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Wohnen in Frankfurt Protest gegen Entmietung

Aktivisten kritisieren die Situation der Migranten im Haus in der Straße Am alten See.

Rödelheim
Rödelheimer Mieter klagen über menschenunwürdige Wohnverhältnisse. Foto: christoph boeckheler

"Schluss mit illegaler Entmietung“ ist auf einem Transparent an der Hattsteiner Straße zu lesen. Dahinter versammelten sich am Mittwochabend knapp 100 Menschen, um vor der Privatwohnung des Vermieter-Ehepaares eines Hauses in der Straße Am alten See 19 zu protestieren. Zusammen mit Bewohnern des Hauses wollte die Initiative „Rödelheim Solidarisch“ auf die katastrophale Situation in dem von Migranten bewohnten Haus sowie die illegalen Praxen der Vermieter aufmerksam machen.

Den ehemals 20 Mietparteien wurde zu Anfang des Monats gekündigt, da die Vermieter Eigenbedarf angekündigt hatten und das Haus sanieren lassen wollen. „Um dort hochwertigen Wohnraum entstehen zu lassen“, wie René Martin, Pressesprecher der Initiative, berichtet. Doch nicht alle Bewohner des Hauses ließen sich dies gefallen, sechs Parteien legten mit der Unterstützung eines Anwaltes Widerspruch gegen die Kündigung ein und blieben in dem Haus wohnen. Auch wenn sich dies, wie einer der Bewohner erzählt, „in einem miserablen Zustand befindet“ und der Putz bereits von den Wänden falle.

Vermietet werden in dem Haus einzelne Zimmer, die weder über eine eigene Dusche noch Toiletten verfügten, fährt er fort. Diese seien lediglich im Treppenhaus vorhanden und müssten sich von mehreren Mietparteien geteilt werden. Dennoch zahlen die Mieter, unter ihnen auch Familien, mehrere Hundert Euro Miete, weswegen Conny Petzold vom Verein „Mieter helfen Mietern“ auch „von einem klassischen Fall von Mietwucher“ spricht.

Vom Widerspruch der Mieter unbeeindruckt scheinen die Vermieter dennoch unverzüglich mit den Sanierungsarbeiten beginnen zu wollen. In der vergangenen Woche wurde bereits das warme Wasser im Haus abgestellt sowie Duscharmaturen und Toiletten ausgebaut. Seitdem stehe den zwölf verbliebenen Bewohnern nur noch eine Dusche und Toilette zur Verfügung, berichtet Martin. Einer gerichtlich erwirkten einstweiligen Verfügung, dies rückgängig zu machen, seien die Vermieter bisher nicht nachgekommen. Stattdessen, so berichten die Bewohner des Hauses, sei allen Mietern eine fristlose Kündigung zugestellt worden, da diese angeblich ihre Miete nicht gezahlt hätten. Dies sei jedoch ein „absurder Vorwurf“, kommentiert eine Hausbewohnerin. Schließlich habe man nie eine Kontonummer der Vermieter bekommen, die Miete stets in bar zahlen müssen und in den seltensten Fällen eine Quittung dafür gesehen. Des Weiteren, so berichtet sie, sei eine Hausbewohnerin sogar mehrmals von der Vermieterin persönlich an ihrem Arbeitsplatz aufgesucht und dort zum unverzüglichen Verlassen ihres Zimmers aufgefordert worden.

Für Rechtsanwalt Christopher Ehleben, der die Bewohner gerichtlich vertritt, ist eindeutig, dass die Vermieter alles versuchen, um die restlichen Mieter vor die Tür zu setzen: „Hier findet ganz klar Entmietung statt, nichts anderes.“

Das Vermieter-Ehepaar des Wohnhauses Am alten See wollte sich zu den Vorwürfen indes nicht äußern.

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