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Städtische Bühnen in Frankfurt Nur Geschlossenheit hilft

Auf ihrer Reise nach Norwegen und Dänemark lernen die Kulturpolitiker, was ihnen in Frankfurt fehlt.

Stadtentwicklung in Frankfurt
Was wird aus der Theaterdoppelanlage? Foto: peter-juelich.com

Gespräche mit leitenden Mitarbeitern der Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main sind derzeit schwierig. „Wir warten alle und wissen nichts“, sagt einer von ihnen. Ganz genau so ergeht es den rund 400 000 Menschen, die in jeder Spielzeit die Oper und das Schauspiel am Willy-Brandt-Platz besuchen. Was wird aus den betagten Spielstätten, die baulich marode sind: Sanierung oder Neubau? 

Gespräche mit führenden Politikern in Frankfurt zum Thema Bühnen sind derzeit schwierig. „Ich möchte mich dazu nicht äußern“, so beginnt die Unterhaltung zum Beispiel mit dem Dezernenten für Bau, Immobilien, Reformprojekte und IT, Jan Schneider (CDU). 

Zur Erinnerung: Im Dezember 2017 hatte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) angekündigt, dass eine Projektgruppe zur Zukunft der Bühnen gegründet werden soll. „Das ist noch nicht passiert“, sagt Schneider offen und hört sich ziemlich zerknirscht an. 

Am vergangenen Dienstag hatte Hartwig nach übereinstimmenden Auss

agen von Teilnehmern in der Runde der Spitzenpolitiker der Römer-Koalition überraschend eine Personallösung präsentiert. Michael Guntersdorf, seit 2009 Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer GmbH, solle künftig die Projektgruppe Bühnen führen. Die Koalitionsrunde reagierte verblüfft, Jan Schneider wütend. Er sei doch schließlich für Bauen zuständig, das könne man doch nicht machen und so weiter…

 „Ich werde die Gespräche mit Frau Hartwig nächste Woche fortsetzen und möchte sie jetzt nicht belasten“, sagt dazu formvollendet elegant der Baudezernent. 

Am vergangenen Mittwoch brachen Mitglieder des Römer-Kulturausschusses zur einer Reise nach Norwegen und Dänemark auf – auf dem Programm standen schöne Kulturbauten wie die Oper in Oslo oder die Bühnen in Kopenhagen. Von der Personalie Guntersdorf erfuhren die Kulturpolitiker nach eigenem Bekunden durch die Kulturdezernentin nichts.

„Sie hat das nicht eingespeist – ich finde dieses Vorgehen befremdlich“, kommentiert Sebastian Popp, der kulturpolitische Sprecher der Grünen, aus Kopenhagen. Nur über ihre eigenen Parteikanäle hörten die Stadtverordneten vom Vorstoß Hartwigs. 

Popp fordert energisch, dass endlich eine Grundsatzentscheidung gefällt wird: Sanierung oder Neubau der Bühnen. „So lange der grundsätzliche Weg nicht klar ist, nützt auch der beste Projektsteuerer nichts.“ 

Die Episode Guntersdorf illustriert trefflich, warum es beim Thema Städtische Bühnen nicht vorangeht. Insbesondere die Koalitionspartner CDU und SPD agieren gegeneinander statt miteinander. Das führte dann zum Beispiel dazu, dass der Bau-, Liegenschafts- und Reformdezernent Schneider zur Reise nach Oslo und Kopenhagen von der Kulturdezernentin nicht mal eingeladen wurde. Von solchem Niveau ist die Auseinandersetzung. Der 37-jährige Jurist Schneider, der ein kluger Mann ist, weiß wohl, dass das Außenbild der Römer-Koalition in der Stadt verheerend daherkommt. Die 55-jährige Autorin und ehemalige Literaturkritikerin Hartwig weiß es ebenso. Doch beide zerreißen das Netz ihrer Parteipolitik, in das sie eingesponnen sind, nicht.

Der Grüne Sebastian Popp nennt das 2008 eröffnete, am Wasser liegende Operahuset von Oslo mit seinem weißen Marmor „beeindruckend“. 620 Millionen Euro hat es gekostet. Eines hat der Kulturpolitiker gelernt beim Besuch in Norwegen: „So etwas funktioniert nur, wenn die Politik geschlossen auftritt.“ Das Gleiche gelte auch für den Neubau des Königlichen Schauspielhauses in Kopenhagen aus dem Jahre 2008. 

Den Frankfurtern gefiel besonders die Offenheit des Foyers. Der Bauherr war das dänische Kulturministerium. Um ihre Bühnen wird sich die Stadt Frankfurt dagegen alleine kümmern müssen. Die führenden Mitarbeiter von Oper und Schauspiel verzweifeln so langsam. Im November 2017 hatte der Technische Direktor der Bühnen, Olaf Winter, im FR-Interview die Politiker zu einer „zügigen Grundsatzentscheidung“ aufgefordert. Seither schweigt er. 

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