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Weltkriegsbombe in Frankfurt „Respekt vor jeder neuen Bombe“

Die Entschärfung der Weltkriegsbombe im Frankfurter Gallus verläuft ohne große Probleme. 16.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Es ist bereits der zehnte Bombenfund in Frankfurt seit Anfang 2017. Es könnten noch einige folgen.

Bombe in Frankfurt
Im Frankfurter Europaviertel nahe der Messe ist eine Weltkriegsbombe gefunden worden. Rund 16.000 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen. Foto: christoph boeckheler

Um 1.05 Uhr ist die Gefahr im Gallus vorbei. Alle können aufatmen. Niemand ist verletzt worden. „Die Entschärfung der Bombe ist gut gelungen“, so formuliert es Rudi Reitz vom Fachkommando Süd der Firma Tauber. Diese war im Auftrag des Kampfmittelräumdienstes des Landes Hessen in der Nacht von Montag auf Dienstag im Einsatz. 45 Minuten habe die Entschärfung der 125 Kilogramm schweren US-Fliegerbombe auf einem Baustellengelände an der Europa-Allee gedauert. In einem Umkreis von rund 700 Metern mussten in nur wenigen Stunden 16.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen.

Angst sei ein schlechter Berater, sagt Rudi Reitz. „Aber wir haben Respekt vor jeder neuen Bombe. Man weiß nie, was einen erwartet.“ Der Kopfzünder der Bombe sei stark deformiert gewesen, aber auch nicht problematischer als der Bodenzünder zu entschärfen gewesen. Der Fundort der mehr als 70 Jahre alten Weltkriegsbombe sei kein Zufall. „Früher war hier ein Güterbahnhof“, sagt Reitz. Und da hier durchaus noch weitere Bomben sein könnten, würden auch die weiteren Bauarbeiten von einem Kampfmittelräumdienst begleitet.

Erst am Montagvormittag war die Bombe bei Bauarbeiten entdeckt worden. Am Nachmittag geht die Nachricht an die Öffentlichkeit. 16.000 Menschen müssen ihre Wohnungen so schnell wie möglich verlassen. Doch ganz so schnell wie erhofft gelingt das nicht. Der ursprünglich für 23 Uhr geplante Beginn der Entschärfung verzögert sich so  um eineinhalb Stunden. „Noch zu später Stunde meldeten sich Anwohner, die alleine nicht aus der Wohnung konnten, weil sie mobil eingeschränkt sind. Sie baten uns, sie abzuholen“, sagt Feuerwehrsprecher Rainer Heisterkamp. Allein 70 Menschen mussten liegend transportiert werden. Sie kamen in Pflegeheimen oder Krankenhäusern unter.

2000 Menschen – darunter viele Familien mit Kindern – gehen zur kurzfristig eingerichteten Betreuungsstelle in Halle 5 der Messe. Aber da die Bombe schnell entschärft ist, können die meisten Evakuierten noch in der Nacht ins heimische Bett.

225 Mitarbeiter von Feuerwehr, Bürgertelefon und Hilfsorganisationen sind im Einsatz. Auch der Bahnverkehr wird zwischen Galluswarte und Westbahnhof für zwei Stunden eingestellt.

Es sei bereits die zehnte Weltkriegsbombe, die seit 2017 in Frankfurt entdeckt worden sei, so Feuerwehrsprecher Heisterkamp. Davon jetzt die vierte im Gallus. Nicht jedes Mal musste das Gebiet evakuiert werden. Im September 2017 hatte aber im Westend eine 1,4 Tonnen schwere Bombe für die größte Evakuierung der deutschen Nachkriegsgeschichte gesorgt: 60.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. „Das wird auch diesmal nicht die letzte Bombe gewesen sein“, sagt Heisterkamp.

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