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Städel Frankfurt Kunst gegen das Vergessen

Mit Werken aus den vergangenen 700 Jahren ist das Städel ein lebendiges Gedächtnis der Kunstgeschichte. Nun will man auch Einzelnen dabei helfen, ihr Gedächtnis zu stärken: Das Städel und das Institut für Altersmedizin starten ein Projekt zu Demenz und Kunst.

Dagmar Marth vermittelt Rodin an Demente. Foto: christoph boeckheler*

Demenzkranke und ihre Angehörige können im deutschlandweit einmaligen Projekt Artemis von Städel und Institut für Altersmedizin einmal pro Woche in Führungen und Atelierkursen zueinander finden und Fähigkeiten entdecken. „Artemis ist ein Meilenstein, der das oft verdrängte Thema Alter mit dem Städel mitten in die Stadt holt“, hob Schirmherr Peter Feldmann am Montag, bei der Vorstellung des Projektes, hervor. Artemis, das steht für „Art Encounters: A Museum Intervention Study“ und ist sowohl eine wissenschaftliche Pilotstudie als auch ein Kunstworkshop für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen. Ein Team rund um Professor Johannes Pantel untersucht die Auswirkungen von regelmäßiger und interaktiver Beschäftigung mit Kunst auf das Wohlbefinden und Kommunikationsverhalten der Erkrankten.

Artemis richtet sich nicht nur an Erkrankte

Die Studie, die das Projekt begleitet, ist in dem Umfang und der wissenschaftlichen Rigidität einmalig, erklärte Pantel, Leiter des Bereichs Altersmedizin an der Goethe-Universität. Vor zwei Jahren waren Mitarbeiter von ihm auf einer Konferenz in Kanada auf eine ähnliche Studie im Museum of Modern Arts in New York aufmerksam geworden. „Was die in New York können, können wir in Frankfurt auch, wenn wir es nicht besser können“, habe man sich damals gedacht. Mit dem Städel habe man einen der besten Partner gewinnen können, da hier eine Vielzahl an Bildern und viel Wissen über Kunstvermittlung vorhanden sei, bedankte Pantel sich bei Max Hollein.

Auch dass sich Artemis an Erkrankte und die Angehörigen richtet, macht die Studie besonders, denn viele andere Demenzprojekte zielten nur auf die Betroffenen ab. „Wir wollen, dass es eine feste Begleitperson gibt, die den ganzen Kurs mit durchläuft“, erklärte Arthur Schall, der die Studie mitverantwortet. Auch wenn das Projekt erst vor kurzem in die erste Runde gestartet sei, habe man von den Teilnehmern – überwiegend Ehepaaren, sehr positive Rückmeldungen bekommen, was das Verhältnis zueinander anbelangt.

„Uns hat das schon viel geholfen“, berichtete zum Beispiel Karen Hirscher, eine der Teilnehmerinnen des Projektes. Als ihr Mann vor vier Jahren die Diagnose bekam, war das zunächst ein großer Einschnitt. Durch das Projekt habe sie mit ihrem Mann nun viel Freude. „Auch die Kommunikation untereinander ist deutlich besser“, erklärte sie.

Neben einer dialogischen Führung gibt es einen praktischen Teil im Atelier des Städels. Hier gestalten die Teilnehmer mit ihrem Partner Collagen und Acrylbilder oder arbeiten mit Blau und mit plastischen Materialien à la Yves Klein. „Auch wenn die Erkrankten zum Teil verbal eingeschränkt sind – sie haben gar kein Problem damit, frei und künstlerisch zu arbeiten“, betonte Dagmar Marth, die im Städel eine der sechs geschulten Demenz-Kunstvermittlerinnen ist. Durch die Förderung der Familie-Schambach-Stiftung können alle kostenlos teilnehmen. Auch die Forschung ist für die Dauer des Projekts finanziert. Da das Projekt in mehreren Stufen abläuft, können sich Betroffene und Angehörige zur Zeit noch für die Teilnahme an der Studie anmelden.

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