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Stoffel Günthersburgpark Stoffel, die zehnte

Am Wochenende beginnt in Frankfurt das weithin beliebte Stoffel-Spektakel. Das Open-Air-Festival im Günthersburgpark behauptet sich seit zehn Jahren, auch wenn das Geld immer knapp ist. Die Macher hoffen immer noch auf einen Großsponsoren.

So macht der Sommer Spaß: Gutes Wetter, Spaß und Stimmung beim Stoffel im vergangenen Jahr. Foto: Rolf Oeser

Damals, als alles anfing, sagt Michael Herl, hätten sie versucht, sich bei den Profis kundig zu machen. Wie das geht. Wie man so etwas aufzieht – ein Open-Air-Festival. Die Reaktionen seien deutlich ausgefallen, erinnert sich der Theaterchef: „Seid ihr wahnsinnig! Lasst das bloß bleiben! Ihr geht pleite!“ Und heute? Herl: „Heute kommen sie alle und wollen mitmachen.“ Beim Stoffel.

Heute, beim zehnten Stoffel, müssen die Veranstalter nicht mal mehr ins Programmheft schreiben, was Stoffel eigentlich bedeutet: „Stalburg-Theater Offen Luft“. Weiß inzwischen eh jeder. Im Jubiläumsjahr steht das Organisatorenteam selbstsicherer da denn je. „Der Sommer beginnt am 12. Juli“, sagt Petra Gismann, da ist nämlich Stoffel-Auftakt, „und dauert vier Wochen.“ Genauso lang wie das Spektakel im Günthersburgpark. Ein guter Draht nach oben war eben schon immer eine hilfreiche Sache.

Danach sah es beim ersten Stoffel 2004 noch gar nicht aus. „Da hat uns ein Sturm vom Platz gefegt“, sagt Herl: „Das war vom Allerfeinsten.“ Was haben die Gebeutelten gemacht? „Alles wieder aufgebaut und weiter.“ Und in den folgenden Jahren in Sicherheit investiert. „Die erste Bühne – die konnte man eigentlich gar nicht verantworten“, gibt Herl zu. „Und doch hat ein ganzes Orchester darauf gespielt.“ Mit viel Improvisation ging es los, über die Jahre wurde alles professioneller, klarer, routinierter, ohne allerdings den ursprünglichen Charme des Eigenwilligen zu verlieren. „Stoffel ist nach wie vor ein Synonym für nicht kommerziell“, sagt Petra Gismann.

Im Prinzip ist das Kind Stoffel aus der Not geboren. „Wir brauchen mal Geld, um über die lange Sommerpause zu kommen“, sagten sich die Theatermacher – und hoben trotz aller Unerfahrenheit ein Festival aus der Taufe, das schon damals praktisch dasselbe war wie heute: eine Bühne, zwei Veranstaltungen pro Abend, vier Wochen lang, dazu Getränke, heiße Wurst, fertig. Gut, an der Auswahl der Künstler hat sich durchaus etwas geändert. „Das ging 2004 noch ruckzuck“, sagt Musik-Programmchef Herbert Huber: „Da konnte jeder bei uns spielen, und wir dachten irgendwann: ups.“

Etwa als der „Playback-Italiener“ loslegte, wie ihn Eingeweihte nennen. Er hatte CDs dabei, zu denen er (nicht sehr gut) sang. „Das war der Tag, an dem die Besucher das meiste Geld in den Sammeleimer warfen“, sagt Huber und lacht. „Nach dem Motto: den Typen bitte nicht mehr.“

Viele Kreative hätten spontan gesagt: Klar trete ich ohne Gage auf, andere waren empört („Hast du’n nassen Hut auf!?“). Aber für die Bands ist Stoffel nach Herls Worten besonders: „Das spricht sich in Musikerkreisen herum.“ Der Auftritt der U-Bahnkontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern zum Beispiel lockte 2008 so viele Menschen in den Günthersburgpark, dass das Publikum im Getümmel keinen anderen Ausweg mehr sah, als zu den Sängern auf die Bühne zu steigen: „Wir mussten die Kontrollöre retten“, witzelt Huber. Auch 2007 beim Abend mit Mathias Tretter und der „Hesselbach“-Aufführung des Stalburg-Ensembles war es „unglaublich voll“.

Kein Wunder. Sommerwetter, Gratis-Unterhaltung und Ferienstimmung, diese drei Zutaten machen Stoffel unwiderstehlich. „Viele haben ihre festen Plätze, einige richten sogar ihre Urlaubsreisen nach uns“, sagt Petra Gismann. Die Mitarbeiterzahl beim Festival wuchs von anfangs 25 auf 70, die Besucher kommen mitunter aus Kassel, Würzburg, die Künstler sowieso aus dem ganzen In- und teils aus dem Ausland. Zu 60 Prozent sind es Musiker – solche mit moderaten Tönen. Die Lautstärkebeschränkung zum Schutz der Nachbarn, sie gilt auch heute noch. Punk, Hardrock und Metal haben es daher eher schwer. Aber das tut dem Erfolg keinen Abbruch.

„60.000 Besucher in vier Wochen ist nicht ganz schlecht“, sagen Herl und sein Team. Und doch ist es über all die Jahre nie gelungen, einen Großsponsor zu finden. „Wäre uns durchaus willkommen“, locken die Stoffel-Macher, „aber er muss natürlich zu uns passen.“ Vielleicht klappt’s ja bis zum nächsten Offen Luft 2014. Dann ist wieder Jubiläum: zehn Jahre Stoffel.

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