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Stadtentwicklung in Frankfurt Einst Brotfabrik, dann Tibethaus

Das Tibethaus im Frankfurter Stadtteil Bockenheim soll Eigentumswohnungen weichen. Bei einem Rundgang informieren sich rund 40 Bürger über das Areal.

Bockenheim
Rundgang der Initiative Zukunft Bockenheim um das Ex-Tibethaus. Foto: peter-juelich.com

Wer auf dem kopfsteingepflasterten Hof der alten Brotfabrik steht, wähnt sich wie in einer vergangenen Zeit. Ein niedriges, weißes Fachwerkhäuschen mit Lehmwänden und grünen, hölzernen Klappläden, das sich an das dunkle, zweistöckige Backsteingebäude der kleinen Fabrik aus dem 18. Jahrhundert anschmiegt, vermitteln diesen Eindruck. Weil im ersten Stock des ehemaligen Backbetriebs, der in den 1960er Jahren eingestellt wurde, bis Juli dieses Jahres das „Tibethaus“ untergebracht war, ist das Gebäude auch unter diesem Namen bekannt.

Zu einem historischen Rundgang um das Grundstück, das an den Hülya-Platz grenzt und dessen Hofeinfahrt an der Friesengasse 13 liegt, hatte am Dienstagnachmittag die Initiative Zukunft Bockenheim eingeladen. Rund 40 Interessierte waren gekommen. Anlass des Rundgangs war der drohende Abriss der Gebäude, die aktuell als Wohnungen genutzt werden. Auf dem Gelände, das die Stadt an einen Investor verkauft hat, sollen auf mehreren Etagen 20 Eigentumswohnungen entstehen. Der Architekt DW Dreysse hat von 1979 bis 1991 die benachbarte Altenwohn-Anlage sowie den Platz davor, den heutigen Hülya-Platz, mitgeplant und -bauen lassen. Das Pflegeheim hatte ursprünglich, nach Plänen der Stadt, auf dem Gelände der Brotfabrik errichtet werden sollen. Dreysse sagte am Dienstag : „Dieses Ensemble mit dem Hof bildet ein Dokument über die historische Entwicklung Bockenheims“.

Sein Architekturbüro sowie die Verantwortlichen des Stadtplanungsamtes hätten damals die „kleinkörnige Gegend mit vielen einzelnen Häusern und die Reste des Dorfes Bockenheim“ berücksichtigt. Daher hätten sie die Wohnanlage nicht als einen Komplex konzipiert, sondern versucht, kleinteilig in den Charakter des Stadtteils einzufügen. Heute sei vom alten Bockenheim nur noch wenig erhalten. Dreysse bezeichnete die alte Brotfabrik als „Perle“, die bewahrt werden solle. „Es ist eines der ersten Industriegebäude Bockenheims“, sagte er

Die Geschäftsführerin des Tibethauses, Elke Hesse, das elf Jahre in der Brotfabrik untergebracht war, sagte: „Wir waren sehr gerne hier“. Sie lobte die „dörfliche Atmosphäre“ rund um den Hülya-Platz. „Dieser Ort gehört dazu und muss in dieser Struktur erhalten bleiben“, ergänzte Hesse. Kurt Bovensiepen vom Dritte Welt Haus, das von 1983 bis 1991 in der Brotfabrik beheimatet war, sagte, dass vor dessen Einzug Geld von privater Seite investiert worden sei, um das Gebäude zu sanieren. Im Laufe der Jahre sei auch viel Steuergeld in die Instandhaltung der Gebäude geflossen, sagte Anette Mönich, von der Initiative Zukunft Bockenheim. Vor 17 Jahren hatte der ehemalige Eigentümer Dieter Rauch, dessen Großeltern die Brotfabrik betrieben, das Grundstück verkauft.

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