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Straßennamen Heißt der Schaumainkai bald nach Hilmar Hoffmann?

Der Ruf, verdiente Menschen mit Straßennamen zu ehren, ertönt schnell. Doch die Politiker wollen eine solche Entscheidung nicht überstürzen – aus gutem Grund.

Schaumainkai
Liegt das Museum Angewandte Kunst bald nicht mehr am Schaumainkai, sondern am Hilmar-Hoffmann-Ufer? Foto: Rolf Oeser

Die Idee hat Charme, das sagt auch Martin-Benedikt Schäfer. Der Christdemokrat zählt mit seinen 32 Jahren zu den Jungspunden im Ortsbeirat 5, der für den Frankfurter Süden zuständig ist. Als er geboren wurde, war der Bau des Museumsufers in vollem Gange. Wem Frankfurt die bundesweit einmalige Aneinanderreihung von Ausstellungshäusern in Sachsenhausen zu verdanken hat, weiß Schäfer durchaus: dem im Juni gestorbenen Ex-Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann (SPD). Insofern sei es bestimmt nicht abwegig, den Schaumainkai, an dem die Museen liegen, in Hilmar-Hoffmann-Ufer umzubenennen, wie es eine Initiative gefordert hatte. Nur festlegen will sich Schäfer, Vorsitzender der CDU im Ortsbeirat, nicht. Und damit liegt er voll auf Linie der übrigen Fraktionen im Stadtteilparlament.

Hoffmann war erst wenige Tage tot, da kam in Frankfurt die Forderung auf, den Kulturpolitiker mit einem Straßennamen zu würdigen. Vor allem die Initiative „Kultur für alle“, benannt nach Hoffmanns politischem Credo, trieb die Pläne voran und legte sich schnell fest: Der Schaumainkai soll nach Hilmar Hoffmann benannt werden, schließlich hätten in der 20-jährigen Amtszeit des Sozialdemokraten 15 Museen eröffnet, sagt Götz Wörner von der Initiative – und spricht von der „Monumentalität und Wirkungsmächtigkeit des Lebenswerks Hoffmanns“.

Vor wenigen Wochen wurde Wörner dann im Ortsbeirat vorstellig und brachte seine Forderung nach Umbenennung des Schaumainkais ein. Den richtigen Ansprechpartner hatte er dafür gefunden. Seit 1990 haben die Ortsbeiräte die alleinige Entscheidungshoheit über Straßennamen. Doch sollte Wörner auf völlige Begeisterung oder Aktionismus des Ortsbeirats gehofft haben, wurde er enttäuscht. Die Fraktionen hätten sich darauf geeinigt, dass sie demnächst über die Idee eines Hilmar-Hoffmann-Ufers sprechen wollen, sagt Christdemokrat Schäfer – und schiebt nach, für ihn stehe es völlig außer Frage, dass Hoffmann gewürdigt werden müsse. Nur wann, wo und in welcher Form, darüber müsse man eben reden.

Dass der Ortsbeirat in dieser Frage Beratungsbedarf sieht, ist kaum verwunderlich. Denn die Umbenennung von Straßen und Plätzen ruft schnell Widerspruch bis hin zur Empörung hervor – vor allem von Anwohnern. Kaum jemand hat Lust auf eine Änderung der eigenen Adresse, geht damit in der Regel doch viel Papierkram einher. Zwar kann man davon ausgehen, dass die Post auch ankommt, wenn der alte Straßenname verwendet wird. Aber vom Aufwand her ist die Umbenennung für die Anwohner mit einer kompletten Ummeldung vergleichbar. Immerhin: Dokumente wie Personalausweis oder Kfz-Schein können kostenlos geändert werden.

Besonders unangenehm ist eine Änderung der Adresse für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Internetauftritte müssen geändert, Geschäftspartner informiert werden. In den Debatten im Ortsbeirat heißt es oft, die Kosten für einen neuen Straßennamen lägen im fünf- oder gar sechsstelligen Bereich. Wie sich dieser Betrag zusammensetzt, lässt sich in der Regel aber nicht klären.

Theoretisch könnten Anwohner gegen eine Umbenennung klagen. Groß sind die Erfolgsaussichten nicht. In Köln entschied das Verwaltungsgericht im Jahr 2016, dass eine Anwohnerin den neuen Straßennamen „Am Lusthaus“ hinzunehmen habe. Die Frau hatte diese Adresse als anstößig empfunden.

Dennoch: Auf allzu große Anwohnerproteste haben die meisten Stadtteilpolitiker keine Lust. Deshalb suchen sie oft nach eleganten Lösungen. In Frankfurt bieten sich die Mainbrücken an, um Persönlichkeiten zu ehren, denn an Begriffen wie Ober- oder Untermainbrücke hängt wohl kaum jemand. Sollte man zumindest meinen. Während die Umbenennung der Obermainbrücke in Ignatz-Bubis-Brücke im Jahr 2000 ohne große Diskussionen erfolgte, gab es in den 60er Jahren durchaus Proteste, als die Untermainbrücke nach dem ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy benannt werden sollte. Schließlich entschied sich die Stadt, die Forsthausstraße in Sachsenhausen nach Kennedy zu benennen.

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