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Störfall bei Weylchem Salzsäuredampf in Griesheim

Großalarm in Frankfurter Industriepark: Ein Störfall im Industriepark Griesheim entfacht die Diskussion über den Standort neu.

Chemieunfall in Frankfurter Industriepark
Einsatzkräfte sperrten einen festgelegten Warnbereich ab. Foto: dpa

Bei einem Störfall im Frankfurter Industriepark Griesheim sind am Dienstagmorgen Salzsäuredämpfe ausgetreten. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des Unternehmens Weylchem gegen 4 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt waren Arbeiter damit beschäftigt, die Rückstandssubstanz eines Pflanzenschutzmittels in einen Tankcontainer zu pumpen. Aus noch ungeklärter Ursache sei dabei innerhalb des Containers bei einer chemischen Reaktion Salzsäure entstanden, die dann aus dem Container austrat. Die Werksfeuerwehr entschied daraufhin, Alarm auszulösen, da eine potenzielle Gefahr für die Bevölkerung bestehe.

Anwohner in Griesheim und Nied wurden daher gegen 4.30 Uhr von den Alarmsirenen aus dem Schlaf gerissen. Über Radiodurchsagen und das Internet wurden sie aufgefordert. Fenster und Türen zu schließen oder Gebäude aufzusuchen. Einsatzkräfte sperrten einen in solchen Fällen festgelegten Warnbereich ab. Betroffen davon waren neben dem Autoverkehr auch der öffentliche Nahverkehr. So hielten die S-Bahnen S1 und S2 in den Morgenstunden nicht in Griesheim und Nied. Auch Buslinien waren betroffen.

Das Unternehmen Weylchem ist Hersteller von Spezialchemikalien und Zwischenprodukten, die für die Herstellung von Pflanzenschutz- und Arzneimitteln Verwendung finden. Das Unternehmen machte keine Angaben dazu, welche Menge an Salzsäuredämpfen ausgetreten ist. „Das lässt sich sehr schwer beziffern“, sagte Betriebsleiter Carsten Müller auf FR-Anfrage. Durch den Regen sei die gefährliche Substanz am Boden gehalten worden. „Bei trockenem Wetter hätten sie möglicherweise eine Nebelwolke gesehen.“

Unklar blieb auch, warum es zu der chemischen Reaktion kam. Eine mögliche Ursache könne sein, dass sich in dem Tankcontainer, der auf einem Lastwagen montiert war, Wasser befunden habe, sagte Müller. Da die Abdichtung des schadhaften Containers geraume Zeit in Anspruch nahm, wurde die Bevölkerung kurz nach 6.30 Uhr nochmal mittels Sirenen gewarnt. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir bei einer Alarmierung in der Nacht nicht alle Anwohner erreichen“, erläuterte Müller. 

Letztlich dauerte es vier Stunden, bis die Berufsfeuerwehr schließlich gegen 8 Uhr Entwarnung gab. „Es muss erst eine stabile Lage hergestellt werden“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Keine Erklärung gab es auf die Frage, warum es so lange dauerte, bis die Situation unter Kontrolle war. Das Unternehmen Weylchem verwies an die Berufsfeuerwehr, bei der die Verantwortung liege. Die Berufsfeuerwehr verwies jedoch auf die Werksfeuerwehr, die den Störfall auf dem Gelände in eigener Verantwortung unter Kontrolle gebracht und nicht früher Entwarnung gegeben habe. 

„Die Interessenlage ist unterschiedlich“, sagte ein Sprecher der Berufsfeuerwehr lapidar. So hatte das Unternehmen auch mitgeteilt, Messungen außerhalb des Industrieparks hätten keine Auffälligkeiten ergeben, die Feuerwehr entschied sich trotzdem, den Warnbereich abzusperren. Verletzt worden sei bei dem Störfall ebenfalls niemand, auch keiner der Arbeiter, die am Abfüllvorgang beteiligt gewesen seien, teilte Weylchem mit. Der Störfall könnte die Diskussion über den Industriepark Griesheim neu entfachen. Schon vor drei Jahren hatten die Grünen eine Verlagerung der dortigen Störfallbetriebe in den Industriepark Höchst ins Spiel gebracht. Thomas Schlimme, Fraktionschef der Grünen im Ortsbeirat, fordert im Interview mit der FR, das nun zu versuchen. Die freiwerdende Fläche könne als moderner Gewerbepark entwickelt werden. „Es könnte dort viel mehr Arbeitsplätze, auch Blaumann-Arbeitsplätze, geben als jetzt, wenn man den Strukturwandel schafft.“

Näher prüfen sollte man diesen Vorschlag auch nach Ansicht der Linken. Eine Verlagerung werde teuer und kompliziert, sagte Dominike Pauli, Ortsbeiratsmitglied und Fraktionschefin im Römer. Zugleich sei es aber nötig, endlich über die Zukunft des Industrieparks Griesheim nachzudenken. Ralf Erkens, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hält es für wichtig, dass das Areal eine Industriefläche bleibt. Neuen zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten solle man sich aber nicht verwehren, sagte er. Ausdrücklich lobte er das Störfallmanagement. 

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