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Westend Institut für volatile Immobilienpreise

Das einstige „Institut für vergleichende Irrelevanz“ soll wieder einmal gewinnbringend verkauft werden.

Institut für vergleichende Irrelevanz
Das Institut für vergleichende Irrelevanz im Frankfurter Kettenhofweg soll für knapp drei Millionen Euro verkauft werden.

Das ehemalige Institut für vergleichende Irrelevanz steht mal wieder zum Verkauf. Im Internet wird die Immobilie Kettenhofweg 130 derzeit für 2,9 Millionen Euro angeboten, der dazugehörige Begleittext ist von einer gewissen Chuzpe getragen. Die Immobilie, heißt es da, habe „ein Stück Frankfurter Geschichte geschrieben“, etwa „als Heimstätte für Kultur- und Bildungsveranstaltungen des ,Instituts für vergleichende Irrelevanz‘“. Nun warte das „unter Denkmalschutz stehende Gebäude“ auf „eine neuzeitliche Nutzung“ – eine „Baugenehmigung zur Umnutzung in ein Boarding-House“ habe das Bauamt bereits erteilt. „Gerne stellen wir Ihnen dieses spannungsreiche Objekt in einem persönlichen Termin vor und begleiten Sie durch ein Stück Zeitgeschehen.“

So kann man es natürlich auch sagen. Bis zu seiner Zwangsräumung war das „IvI“ jedenfalls ein Ort der alternativen Gegenkultur, mit Lesungen, Konzerten und Partys. Und ein ständiger Dorn im kommunalpolitischen Schuh. Die Uni war heilfroh, das Gebäude los zu sein, der neue Besitzer, die Immobiliengesellschaft Franconofurt, sorgte dafür, dass das Haus von den menschlichen Renditehemmnissen befreit wurde. Eine Million Euro zahlte die Franconofurt 2012 an die Uni, kaufte das Haus und klemmte den Bewohnern postwendend Strom und Wasser ab. Ein echtes Schnäppchen: Man habe das Gebäude, sagte Geschäftsführer Christian Wolf im November 2013, für zwei Millionen Euro „an einen Privatmann veräußert, der sozusagen Häuser sammelt“ und der es schon in Bälde an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst vermieten wolle. Es war damals ohnehin aus allen Ecken der Kommunalpolitik zu hören, dass die Studierenden das Haus für lau und widerrechtlich nutzten (was ja auch stimmte), aber schon jede Menge tolle Ideen und Interessenten für eine Nutzung, die dem öffentlichen Interesse dienten, da seien (was offenbar nicht stimmte). Selbstverständlich steht das Gebäude bis heute leer.

[... ] Angeboten wird es derzeit von einer Immobiliengesellschaft. Die sich immerhin traut, die linken Studierenden, die damals rausgeschmissen wurden, heute als verkaufsförderndes Argument und Garanten einer geschichtsträchtigen Gebäudegeschichte zu präsentieren.

Die Wertsteigerung der leerstehenden Immobilie im Kettenhofweg mag für Außenstehende aberwitzig erscheinen. Sie ist es auch – aber nicht gemessen an Frankfurter Verhältnissen. Das zeigt auch der Fall der ehemaligen Unternehmenszentrale der ABG in der Elbestraße 48. Diese hatte die städtische Wohnungsbaugesellschaft im Februar 2014 für 5,6 Millionen Euro ebenfalls an eine Gesellschaft des Häusersammlers L. verkauft – was nach Angaben von ABG-Chef Frank Junker damals über dem eigentlichen Schätzpreis gelegen habe und auch das beste Angebot gewesen sei. Später gab es offenbar noch bessere, jedenfalls verkaufte L. das Gebäude bereits im März 2015 für sagenhafte 9,75 Millionen Euro an eine Immobiliengesellschaft weiter – ohne dass Bewohner hätten vergrault werden müssen oder irgendetwas saniert worden wäre. Überflüssig zu erwähnen, dass das Gebäude bis heute selbstverständlich leer steht.

Nach Einschätzung von ABG-Chef Frank Junker hat sich seine Gesellschaft damals nicht über den Tisch ziehen lassen, sondern einen fairen Preis für die Immobilie erhalten. Und die unfassbaren Wertsteigerungen binnen kürzester Zeit seien auch kein Indiz für eventuelle großangelegte Geldwäschen im Frankfurter Immobilienhandel. Sie seien vielmehr „Teil des ganz normalen Wahnsinns, der sich seit nun mittlerweile zwei bis drei Jahre hier abspielt“.

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