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Westend Gottes Segen für Gründer

Das Bistum Limburg setzt auf Business im ehemaligen Haus der Begegnung. Kritik kommt von früheren Mitarbeitern.

Glaubt man Peter Kubikowskis Version der Geschichte der Kirche, waren Theologen schon immer Gründer: „Bereits beim Jesuitenorden gab es einen Gründergeist“, sagte der Leiter der neueröffneten Villa des selbigen Namens am Dienstag. Da verstehe es sich von selbst, dass das Bistum Limburg – seit 1961 Besitzer des Hauses im Westend – das ehemalige Begegnungszentrum nun in eine Art Treffpunkt und Arbeitsplatz für Start-up-Gründer und Kreative umwandelt.

„Das Haus wird aber weder zur Start-up-Villa, noch zum reinen Co-Working-Space“, betonte Kubikowski bei der Eröffnung. Der Profitgedanke stehe nämlich nicht im Vordergrund. Anders als etwa im benachbarten Co-Working-Büro „WeWork“ an der Taunusanlage gehe es eher darum Platz zu schaffen für Firmen, die einen „Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, offen und werteorientiert sind“, versuchte Pressesprecher Stephan Schnelle das Konzept zu erklären. Ein konkretes Beispiel, wer in die Räume einziehen wird, konnte er allerdings nicht nennen. Zwar gebe es Interessenten, aber noch keine Mieter. Einzig die Firma Bene – mit Gründungsjahr 1790 nicht gerade ein Start-up – ist bereits an Bord: Der österreichische Möbelhersteller hat die Villa mit Holzboxen ausgestattet, die wahlweise als Büromöbel, Bühne oder Biergarnitur auf- und umgebaut werden können.

Generell soll nicht jeder, der in der Gründergeist-Villa arbeiten möchte, Miete zahlen. Im Einzelfall entscheide die Hausleitung. Kubikowski erklärte: „Es gibt zahlreiche Gründer, die keine großen Kredite für ihre Ideen bekommen und sich nicht einfach in Co-Working-Spaces einmieten können.“ Falls solch ein Konzept überzeuge, würde ein Platz in der Villa zunächst kostenfrei angeboten.

Die Voraussetzung: Es muss ein Mehrwert für die Gesellschaft erkennbar sein; katholisch müssten die Gründer aber nicht sein. Kostenlos sollen die Räume auch für junge Künstler aus der Region sein. Vivien van Deventer, Referentin für Kultur beim Bistum, erläuterte: „In der Villa wird es eine aktive Künstlerförderung geben.“ Denn Räume für junge Kreative seien in Frankfurt oft teuer und rar. Momentan ist in der Villa die Vernissage „Frankfurt 43“ ausgestellt.

„Mit der Neuausrichtung möchten wir einen Beitrag zur Entwicklung der katholischen Kirche leisten“, sagte David Schulke, Abteilungsleiter für junge Erwachsene beim Bistum. Denn auch die Kirche selbst müsse sich verändern, mehr auf Vernetzung setzen, jüngere Leute ansprechen. Das habe in den vergangenen Jahren mit dem Haus der Begegnungen nicht wirklich funktioniert, gibt Schnelle zu: „Um 2012 ist das Kursangebot eingebrochen, statt wie zu Hochzeiten 20 000, nutzten nur noch knapp 5000 Leute das Programm.“

Norbert Copray erzählt eine andere Geschichte der Villa. Der Sozialwissenschaftler und Publizist hatte das Haus der Begegnungen Anfang der 1980er Jahre mit aufgebaut und leitete die Einrichtung achtzehn Jahre lang. „Das Bistum hat das Haus vernachlässigt und die Arbeit teilweise behindert“, urteilt er. Nachdem Ex-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst Coprays Nachfolger Patrick Dehm vor etwa drei Jahren entlassen hatte, (die Kündigung erwies sich im Nachhinein als unrechtmäßig) habe der „Niedergang“ begonnen. „Statt neuen Ideen gab es nun ein abgespecktes Programm, das Haus war lange ohne Leitung“, so Copray. Seine Vermutung: „Der Geist des Hauses war dem Bistum zu weltlich-liberal.“ Zuvor hatte die „Hessenschau“ über das Thema berichtet. Eine ehemalige Kursleiterin des Hauses bestätigte Coprays Version im Bericht. Die neue Nutzung findet Copray „engspurig“; schließlich gebe es bereits zahlreiche Förderprogramme für Start-ups.

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