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Sterben in Frankfurt Auch Frankfurt hat bald einen Trauerwald

Immer mehr Menschen wünschen sich, im Wald bestattet zu werden. Die Stadt Frankfurt reagiert jetzt auf die gesteigerte Nachfrage. Im Sommer soll der erste Trauerwald in Oberrad eröffnen.

Waldfriedhof in Oberrad
Der Waldfriedhof in Oberrad. Foto: Rolf Oeser

Ein Grab im Wald, unter hohen Bäumen, der Natur ganz nah – das wünschen sich immer mehr Menschen. Im Sommer will die Stadt Frankfurt einen ersten Trauerwald auf einer Teilfläche des Waldfriedhofs in Oberrad eröffnen. Auch in anderen Stadtteilen wünschen sich die Bürger die Möglichkeit zur Waldbestattung. So würden die Bergen-Enkheimer ihre letzte Ruhe gerne im eigenen Ried direkt unter den kürzlich entdeckten Alteichen finden, wie am Dienstagabend in der Sitzung des Ortsbeirats 16 bekannt wurde.

„Wir haben sehr viele Anfragen aus der Bevölkerung“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Wählervereinigung Wir Bergen-Enkheimer (WBE), Günther Kraus. „Die Menschen hier wünschen sich einen Trauerwald im eigenen Stadtteil.“ Seine Wählervereinigung verfasste daher einen Antrag an die Stadt Frankfurt, den der Ortsbeirat am Dienstag verabschiedete. „Die Flächen rund um die Alteichen im Enkheimer Ried bieten einen idealen Ort für die kleine Urnengräber“, fand Günther Kraus. Und Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) bestätigte: „Die Nachfrage ist definitiv vorhanden.“

Auch das Grünflächenamt hat den Bedarf an Waldbestattungen erkannt. Eine bisher ungenutzte Teilfäche des Oberräder Waldfriedhofs inmitten des Stadtforsts wurde dafür ausgewiesen und wird voraussichtlich im Sommer eröffnet. „Der Trauerwald in Oberrad gehört zum Friedhofskonzept 2020“, erklärt der Leiter des Grünflächenamts, Stephan Heldmann. Die Idee dazu stammt vom Amt selbst: „Wir müssen uns wirtschaftlich behaupten und auf die veränderte Nachfrage eingehen“, sagt Heldmann. Der Standort Oberrad habe sich für einen ersten Trauerwald angeboten.

„Wir können dort – durch die bereits vorhandene Friedhofsstruktur – Betroffenen eine gute Betreuung bieten. Die Wege zum Trauerwald sind auch barrierefrei ausgebaut“, berichtet der Amtsleiter. „Da sich das Gelände mitten im Stadtwald befindet, sieht es aber genauso aus, wie in den bereits bekannten Trauerwäldern.“

Bisher wurden solche Ruhestätten nämlich vorwiegend von privaten Firmen, wie der Friedwald Gmbh oder der Ruheforst Gmbh angeboten. Diese Firmen pachten Waldgrundstücke auf 99 Jahre und bieten dort Urnengräber aus biologisch abbaubaren Material an. „Der Vorteil unseres Trauerwalds ist, dass man sich auch in der Nähe seiner Heimat bestatten lassen kann. Zu einem Friedwald oder Ruheforst muss man meist weit fahren“, sagt Heldmann.

Ob die Einrichtung eines Trauerwalds im Enkheimer Ried jedoch möglich wäre, kann Heldmann aktuell nicht sagen. „Jetzt wollen wir erst einmal das Konzept in Oberrad testen. Wir wissen ja noch gar nicht, ob die Waldbestattungen auch so angenommen werden, wie wir uns das vorstellen.“ Erst dann könne man sich nach weiteren Standorte umschauen. „Das Ganze ist nicht so einfach: Erst muss eine Fläche als Friedhof ausgewiesen werden. Man kann ja nicht einfach irgendwo bestatten“, erklärt der Amtsleiter.

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