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Städtische Bühnen in Frankfurt Bühnen sanieren statt neu bauen

Die Frankfurter Koalition einigt sich auf eine Position zur Zukunft der Theater-Doppelanlage. Die Städtischen Bühnen sollen saniert werden.

Willy-Brandt-Platz
Ein Neubau der Städtischen Bühne scheint vom Tisch. Foto: Peter Juelich

Die Städtischen Bühnen sollen möglichst günstig saniert werden – im Idealfall bei laufendem Betrieb. Darauf hat sich die Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen verständigt. Ein Neubau oder ein bis zu 900 Millionen teurer Umbau des traditionsreichen Gebäudes am Willy-Brandt-Platz scheinen damit vorerst vom Tisch zu sein.

Am Freitag legten die Regierungsfraktionen einen gemeinsamen Antrag zur Theater-Doppelanlage vor, der in erster Linie ein Prüfauftrag an die Stadtregierung ist. Der Magistrat soll die baulichen Mängel in dem Gebäude feststellen und eine Prioritätenliste für die Sanierung erstellen. Außerdem soll geprüft werden, welche Bereiche ausgelagert werden können, um Platz zu schaffen. Das könnte etwa Werkstätten in den Bühnen betreffen.

Der Antrag sagt auch klar: Sofern die Sanierungskosten deutlich unter den Kosten für einen Neubau liegen, hat eine Modernisierung im Bestand Vorrang vor der Errichtung eines neuen Gebäudes. Mit der Vorlage ziele die Koalition auf eine „deutlich kostengünstigere Instandsetzung der Doppelanlage“, sagte Thomas Dürbeck, kulturpolitischer Sprecher der CDU im Römer.

Die Kosten von bis zu 900 Millionen Euro, die in einer Machbarkeitsstudie genannt wurden, seien den „Bürgerinnen und Bürgern nicht zu vermitteln: Wir brauchen dringend einen Plan B“, sagte Dürbeck.

Der Christdemokrat sprach sich zudem gegen Interimsspielstätten in der Zeit der Sanierung aus. Diese führten „unweigerlich zu einem Popularitätseinbruch“. Die Bühnen sollten „ohne große Einschränkungen für den Spielbetrieb“ saniert werden, so Dürbeck.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) lobte den Antrag. Nach der Vorstellung der Machbarkeitsstudie, die eine hervorragende und deutschlandweit beispiellose Bestandsaufnahme geliefert habe, hätten sich erste Punkte zur Kostenreduktion herauskristallisiert, sagte sie. „Daran schließt sich nun der Antrag der Koalitionsfraktionen sehr gut an, und wir können die Weichen für eine Entscheidung über Sanierung oder Neubau stellen.“

Der kulturpolitische Sprecher der FDP im Römer, Stefan von Wangenheim, sprach dagegen von einem Armutszeugnis. Die Koalition habe sich auf den allerkleinsten Nenner verständigt, wisse nicht, wie es weitergehen soll, sagte er der FR. Zugleich sprach er von einer Ohrfeige für die Kulturdezernentin. Auf die nun aufgeworfenen Fragen habe das von dieser vorgelegte Gutachten schließlich schon Antworten gegeben. Auch von der Idee, auf Ausweichspielstätten zu verzichten, hält von Wangenheim nichts. 

Bei der Linken stößt der Antrag der Koalition ebenfalls auf große Skepsis. Fraktionschef Martin Kliehm bezweifelt, dass eine Sanierung deutlich kostengünstiger zu haben ist. Die im Gutachten genannten Summen seien realistisch. Er weist etwa auf die Mängel beim Brandschutz, der Infrastruktur und am Dach hin.

An der Einrichtung von Interimsspielstätten komme die Stadt schon wegen des Umfangs der nötigen Sanierung und dem Lärm und Dreck, den diese verursachen werde, nicht vorbei. Letztlich diene der Antrag der Koalition nur einer Verzögerungstaktik, kritisierte Kliehm. Die Koalition versuche, die Entscheidung über die Zukunft der Städtischen Bühnen auf die Zeit nach der Kommunalwahl im Jahr 2021 zu verschieben. 

Schauspiel und Oper äußerten sich am Freitag nicht. Opernintendant Bernd Loebe teilte mit, er wolle der Entscheidung der Politik nicht vorgreifen. 
 

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