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Städtische Bühnen in Frankfurt „Oper in einer Messehalle ist komplett unerträglich“

Sebastian Weigle, Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt, spricht im FR-Interview über die Zukunft der Städtischen Bühnen und den Umzug in ein Ausweichquartier.

Sebastian Weigle
Generalmusikdirektor Sebastian Weigle beim Gespräch in seinem Büro. Foto: Renate Hoyer

Sebastian Weigle positioniert sich zum ersten Mal öffentlich in der Diskussion um die Zukunft der Städtischen Bühnen. Seit der Spielzeit 2008/2009 ist er Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt. Der Dirigent wäre mit dem Opernorchester unmittelbar betroffen, wenn die Oper während eines Neubaus oder einer Sanierung in ein Ausweichquartier umziehen müsste. Der 56 Jahre alte Weigle, 2003 Dirigent des Jahres, hat Horn, Klavier und Dirigieren studiert. Vor seinem Amtsantritt in Frankfurt war er von 2004 bis 2009 Generalmusikdirektor des Gran Teatre del Liceu in Barcelona.

Herr Weigle, die neue Saison hat begonnen. Sie setzen unter anderem mit dem Museumsorchester den Mahler-Zyklus fort.
Ich finde solche Zyklen sehr gut, das ist musikalische Bildung im besten Sinne. Sowohl für das Publikum wie auch für das Orchester ist das eine gute Sache. Oft werden nur einzelne Symphonien von Mahler gespielt, wie etwa die Fünfte. Andere werden dafür stiefmütterlich behandelt. Deshalb beschäftigen wir uns systematisch mit Mahler.

Diesmal ist die sechste Symphonie zu hören, die tragische.
Die ist sehr kompliziert. Aber a-Moll ist nicht die tragischste, die dunkelste Tonart. Doch es entstehen unheimliche Variationsmöglichkeiten. Mahler schafft es, den Hoffnungsgedanken einfach nur durch eine herabrutschende Terz in Düsternis zu verwandeln, unterfüttert von dem erbarmungslosen Schicksalsrhythmus der Pauke. Der Tod seiner Tochter und sein eigenes Herzleiden spiegeln sich stark wider. Das sind einfache Mittel, aber mit einem tollen Ergebnis. Ich freue mich sehr auf den Mahler.

Sie fördern auch dieses Mal wieder junge Solisten, die noch nicht so bekannt sind.
Das sind Glücksfälle. Ich lerne durch Gastspiele junge Musiker kennen. Die bewerben sich auch bei mir, ich lasse sie vorspielen.

Sie bauen junge Musiker aus der Region ein, wie etwa den Cellisten Isang Enders aus Darmstadt.
Ich habe ihn kennengelernt als jungen Konzertmeister der Celli bei der Staatskapelle in Dresden, phänomenal und sehr engagiert. Und habe ihn dann in verschiedenen Formationen gehört. Ich freue mich sehr, dass das geklappt hat.

Gelingt es noch, Nachwuchs heranzuziehen?
Aber ja. Das ist sichtbar und spürbar. Die jüngsten Neuzugänge in unserem Orchester sind wunderbar. Wir müssen sehr viel spielen, deshalb lernen die jungen Musiker schnell. Sie bekommen sehr viele Noten vor die Nase.

Aus wie vielen Musikerinnen und Musikern besteht das Orchester?
Wir sind 115. Idealerweise müssten wir 25 Musiker mehr haben, um ein internationales Spitzenorchester zu sein. In der derzeitigen Besetzung besitzen wir kaum Möglichkeiten zu gastieren. Das finde ich sehr bedauernswert.

So können sie kaum Gastspiele machen.
Ja, leider. Verschwindend wenige. Die Gastspiele, die wir gemacht haben in Wien und Edinburgh, waren alle sehr erfolgreich.

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