus geholt und festgenommen. Ein Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses der Goethe-Universität erklärt später, die Polizei sei sehr gewalttätig vorgegangen. Dem hessischen Rundfunk berichten Studenten, die Polizei haben Menschen "die Straße entlang geprügelt". Auf ihrer Internetseite schreiben die Hausbesetzer über "massive Polizeigewalt und eine Vielzahl an Rechtsverstößen".

Der Ausschuss Recht ruft auf: "Des Weiteren empfehlen wir euch, eventuelle Verletzungen, insbesondere solche, die durch Schlagstockeinsatz, Faustschläge und Fesselungen entstanden sind, zu fotografieren und so bald wie möglich von einem Arzt oder einer Ärztin attestieren zu lassen."

Die Polizei erklärt, bei der Räumung sei „vereinzelt und unbedeutend“ Gewalt angewendet worden. Die Räumung begann, nach dem der Eigentümer - das Hessische Immobilienmanagement - Strafanzeigte stellte.

Haus steht schon länger leer

Baustaub bedeckt überall die Böden des geräumigen Hauses. Eine alte Holztreppe führt hinauf über zwei Etagen, Buntglasfenster schmücken den Flur mit seinen hohen Decken. Durch alle Zimmer streifen Studenten, manche spielen Ball, der Asta und Mitglieder von „Schlaflos in Frankfurt“ haben einen Infostand auf einem Tapeziertisch improvisiert und Flugblätter für Presse, Passanten und Nachbarn gedruckt. Jemand hat Obst und Gemüse mitgebracht. „Tolle Räume für eine WG“, schwärmt eine Studentin. „Heute Abend feiern wird erst mal eine Party“, sagt ihr Begleiter. Heizung und Strom gibt es nicht.

Das Haus gehörte vormals der Universität, wurde von den Wirtschaftswissenschaftlern genutzt, bevor es die Hochschule an das Land verkaufte. Seit längerem steht die Villa leer. Mit der Besetzung will die Gruppe „auf den Widerspruch zwischen dem derzeit bestehenden Mangel an bezahlbaren Wohnungen und dem hohen Leerstand von Gebäuden in Frankfurt verweisen“, sagt Kim Fröhlich, Sprecher der Gruppe. Am Abend besetzte die Gruppe laut Polizei auch den oberen Teil des Hauses Schumannstraße 58.

Für „Schlaflos in Frankfurt“ ist die Aktion Teil des studentischen Protestes gegen die gegenwärtigen Studienbedingungen an den Frankfurter Hochschulen. Viele Studenten zahlten entweder teure Mieten oder hätten gar keine Wohnung gefunden. Das mache das Studium in Frankfurt „unzumutbar“, sagt Fröhlich.

Von ihren schlechten Erfahrungen auf dem Wohnungsmarkt berichten viele der Studenten an diesem Abend. Die Hausbesetzer verweisen aber ebenso auf die Situation sozial Benachteiligter. Auch die seien betroffen, weil es in der Stadt an bezahlbarem Wohnraum fehle.

„Schlaflos in Frankfurt“ wollte aus der Villa ein selbstverwaltetes Wohn- und Kulturzentrum machen. Dafür wollten die Besetzer heute, 19 Uhr, zu einem öffentlichen Plenum in die Schumannstraße einladen. Stattdessen: Solidaritätstreffen im Café KOZ verlegt. (mit dpa)

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