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Städel Meisterwerke reisen an

Alte Kunst ist empfindlich und wahnsinnig wertvoll. Bei der Vorbereitung der Städel-Ausstellung zum italienischen Manierismus herrscht deshalb die höchste Sicherheitsstufe.

Raus aus der Kiste: „Venus und Amor“ von Jacopo Pontormo, nach einem Entwurf von Michelangelo. Foto: Andreas Arnold

Da steht es, ein Schmuckstück der kommenden Ausstellung „Maniera“ im Städel: das moumentale Gemälde „Venus und Amor“ von Jacopo Pontormo. Die Stadtgrenze von Florenz hat es fast 500 Jahre lang nicht überschreiten dürfen. Rund 1000 Kilometer ist es nun erstmals gereist, um ein Blickfang der Schau über den Florentiner Manierismus zu werden.

Weil das Werk des alten Meisters aus dem Jahre 1533 so wahnsinnig wertvoll ist, wurde es auf dem gesamten Weg von einer bewaffneten Eskorte bewacht. Transporteure brachten es am Mittwoch ins Museum, ohne dass es zu einem Überfall gekommen wäre. „Die Kunst ist es, diskret zu sein“, sagt Alessandro Pena, der bei DB Schenker Art die Kunst-Transporte leitet. Es wüssten immer nur „zwei, drei Leute“, wo sich der Lastwagen mit der wertvollen Fracht befinde.

Geschützt war die fragile Kunst auch durch eine klimatisierte Box. In dieser Kiste harrte „Venus und Amor“ bis Freitag im Städel aus. Das Bild musste sich ans Frankfurter Klima anpassen. Mindestens 24 Stunden lang, so Katja Hilbig, die den Ausstellungsdienst im Städel leitet. Alte Kunst nimmt sehr leicht Schaden.

Ist das ein Riss, der sich durchs Gemälde zieht? „Das sind Pappelholzplatten, die sich leicht übereinander geschoben haben“, erklärt Kurator Bastian Eclercy. Das Holz arbeite über die Jahre, trotzdem hätten sich die Holztafeln nach einem halben Jahrtausend kaum verzogen.
Der Entwurf „für Venus und Amor“ stammt von Michelangelo, Meister der Hochrenaissance zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Dessen Skulptur „Aurora/Der Morgen“, ein Frauenakt, ist neben „Venus und Amor“ platziert, und zwar aus einem besonderen Grund. „Es gab seinerzeit den ‚Paragone‘, einen Wettstreit darum, was die edlere Gattung sei, Skulptur oder Malerei“, erklärt der Kurator.

Aufbau in nur zehn Tagen

Der geflügelte Amorknabe und seine Mutter, fährt er fort, seien so verschlungen, dass man nicht wisse, „wer wen verführt“. Klassisch seien die Symbole, Rosen für Venus, Pfeil und Bogen für Amor. Die Masken im Bild deuteten auf Täuschung hin.

Während Eclercy das Bild analysiert, herrscht um ihn herum Gewusel. Im Anbau des Städels, der für Sonderausstellungen gedacht ist, kommen ständig neue Objekte an, die die Restauratoren auf ihren Zustand prüfen, diesen genau protokollieren. Es geht zu wie im Taubenschlag.
Während die Mitarbeiter die ersten Kunstwerke hängen, kleben an vielen Stellen an der Wand noch Platzhalter aus Packpapier. Fotos zeigen, welche Kunstwerke dort hinkommen werden. „Wir haben für den Aufbau insgesamt nur zehn Tage Zeit“, sagt Katja Hilbig. Klar, da wollen wir nicht weiter stören. Ab Mittwoch können die Besucher dann selbst entscheiden, wer den Paragone für sich entschieden hat: Pontormo oder Michelangelo.

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