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Schulen in Frankfurt Ein Einhorn hinter Türchen Nummer 5

Kinder der Günderrodeschule verwandeln die Frankenallee im Frankfurter Gallus in ein Märchenland zum Hören.

Schulen in Frankfurt
Aeneva (10) aus der Klasse 4c lauscht mal, wie das klingt. Foto: Renate Hoyer

Über die Frankenallee wird ein Einhorn gejagt. Das ist natürlich Fiktion. Wahr dagegen ist, dass dieser Geschichte am frühen Mittwochabend Passanten mit Kopfhörern lauschen können, die Mitarbeiter des Galluszentrums mitsamt Abspielgeräten an sechs Straßenlaternen auf dem Mittelstreifen der Frankenallee aufgehängt haben. Das Hörspiel haben sich Viertklässler der Günderrodeschule ausgedacht.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Medienzentrums haben die 20 Grundschüler der Klasse 4c die Audioinstallation „Wie klingt der Winter?“ gestaltet. Sie ist Teil des „Lebendigen Adventskalenders Gallus“ vom Caritas-Quartiersmanagement, der bis Heiligabend jeden Tag an anderer Station im Viertel Halt macht. Für die Installation haben die Mädchen und Jungen Interviews mit Passanten rund um das Thema Weihnachten geführt, Weihnachtslieder aufgenommen und eben das Einhorn-Märchen erdichtet. Drei Tage lang waren sie dafür mit Klassenlehrerin Sabine Unger im Galluszentrum sowie für Interviews auf der Mainzer Landstraße unterwegs.

Aeneva und William berichten vom Entstehungsprozess ihres Märchens mit dem Titel „Die winterliche Jagd“, das sie selbst eingesprochen haben. Die zehnjährige Aeneva sagt: „Wir haben improvisiert und mit Geschichten, die wir im Ethik-Unterricht geschrieben haben, verbunden“. Alle Klassenkameraden hätten ihre Ideen eingebracht. Wie „Puzzleteile zu einer riesigen Geschichte“ seien die einzelnen Elemente verschmolzen, so Aeneva.

„Dass man seiner Fantasie freien Lauf lassen konnte“, hat dem neunjährigen William am besten an dem Hörspiel gefallen. Gleich drei unterschiedliche Charaktere habe er gesprochen, berichtet er: eine „sprechende Kartoffel“, eine alte Hexe und einen Metzger. Soundeffekte, wie Regen, hätten die Kinder durch Trommeln mit den Fingern auf den Tisch, imitiert, erzählen sie in stolzem und aufgeregten Tonfall.

Tiffany Newton ist eine der ersten, die sich an diesem kalten Winterabend einen Kopfhörer auf der Frankenallee aufgesetzt hat. Die 41-Jährige sagt: „Ich finde das genial.“ Für die Schüler sei das Projekt eine „super Möglichkeit“ gewesen, sich mit Mikro und Aufnahmegerät auszuprobieren. Sabine Hoffmann vom Galluszentrum berichtet, Kinder müssten sich bei all den visuellen Reizen erst einmal wieder „auf Hören einlassen“. Für ihre Kollegin Jana Schlegel sei insbesondere wichtig gewesen, dass die Kinder ihre Fantasie benutzt und als Gruppe zusammen gearbeitet hätten. „Die Geschichte mit dem Einhorn hätte es sonst nie gegeben“, sagt Schlegel. Klassenlehrerin Sabine Unger findet wichtig, dass ihre Schüler gelernt hätten, für die Interviews „auf Menschen auf der Straße zuzugehen“ und dass ihre sprachlichen Fähigkeiten gefördert worden seien. Nur ein Kind aus ihrer Klasse habe deutschschsprachige Wurzeln, so Unger. Jannis Plastargias vom Jugendmigrationsdienst des Internationalen Bundes, der das Konzept des Projekts gemeinsam mit dem Galluszentrum erarbeitet hat, sagt: „Solche Workshops bieten Schülern mehr Freiheiten, und sie sind danach sehr stolz auf sich“. Er ergänzt: „Die leistungsschwächsten Schüler haben die komplexesten Teile zu der Geschichte beigetragen“. Neben dieser Form des „Empowerments“ würde sich die „Beziehung zwischen Lehrer und Schüler“ verändern, weil sie nach solchen Projekten die Kinder mit anderem Blick betrachteten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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