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Westend Kunden schätzen die Qualität

Am Grüneburgweg wird das gastronomische Angebot immer größer. Dafür können sich immer weniger kleine Händler die steigenden Mietpreise leisten, sagt die Aktionsgemeinschaft Westend.

Westend
Waren für den täglichen Bedarf finden sich am Grüneburgweg viele. Foto: Christoph Boeckheler

Bei Ivo Vodanovic sind die Regale voll: Mehr als 200 Paare frisch geflickter Schuhe stapeln sich hinter dem Tresen der kleinen Schuhmacherei am Grüneburgweg 55. Im Laden arbeitet Inhaber Ivo Vodanovic selbst, zusammen mit zwei weiblichen Lehrlingen. „Bei uns ist der Frauenanteil höher als der Männeranteil“, sagt Vodanovic und lacht.

Der in Kroatien geborene Schuhmachermeister hat sich 1991 selbstständig gemacht. Er hat Filialen im Gallus, in Sachsenhausen, in Rodgau und Darmstadt. „Hier im Westend läuft das Geschäft ausgezeichnet. Die Kunden schätzen gute Qualität“, sagt Vodanovic.

Viele Westendbewohner kauften teure Schuhe, die sie dann auch reparieren ließen. „Wir haben feste Stammkunden, genauso wie Laufkundschaft hier auf dem Grüneburgweg. Der Bedarf ist da“, sagt er. Auch sonst gibt es am Grüneburgweg viele Boutiquen, die vor allem Luxusartikel anbieten. Besonders im Abschnitt westlich des Reuterwegs.

 

Schon immer galt der Grüneburgweg, der von der Eschersheimer Landstraße direkt zum Grüneburgpark führt, als Treffpunkt der Hautevolee. Seinen Namen erhielt der Weg als Zufahrtsstraße zur „Grünen Burg“, die im heutigen Park stand. Das Anwesen gehörte über viele Jahre dem Bankier Peter Heinrich Bethmann-Metzler — der dort häufig prominente, kultivierte Gäste begrüßte, wie etwa Johann Wolfgang von Goethe oder Clemens Brentano.

Heute streift der Grüneburgweg immerhin noch den Campus der Goethe-Uni. In der Nähe findet sich die Autorenbuchhandlung Marx und Co. Verkäuferin Chantal Gissel ist zufrieden mit dem Standort Grüneburgweg 76. Generell lebe im Westend ja ein eher gebildetes Bürgertum, das Interesse an Literatur habe, so die Buchhändlerin. Auch „durch die benachbarte Universität haben wir viele Kunden“, sagt sie.

 

Bernd Laskus von der Aktionsgemeinschaft Westend beobachtet die Entwicklung der Straße mit Sorgen: „Anstatt der traditionellen Bäckerei gibt es immer mehr Frühstückscafés oder Restaurants mit Mittagstisch“, berichtet Laskus. Grund dafür sei wahrscheinlich die vermehrte Ansiedlung von Anwaltskanzleien und Wirtschaftsbüros. „Viele treffen sich für ein kurzes Essen in der Mittagspause“, sagt Laskus.

Er beobachtet eine Gentrifizierung der Einkaufsstraße. Immer mehr kleinere Händler verschwinden. Die Rewe-Filiale im östlichen Teil der Straße floriere dagegen. Grund dafür seien die steigenden Immobilienpreisen im Viertel. „Eingesessene Anwohner werden entmietet und Immobilienpreise steigen nach Sanierungen ins Unermessliche“, sagt Laskus.

Hans-Jürgen Hammelmann, Vorsitzender der AGW und Fraktionsmitglied der Linken im Ortsbeirat, pflichtet Laskus bei: „Fakt ist das sich durch neue Luxusbauten wie dem Onyx oder Hochhaus am Park der Druck auf den Immobilienmarkt erhöht. Kleinere Bäckereien oder Metzger haben es immer schwerer.“

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