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Westend Erst fragen, dann abholzen

Das Beispiel vom Beethovenplatz im Frankfurter Westend zeigt, dass Baumfällungen keine Privatsache sind.

Beethovenplatz
Weg ist der Baum: nach dem Kahlschlag am Beethovenplatz 4 im Westend. Foto: Renate Hoyer

Schön grün war es vor dem Haus Beethovenplatz 4 im Westend. Jetzt ist rechts vom Eingang nur noch viel versiegelter Boden, und deshalb ermitteln zwei Behörden. Hinter dem Fall steckt wohl kein böser Wille, wie sich abzeichnet, aber ein Versäumnis – und das kostet Geld. Vielleicht können andere Grundstücksbesitzer aus der Angelegenheit lernen.

Auf Google Maps ist die Flora immer noch zu sehen: Üppig ragt sie aus einem großen Pflanzkübel an der Fassade des Studentenwohnheims empor bis in den vierten Stock. Aber um die Jahreswende verbreitete sich die Nachricht auf Twitter: Alles weg, rechts vom Hauseingang, alles abgeholzt, und übrig ist nur Steinboden. Ein Fall für die Untere Naturschutzbehörde (UNB) beim Frankfurter Umweltamt. „Wir haben Ermittlungen aufgenommen“, sagt UNB-Leiter Volker Rothenburger auf FR-Anfrage. „Das ist eine ungenehmigte Fällung, da wurden Bäume und Gebüsch entfernt.“ Als nächster Schritt folgt die Anhörung des Verursachers. „Und dann werden wir überlegen, wie wir gemäß der Baumschutzsatzung damit umgehen.“

Das Wohnheim am Beethovenplatz betreibt das Studentenwerk Frankfurt, und dessen Abteilungsleiter Wohnen, Eric Erdmann, redet gar nicht drum herum: „Wir mussten das Grün dort herausnehmen und haben auch das Hochbeet entfernt – aber das ist nur temporär.“ Ein mehrstämmiger Maulbeerbaum habe da gestanden, und der sei krank gewesen, Fäulnis habe sich ausgebreitet. „Nach Rücksprache mit einer Fachfirma sei nichts anderes übriggeblieben, als schnell zu handeln, wegen der Verkehrssicherungspflicht. Wie gesagt: „Kein böser Wille“, betont Erdmann. „Wir wollten niemanden erschrecken.“

Erschrocken sind die Nachbarn trotzdem. Jetzt der Fehler: Das Studentenwerk hat nicht rechtzeitig den Kontakt mit der Stadt gesucht. „So eine Baumfällung zu beantragen, dauert Wochen“, sagt Erdmann. Aber keine Baumfällung zu beantragen, gibt Ärger. Nicht nur mit der Unteren Naturschutzbehörde übrigens, sondern auch mit der Bauaufsicht. „Wir haben ein Verfahren eingeleitet“, sagt deren Leiterin Simone Zapke. „Ziel ist es, die Vorgartensatzung umzusetzen.“ Sie unterstelle keine bösen Absichten: „Hauptsache, der Platz wird wieder begrünt.“

Das hat das Studentenwerk auch vor. „Wir werden das natürlich alles wiederherstellen, das haben wir auch der Stadt schon mitgeteilt“, sagt Erdmann. Zu den Kosten fürs Aufforsten kommt dann womöglich ein Bußgeld. Dessen Höhe hängt von der Größe des Baumes ab und von der Frage: Vorsatz oder nicht.

Dass jemand abholzt, ohne zu fragen, komme regelmäßig vor, sagt Volker Rothenburger, „mehrmals im Monat“. Wer keinen Ärger mit dem Umweltamt bekommen will, für den empfiehlt sich, einfach rechtzeitig vorher Kontakt aufzunehmen.

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