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Städte-Partnerschaft Mit der Straßenbahn von Herz zu Herz

Frankfurter Delegation feiert in China 30 Jahre Partnerschaft mit Guangzhou.

Feldmann in China
Ein Oberbürgermeister, ganz weit weg: Peter Feldmann in der Freundschafts-Straßenbahn. Foto: Sandra Busch

Bei so Städtepartnerschaften werden ja gerne Gemeinsamkeiten betont. Aber es gibt natürlich auch Dinge, die so verpartnerte Städte ganz und gar nicht gemeinsam haben. Bei Guangzhou und Frankfurt ist das auf jeden Fall: der Fußball. Der Boss von Guangzhou Evergrande ist einer der reichsten Männer Chinas, der Verein hat sieben Mal hintereinander die chinesische Meisterschaft gewonnen. Tja, und in dieser Saison läuft es nicht ganz so geschmiert. Vor Ende der Saison steht fest: Mit dem ersten Platz klappt es nicht mehr. In fußballerischer Hinsicht müsste Guangzhou dann wohl eher mit München verpartnert sein. 

Ist es ja aber nicht. Sondern seit 30 Jahren mit Frankfurt. Schließlich gibt es auch Gemeinsamkeiten. Und nach drei Jahrzehnten auch ganz viel Freundschaft. Die betonen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und sein Pendant aus Guangzhou, Wen Guohui, am Montag auch immer wieder bei den Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft. Für den Festakt ist Feldmann mit einer Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eigens nach China gereist. 

Damit das Jubiläum auch gebührend gewürdigt wird, hat Guangzhou einiges aufgeboten an diesem Tag. Eine Fotoausstellung eröffnet in der Bibliothek etwa – mit Bildern aus 30 Jahren Verbundenheit. Und Feldmann soll eine Straßenbahn in Betrieb nehmen: die Guangzhou-Frankfurt-Freundschaftsbahn, mit Motiven aus den beiden Partnerstädten. „Die Bahn wird die Herzen der Bürger weiter verbinden“, sagt Guohui. Die Beziehung zu Frankfurt sei vielfältig, es gebe sie im Handel, in der Kultur, im Jugendaustausch. „Die Zusammenarbeit müssen wir ausbauen.“ Findet auch Feldmann und sagt, die neue Bahn werbe für diese Gemeinschaft.

In Frankfurt würde Feldmann nun ins Führerhäuschen steigen und die Jungfernfahrt übernehmen. Hat er auch im Mai in Frankfurt gemacht, da wurde eine Straßenbahn mit demselben Motiv in Betrieb genommen. Er hat ja auch einen Führerschein dafür. Der gilt aber in China nicht. OB Guohui lässt ihn also nicht fahren. Da gibt es kein Pardon. Auch nicht für Oberbürgermeister. Aber einsteigen darf er natürlich. Und da erlebt der OB eine Überraschung: Sein Bild prangt – nicht ganz in Lebensgröße, aber fast – an der Tür des Führerstands. Hat er nicht gewusst. Gibt es in der Frankfurter Bahn nicht. Doch in Guangzhou begleitet er nun tagtäglich die Leute in der Bahn. Oder wie Nico Wehnemann (Die Partei) es ausdrückt: „Er ist allgegenwärtig und wird hier offensichtlich als Schaffner verehrt, das sollte in Frankfurt Schule machen.“

Überhaupt sieht innen alles anders als in Frankfurt aus. Wahrzeichen der Städte sind auf den Wänden abgedruckt, der Boden ist als Fluss bemalt, über den sich Brücken aus Frankfurt und Guangzhou spannen. Manuel Stock, Grünen-Fraktionschef, findet die Bahn gut. Sein Augenmerk liegt aber auf etwas ganz anderem: „Bemerkenswert, dass die Gleise begrünt sind, das soll in Frankfurt ja auch irgendwann kommen.“ Auch CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein findet die Bahn innen farbig schön ausgestaltet. „Wir sollten uns aber auch ein Beispiel an der Sorgfalt für die öffentliche Sauberkeit nehmen.“ Denn Müll liegt an den Haltestellen nirgendwo herum. 

In den 30 Jahren ist die Bindung zwischen Frankfurt und Guangzhou gewachsen. Die Zusammenarbeit will man nun vertiefen. Eine Memorandum wurde deshalb unterschrieben, und Frankfurt will auch seine französische Partnerstadt Lyon mit ins Boot holen. Ein Dreiecksverhältnis eingehen, ein Netzwerk bilden. „Wir wollen neue Dinge versuchen, über die Ein-Städte-Partnerschaft hinausgehen“, sagt der OB. 

In Guangzhou hat die langwährende Partnerschaft Spuren hinterlassen. So gibt es seit 1996 in einem Park den Frankfurter Garten. Ein Rosengärtchen, das von Frankfurt angelegt wurde. Und was es natürlich als Frankfurter Garten erkennbar macht: Es steht dort eine Goethe-Büste. Und ein Stein mit Frankfurt-Wappen. Doch beim Besuch des OB klagt der Parkdirektor, dass die Frankfurter Rosen in die Jahre gekommen seien. Und ob man nicht neue bekommen könne. Klar doch, sagt der OB. Macht man doch gerne für Freunde.

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