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Stechmücken in Frankfurt „Gefahr ist gering“

Gibt es mehr Stechmücken als sonst? Und wie lebt eine Mückenpopulation? Der Biologe Sven Klimpel von der Uni Frankfurt beantwortet diese und andere Fragen.

Mücke
Eine Mücke sticht zu (Symbolfoto). Foto: imago

Sven Klimpel, 44, ist Professor für Parasitologie und Infektionsbiologie an der Uni Frankfurt.   

Gibt es aufgrund der Hitzephase 2018 in Frankfurt mehr Stechmücken als sonst?
Das kann man so pauschal nie sagen. Die Lebensgrundlage der Mücken ist an ein wässriges Milieu gekoppelt, das sie zum Ablegen ihrer Eier brauchen. Aus denen werden dann Larven, Puppen und schlussendlich die erwachsenen Mücken. Solange kein Wasser da ist, kann dieser Lebenszyklus nicht vollzogen werden. Deshalb sind die trockenen Bedingungen momentan schlecht für Mücken. Es kommt aber immer auf die Region an; in wasserreichen Gebieten etwa herrschen gute Lebensbedingungen.

In Bergen-Enkheim klagen Anwohner dieses Jahr über die drastische Zahl an Stechmücken in der Nähe des Riedteiches. Gibt es in Frankfurt eine Mückenplage?
Ich weiß, dass zum Beispiel Feuerwehrteiche oder stehende Gewässer ideale Lebensbedingungen bieten. Ist es warm und heiß, suchen die Mücken sich natürlich diese Gebiete und legen dort ihre Eier ab. Trocknet ein solcher Teich nicht aus, kann ich mir gut vorstellen, dass das massenhaft Mücken anzieht. Einfach weil sie keine anderen Möglichkeiten haben, ihre Eier abzulegen. Das kann regional schon passieren.

Wie lange lebt eine Mückenpopulation?
Einige Mücken können bis zu einem halben Jahr lang leben. Andere leben dagegen nur 14 Tage, das kommt auf die Art an: Wir haben in Deutschland über 50 Mückenarten, die Blut saugen.

Aktuell hört man viel von neuen Mückenarten wie der Asiatischen Tigermücke. Gibt es zunehmend importierte Mücken in Deutschland?
Sowohl die Asiatische Tigermücke als auch die Asiatische Buschmücke sind in Europa teils etabliert. Erstere ist in Deutschland noch nicht richtig heimisch geworden, in südeuropäischen Ländern wie Italien zählt sie aber zu den häufgsten Mückenarten. In Deutschland ist insbesondere die Asiatische Buschmücke schon verbreitet – sie kann hier auch überwintern. Es gibt ein bundesweites Monitoring-Programm, bei dem geschaut wird, welche Mückenarten vorkommen und welche Krankheitserreger sie gegebenenfalls in sich tragen.

Wie gefährlich sind diese neuen Mückenarten?
Solange die Erreger fehlen, kann eine Mücke gar nicht viel ausrichten - außer dass der Speichel beim Stich zu einer Quaddelbildung führt. Aber ohne Krankheitserreger kann die Mücke auch nicht als Vektor fungieren. Als Vektoren bezeichnet man Organismen wie Stechmücken oder Zecken, die Krankheitserreger aufnehmen – zum Beispiel Viren –, selber nicht erkranken, diese jedoch beim nächsten Saugakt auf einen anderen Organismus übertragen können. Aus den Ursprungsländern der asiatischen Tigermücke ist bekannt, dass sie sich als Überträger von Krankheitserregern wie etwa des Dengue-Virus sehr gut eignet. Wir haben allerdings herausgefunden, dass unsere einheimischen Mücken auch unterschiedliche Viren übertragen können. Die Gefahr, dass tropische Krankheiten sich bei uns ausbreiten, ist aber äußerst gering. Da müssten schon viele ziemlich unwahrscheinliche Faktoren zusammenspielen. Denn unser Gesundheitssystem ist gut, Kranke werden sofort erkannt, isoliert und medikamentös behandelt. Die typischen Krankheitserreger, die sie im asiatischen Bereich übertragen, treten bei uns gar nicht auf.

Das heißt also, auch von Stichen unserer heimischen Mückenarten geht keine große Gefahr aus?
In den Tropen haben Sie eine hohe Luftfeuchte und hohe Temperaturen - ideale Bedingungen für die Vermehrung von tropischen Viren in den Mückenvektoren. Dieses Klima haben wir gar nicht – das dauert ja, eh wir hier ständig 36 Grad und hohe Luftfeuchtigkeiten haben werden. Wir müssen uns jedoch darauf einstellen, dass wir in den nächsten zehn bis 50 Jahren tatsächlich mehr mit Infektionskrankheiten zu tun haben, die durch derartige Vektoren übertragen werden.

Interview: Jonas Wagner

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