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Rumänen im Gutleutviertel Hütten im Gutleutviertel werden nicht geräumt

Die Chemiefirma Ferro will die 30 obdachlosen Rumänen, die auf ihrem Gelände im Frankfurter Gutleutviertel in Hütten leben, nicht einfach auf die Straße setzen. Sie setzt auf Hilfe von der Stadt.

Sperrmüll-Hütten im Gutleut
Die etwa 15 Hütten aus Sperrmüll stehen aufgereiht auf einer alten Laderampe. Foto: Peter Jülich

Die juristisch bereits seit vergangener Woche mögliche Räumung des Hüttendorfes, das obdachlose Rumänen auf einem Firmengelände im Gutleutviertel errichtet haben, verzögert sich. Stefan Pfeifer, Standortleiter des Chemiekonzerns Ferro, dem die brachliegende Fläche gehört, sagte im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, man wolle die Obdachlosen nicht einfach auf die Straße setzen. „Nur die Leute rausschmeißen ist ja nicht die Lösung“, sagte Pfeifer.

Obwohl Ferro die momentan ungenutzte Industriefläche allein aus Sicherheitsgründen so schnell wie möglich wiederhaben wolle, habe man zunächst Kontakt mit der Stadt aufgenommen, sagte Pfeifer. Ferro wolle wissen, ob es möglich sei, die obdachlosen Rumänen anderweitig unterzubringen. „Wir müssen sehen, dass wir eine vernünftige Unterkunft finden.“ Einen Zeitplan für die Räumung gebe es aktuell nicht, so Pfeifer. Man warte erst einmal die Gespräche mit der Stadt ab.

Seit Ende März ist öffentlich bekannt, dass etwa 30 obdachlose Menschen aus dem rumänischen Alba Iulia in selbst gezimmerten Hütten auf der Industriebrache unweit der Gutleutstraße leben. Die Firma Ferro hat beim Frankfurter Landgericht bereits in der vergangenen Woche eine einstweilige Verfügung erwirkt, mit der sie die Fläche im Grunde jederzeit räumen lassen könnte. Doch bislang ist Ferro diesen Schritt nicht gegangen. Wie Frank Richter, Vizepräsident des zuständigen Frankfurter Amtsgerichts, der FR am Donnerstag sagte, liege bisher kein Antrag auf Vollstreckung vor. Ein solcher Antrag ist notwendig, damit ein Gerichtsvollzieher und dann auch die Polizei tätig werden können.

Bei der Stadt versuchte man am Donnerstag, Hoffnungen auf eine dauerhafte Unterbringung der Hüttenbewohner zu zerstreuen. Die Firma Ferro habe lediglich angefragt, welche Hilfsangebote es für die Rumänen im Fall einer Räumung gebe, sagte Robert Standhaft, Büroleiter von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Man habe dem Unternehmen Ansprechpartner im Jugend- und Sozialamt genannt. Die Stadt stellt sich schon seit Jahren auf den Standpunkt, dass sie für obdachlose Arbeitsmigranten aus EU-Ländern wie Rumänien nur bedingt zuständig sei. Ihnen stünden aufgrund fehlender Ansprüche auf Sozialleistungen meist nur die humanitären Angebote der Obdachlosenhilfe zu.

Das Netzwerk „Solidarity City Frankfurt“ ruft derweil für den heutigen Freitag ab 17.30 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Sozialdezernat in der Schillerstraße auf. Unter dem Motto „Friede den Hütten“ wollen die Aktivisten gegen das Vorgehen der Stadt protestieren. „Warum wird zugelassen, dass Menschen in Frankfurt so leben müssen, statt ihnen eine menschenwürdige Alternative anzubieten?“, heißt es in ihrem Aufruf. Das Recht auf ein Leben in Würde gelte für alle Menschen.

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