Lade Inhalte...

Stitch by Stitch Mode mit Sinn

Die Schneiderei Stitch by Stitch, die geflüchtete Frauen ausbildet, ist auf Wachstumskurs und hat eine erste eigene Kollektion entwickelt.

Stitch by Stitch
Qualitätskontrolle von Mitgründerin Claudia Frick (v.l.), Reyhane Heidari und Mansoureh Kazemi. Foto: peter-juelich.com

„Wenn man die Sprachbarriere miteinbezieht, ist diese Ausbildung sehr hart“, sagt Vollmar. Die Frauen hätten so viele Aufgaben zu bewältigen wie es ein normaler Mensch gar nicht schaffen könne. In Sachen Sprache ist es ihm vor allem ein Anliegen, seine Schülerinnen fit für das Leben in Deutschland zu machen. Dass das für die Gründerinnen von Stitch by Stitch zur Ausbildung dazugehört, findet er ebenso lobenswert wie wichtig. 

Aus Fortbildungen weiß er, dass das nicht immer so ist. „Allgemeiner Deutschunterricht fehlt in vielen Ausbildungen von Migranten“, sagt er. Zwar stehe dann die Vermittlung von Fachsprache auf dem Programm, schon bei der Frage nach der Uhrzeit kämen aber viele ins Stottern. „Deswegen übe ich diese Alltagssituationen ganz gezielt“, so Vollmar. 

Die junge Kazemi kommt aus einer Schneiderfamilie, ihr Vater, inzwischen auch in Deutschland, unterstützt ihre Entscheidung eine eigenständige Ausbildung zu machen. Wie das für sie ist? Schwierig. Vor allem am Anfang sei es sehr hart gewesen, sagt sie. Inzwischen gehe es schon besser. Wenn sie im kommenden Jahr mit der Ausbildung fertig wird, dann möchte sie zunächst einmal Pause machen, sagt sie. Pause von der Arbeit? Nein, nein. Pause vom Lernen. Einfach nur Arbeiten. Später dann, will sie noch Englisch lernen und einen Führerschein machen, sagt sie. 

Ein Jobangebot zumindest hat sie schon. In ihrem Ausbildungsbetrieb Stitch by Stitch. Der nämlich soll nach dem Willen der Gründerinnen weiter wachsen. Ziel ist ein Betrieb mit 25 Schneiderinnen. Das Übernahmeangebot, so Frick, gelte auch für die anderen Azubis. „Das ist unser festes Team so wie es ist“, sagt sie. Das werde auch übernommen. 

Die Nachfrage für ihr Wachstum sehen Frick und von Alvensleben. Dennoch gelte es auch, unabhängig von staatlicher Unterstützung zu werden. Aktuell bekommt Stitch by Stitch noch Geld von der Frap-Agentur, die im Auftrag der Stadt Frankfurt Arbeitsplätze fördert. 

Neben Auftragsarbeiten gibt es aber auch schon weitere Ideen. Die eigene Kollektion etwa.

Gerade haben die Mitarbeiter der Werkstatt eine erste Mantelkollektion herausgebracht – mit der Designexpertise und den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen des ganzen Teams und gefertigt aus nachhaltigen Stoffen wie Sympatex aus recycelten PET-Flaschen oder Biobaumwolle. Vertrieben wird zunächst lokal in der Werkstatt in Bornheim, am Online-Vertrieb arbeiten sie gerade.

Außerdem ist da die Idee, Workshops für junge Designer anzubieten, die tolle Ideen aber wenig Erfahrung in der praktischen Umsetzung haben. 

Mitgründerin Frick, die auch das Frankfurter Modelabel Coco Lores gegründet hat, hat in ihrer Arbeit früher „oft nach dem Sinn gesucht und ihn nicht gefunden. Diese Verbindung aber von Mode und der Möglichkeit den Frauen eine Chance zu geben, ist für mich das Glück schlechthin.“ 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen