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Westend Vielfalt im Klassenzimmer

Die Stadtteilbotschafterin der Stiftung Polytechnische Gesellschaft will Heimatgefühl und Integration greifbar machen und die Bettinaschüler für „Nationen-Vielfalt sensibilisieren“.

Vane Beglaryan
Spielerisch bringt Vane Beglaryan (Mitte) Bettinaschülern das Thema Interkulturalität nahe. Foto: Christoph Boeckheler

Dass den aufgeblasenen Erdball am Ende so viele Klebepunkte zieren würden, damit hatte niemand gerechnet. Jeder der weißen, runden Sticker steht für ein Herkunftsland, das die 25 Bettinaschüler der Klasse 7d auf dem übergroßen Wasserball anbringen mussten. Überall finden sich zum Schluss Markierungen: Von Dänemark, England, Italien, Marokko über die Philippinen, Russland, Spanien, Saudi-Arabien, bis nach Tschechien, Türkei und Weißrussland.

„Interkulturalität, Heimatgefühl und Integration“ stand vor kurzem auf dem Stundenplan der Klasse 7 d des Gymnasiums in der Feuerbachstraße. Vane Beglaryan, Stadtteilbotschafterin der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, hatte für zwei Stunden den Unterricht übernommen. Erste Aufgabe für die Schüler war es, die ihre eigene Herkunft auf dem Globus zu markieren.

„Ich hätte nie im Leben gedacht, dass so viele aus verschiedenen Ländern sind“, sagt Schülerin Patrizia. Überrascht hat die Zwölfjährige, deren Wurzeln in Polen liegen, dass jeder Zweite in der Klasse einen Migrationshintergrund habe. Darüber hatte Beglaryan die Schüler informiert. Klassenlehrerin Halina Stevens ist verwundert, dass die „Schüler untereinander nicht wussten, woher sie kommen“. Im Fach Englisch, das sie unterrichte, komme die Klasse noch zum Thema Herkunft.

„Die ganze Welt ist in Frankfurt zu Hause“, sagt Vane Beglaryan, die in einem kurzen Vortrag Fotos ihrer Heimatstadt präsentiert. Mit ihrem Projekt will die 16-Jährige für „Nationen-Vielfalt sensibilisieren“ und hofft, dass durch den Austausch darüber ein besseres Verständnis untereinander entsteht.

Beglaryan ist selbst Bettinaschülerin

„Ich wusste nicht, dass Peter Verwandte in Japan hat“, sagt der zwölfjährige Finn. Sein Freund Peter, der neben ihm sitzt, erklärt: „Meine Tante lebt dort.“ Die 13-jährige Lilli erzählt, dass ihre Großeltern aus Lettlands Hauptstadt Riga stammen. Spannend finde sie es, mehr über die Herkunft ihrer Mitschüler zu erfahren.

Beglaryan ist selbst Bettinaschülerin in der elften Klasse mit den Leistungskursen Englisch und Musik. Auf die Idee für ihr Projekt kam sie, als sie im Vorjahr einen Aufsatz für ein Programm der Deutsch-Französischen Gesellschaft geschrieben hatte. Thema des Essays seien „Toleranz und Integration“ gewesen, sagt Beglaryan, deren Eltern aus Armenien kommen.

In einer fiktiven Korrespondenz ließ sie ein französisches und ein deutsches Mädchen über ihre Geburtsländer austauschen. Ein besseres Verständnis sei das Resultat des Austauschs, befand Beglaryan. Dieses Ziel wollte sie auch in der Realität umsetzen. Außerdem möchte sie das Gemeinschaftsgefühl der Schüler untereinander stärken. An der Tafel steht: „Bei Heimat denke ich an: Spaß, Familie, Essen, Freunde.“ Gemeinsamkeiten, die sich wohl mit den Ansichten vieler Menschen decken, egal, woher sie kommen.

Damit den Schülern das Projekt in Erinnerung bleibt, will Beglaryan ein „Projekt-Magazin“ erstellen, in dem Zitate der Schüler sowie Fakten zum Thema Platz finden. Ob es eine Fortsetzung des Projektes geben wird, ist noch unklar. Die Oberstufenschülerin, die im kommenden Jahr ihr Abitur ablegen will, sagt, sie könne sich vorstellen, das Projekt auch mit anderen Altersstufen durchzuführen.

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