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Sindlingen Die Kunst des Kelterns

Die drei Ebbelweikönige Gernot Kölbl, Gerald Carda und Martin Bertelmann aus dem Frankfurter Stadtteil Sindlingen sprechen über ihr Geheimrezept.

Apfelweinkönige
Die Apfelweinkönige Gernot Kölbl und Martin Bertelmann genehmigen sich ein Glas. Foto: Michael Schick

Wie Frankfurt und der Ebbelwei so gehören Sindlingen und das Keltern zusammen. Seit 18 Jahren kürt der Stadtteil im Zuge der Kirchweih im Oktober den Apfelweinkönig. In diesem Jahr gewannen drei Männer die begehrte Stöffche-Krone – sie nennen sich die „Gärfreunde“.

Gernot Kölbl, Gerald Carda und Martin Bertelmann stellen seit fast einem Jahrzehnt gemeinsam Apfelwein her. Die Tradition begründete Eventmanager Kölbl, als er vor neun Jahren nach Sindlingen zog. „Da das Apfelweinfest der St.-Dionysus-Gemeinde direkt gegenüber unseres Hauses stattfindet, sind meine Frau und ich zwangsläufig auf die Veranstaltung aufmerksam geworden“, erzählt Kölbl.

Daraufhin holte der 51-Jährige seine Freunde ins Boot. Seitdem tragen alle ihren Teil bei: Martin Bertelmann ist gebürtiger Sindlinger und hat Erfahrung im Keltern. Gerald Carda aus Höchst besitzt Streuobstwiesen in Bergen-Enkheim. „Wir können deshalb mit vielen verschiedenen Apfelsorten arbeiten“, sagt Kölbl.

Die Mischung macht’s: Zehn Apfelsorten waren im prämierten Wein enthalten – und die passten offenbar gut zusammen. Das ist nicht selbstverständlich: „Alle unsere Weine schmecken unterschiedlich, weil die Zusammensetzung immer eine andere ist. Eine feste Rezeptur haben wir nicht“, sagt der Hobbykelterer. „Unser Sieg ist also gewissermaßen dem Zufall zu verdanken.“ Wobei: „Ein Gesetz gibt es doch. Wenn die Äpfel sauer sind, dann schmeckt der Wein am besten.“

Zweieinhalb Tonnen Äpfel verarbeitet

Zweieinhalb Tonnen Äpfel ernten die Gärfreunde jährlich. Meist mit tatkräftiger Unterstützung der Familien und Freunde. 400 Liter Wein stellen sie im Durchschnitt aus ihrer Ernte her. „Die reichen dann für ein ganzes Jahr – und die Teilnahme am Apfelweinfest“, so der 51-Jährige. Mehrfach habe die Keltergemeinschaft mit ihrem Stöffche den 3. oder 4. Platz belegt. Dieses Mal hat es gar für die Krone gereicht. „Wir haben uns darüber gefreut. Aber wir sehen das Ganze olympisch: Dabei sein ist alles – es geht uns in erster Linie um den Riesenspaß.“

Unter elf Gruppen haben sich die drei Männer beim Festakt am 21. Oktober durchgesetzt. Die einzigen Voraussetzungen für die Teilnahme waren der Bezug zum Stadtteil, und dass der Wein selbst gemacht ist. Mit 15 Litern Ebbelwei ging jede Gemeinschaft an den Start. Verkostet wurde blind. Die rund 140 Besucher der Kirchweih bildeten die Jury. Bewertet wurde mit Noten von eins („Goldisch Stöffche“) bis sechs („Salatbrieh“). Am Ende mundete der Wein der Gärfreunde am besten.

Viel Wein für wenig Aufwand: Produziert wird der preisgekrönte Apfelwein in Gernot Kölbls Keller. Vier Tage im Jahr beansprucht der händische Teil des Prozesses: Zwei Tage für das Sammeln, Verladen und Pressen der Äpfel; zwei weitere Tage für das Abschmecken, Abziehen und Abfüllen des fertigen Apfelweins. „Vom Ergebnis zehren wir lange. Eigentlich trinken wir das ganze Jahr über nichts anderes als Apfelwein“, meint der Hobbykelterer und lacht. „Natürlich verschenken wir auch zu jeder Feier ein paar Flaschen.“

Und was braucht es zum Keltern? „Auch das Beschaffen der Ausrüstung ist unaufwendig“, erklärt Kölbl und zählt auf: „Man nehme einen Gärbehälter, ein Gärröhrchen und einen Schlauch zum Abziehen des fertigen Apfelweins, sobald sich die Hefe gesetzt hat.“ Der Wein macht sich also von selbst? „Ja, es ist wirklich denkbar einfach“, meint Martin Bertelmann. Seit seinem 18. Lebensjahr stellt der Architekt Apfelwein her. „Wichtig ist nur, dass kein Sauerstoff im Gärgefäß ist und dass die Kanister vor der nächsten Befüllung gereinigt werden. Dafür verwenden wir hochprozentigen Alkohol.“ Die Idealtemperatur für den Gärprozess liege zwischen zwölf und 15 Grad Celsius. Unter diesen Bedingungen brauche der Wein etwa drei Monate, bis er genießbar sei.

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