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Tibethaus in Bockenheim Kampf um Erhalt des alten Tibethauses

Viele Menschen kämpfen gegen den Abriss des alten Tibethauses im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Die Römer-Koalition vertagt ihre Entscheidung.

Bockenheim
Das Tibethaus in Frankfurt ist umgezogen. Um den Erhalt des ehemaligen Standorts in Bockenheim gibt es Streit. Foto: Boris Roessler (dpa)

In Bockenheim haben schon 815 Menschen eine Petition für den Erhalt des früheren Tibethauses, Friesengasse 13, unterschrieben. Am Dienstagabend kamen Annette Mönich vom Stadtteilbüro Bockenheim und ihre Mitstreiterinnen in den Haupt- und Finanzausschuss im Frankfurter Römer, um dort den Kampf fortzuführen. „Wir müssen Strukturen erhalten, die Identität schaffen!“, hieß Mönichs eindringliches Plädoyer.

Die Stadt aber will knapp 200 Quadratmeter kommunale Fläche an einen privaten Investor verkaufen. Der könnte dann dieses Grundstück mit dem benachbarten Kaufunger Straße 4 verschmelzen, das alte, leer stehende Tibethaus abreißen lassen und statt dessen bis zu 20 Eigentumswohnungen errichten. Seit Tagen werden insbesondere die Fraktionen von CDU und Grünen im Römer mit Protestbriefen aus dem Stadtteil eingedeckt, wie die Fraktionschefs Michael zu Löwenstein und Manuel Stock berichteten.

Mönich kritisierte, dass die Stadt ihre eigene Milieuschutzsatzung von 2015 missachte: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern!“ Es entstehe „sehr hochpreisiger Wohnraum“, den sich nur wenige Menschen leisten könnten. Die Aktivistin erinnerte daran, dass die Stadt das grüne „Kaufunger Plätzchen“ am Tibethaus einst als Erholungsfläche geschaffen habe, unter anderem für 120 Senioren im naheliegenden Altenheim.

Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) war eigens in den Ausschuss geeilt, um bei den Stadtverordneten für den Verkauf des städtischen Grundstücks zu werben. Er argumentierte, die alte Brotfabrik, aus der dann das Tibethaus wurde, sei kein geschütztes Kulturdenkmal. Wenn die Stadt keinen Wohnraum in Frankfurt schaffe, würden „die Menschen nach Bad Vilbel abwandern“ – offenbar eine besondere Horror-Vision.

Linke sprechen von Verkauf „ohne Not, ohne Grund“

Schneider versprach, der Bauherr werde den Menschen „bei den Mieten entgegenkommen“. Die Linken überzeugte der Stadtrat aber dennoch nicht. Ihr Stadtverordneter Michael Müller sprach von einem geplanten Verkauf „ohne Not, ohne Grund“. Die Linken verlangten, dass auf den beiden Grundstücken, wenn überhaupt, nur öffentlich geförderter Wohnraum entstehen solle. Draußen brach die Dunkelheit herein, drinnen ging die Debatte weiter. Die AfD änderte ihr Votum von Zustimmung in Ablehnung: „Uns haben die Argumente der Bürger überzeugt“, so Fraktionschef Rainer Rahn.

Manuel Stock, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer, bekannte: „Wir haben viel Post aus Bockenheim bekommen – wir sind noch in Beratung!“ Die CDU will das Projekt in ihrer Fraktionssitzung am heutigen Mittwoch diskutieren. Deshalb vertagte die Römer-Koalition die Abstimmung am Ende auf den morgigen Donnerstag.

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