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Startup ZuBaKa Ankommen in der Stadt

Das Startup ZuBaKa unterstützt Schulen bei der Integration zugewanderter Jugendlicher.

Das Frankfurt Social Startup „ZuBaKa“ bemüht sich um die Integration von zugewanderten Jugendlichen. Foto: Christoph Boeckheler

Sie schlagen auf den Boxsack ein. Vielleicht könnten sie hier im Keller trainieren? Sie testen das Schlagzeug im Musikraum – ob sie im Studio einen Song zusammen aufnehmen? Oder doch lieber in der Küche des Jugendhauses am Heideplatz afghanischen Reis kochen? Eine Woche lang wollen sie hier im Sommer ein Ferienprogramm gestalten, das steht fest. Doch was sie genau anbieten wollen, das müssen die Jugendlichen, die heute zu einem ersten Besuch im Jugendhaus aufgebrochen sind, noch genau planen.

Einmal die Woche kommt deshalb Frederike Guggemos vom Startup ZuBaKa in der InteA-Klasse der Beruflichen Schulen Berta Jourdan im Nordend vorbei. Jugendliche und junge Erwachsene, die erst vor kurzer Zeit nach Deutschland gekommen sind, werden hier auf ihren Hauptschulabschluss vorbereitet und darauf, beruflich Fuß zu fassen. Den oftmals aus Krisenländern geflohenen jungen Menschen neben dem Unterricht auch noch zu helfen, sich in der Stadt zurecht zu finden und Freundschaften zu einheimischen Jugendlichen zu knüpfen, das können selbst engagierteste Lehrkräfte aber alleine kaum leisten, sagt Anna Meister.

Vor rund zwei Jahren gründete die Politikwissenschaftlerin deshalb ihr Sozialunternehmen „ZuBaKa“. Ihr „Zukunftsbaukasten“ ist ein modulares System, das neuankommenden Jugendlichen in Intensiv- und InteA-Klassen das Ankommen in der Gesellschaft erleichtern will. ZuBaKa-Scouts wie Frederike Guggemos schlagen für sie eine Brücke zu Freizeit-Einrichtungen wie Jugendhäusern, Sportvereinen oder Museen, erkunden mit ihnen die Stadt, vernetzen sie mit Gleichaltrigen oder unterstützen sie über den schulischen Unterricht hinaus beim Übergang in die Regelklassen oder bei der Berufsorientierung. Fünf Festangestellte, sowie einige Honorarkräfte und Ehrenamtliche beschäftigt die junge Gründerin mittlerweile.

„Die Schulen formulieren ihren Bedarf, und wir gestalten unser Angebot dann in enger Abstimmung mit den jeweiligen Klassenlehrern“, erläutert Anna Meister, die nach ihrem Studium rund drei Jahre lang als „Teach First Fellow“ an der Hostatoschule arbeitete und in dieser Zeit erfuhr, wie herausfordernd die Arbeit in den extrem heterogenen Klassen für Neuzugewanderte ist. „Ich habe mich dann dagegen entschieden, Lehrerin zu werden, weil ich Lust hatte, am Bildungssystem zu arbeiten, Strukturen zu verändern und möglichst viele Menschen zu erreichen“, sagt die 33-Jährige. „Als Sozialunternehmerin kann ich Impulse von außen setzen.“

Inge Meichsner, Leiterin der Berta-Jourdan-Schule, ist über diese Impulse sehr dankbar: „Für diese jungen Menschen ist das eine große Herausforderung, sich hier zurechtzufinden. Sie kommen aus teils ganz anderen Kulturen, manche sind traumatisiert und für viele von ihnen ist es ganz neu, so viele Freizeitmöglichkeiten zu haben – aber gerade die sind so wichtig für die Integration“, betont die Schulleiterin. „Sonst sind sie hier in der Stadt ganz schnell isoliert.“

2000 Euro pro Schuljahr zahlen die mittlerweile sechs beteiligten Schulen für die externe Unterstützung an Anna Meisters Startup – den Rest finanziert die junge Sozialunternehmerin über ein „hybrides Finanzierungsmodell“ aus Stiftungsgeldern, Spenden oder Kooperationen mit Unternehmen.

„Die Selbstständigkeit ist natürlich risikoreich“, sagt sie – aber dafür könne sie mit hohem Tempo kreativ und innovativ arbeiten, „langweilig wird mir wirklich nicht“. Und sie erlangt Anerkennung für das Geleistete: Im vergangenen Herbst belegte ZuBaKa beim Deutschen Integrationspreis der Hertie-Stiftung den zweiten Platz. Und aktuell steht das Frankfurter Sozialunternehmen im Finale des Wettbewerbs „Start Social“ unter Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am Mittwoch wird ZuBaKa im Bundeskanzleramt zu Gast sein.

Die Schülerinnen und Schüler der Berta-Jourdan-Schule, die gemeinsam mit einem weiteren Dutzend Jugendlicher der Wilhelm-Merton-Schule das Ferienprogramm gestalten, werden bis dahin sicher schon genauer wissen, womit sie andere junge Menschen ins Jugendhaus am Heideplatz locken werden.

„Ich spiele gerne Tabla“, sagt der 19-jährige Afghane Maruf. Vielleicht werde er anderen beibringen, das Saiteninstrument zu spielen. Volleyball oder Schauspiel-Workshops wären auch gut, überlegt der 18-jährige Safiullah. Das Programm liegt ganz in ihrer Hand – „ihr bringt viel mit, ihr könnt selber bestimmen und gestalten“, das sei der Grundgedanke des Projekts, mit dem ZuBaKa die Jugendlichen in die Sommerferien schickt, sagt Anna Meister.

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