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Rödelheim/Ginnheim Hilfeschreie von Statisten

Für einen Tag probten Jugendfeuerwehren im Rettungstrainingscenter den Ernstfall. Viele der Jugendlichen sagen, dass sie einmal als Einsatzkräfte arbeiten möchten.

24 Stunden Übung
Die Jugendfeuerwehren Rödelheim und Ginnheim probten 24 Stunden lang den Ernstfall im Brandschutzzentrum in Eckenheim. Foto: Rolf Oeser

27/43 Absitzen!“, donnert eine Stimme über den Hof. Einheitsführer Kevin von Wildberg gibt seinen Truppen das Kommando zum Angriff. Schon rollt die Besetzung des Löschfahrzeugs 27/43 dicke Druckschläuche aus und marschiert furchtlos in das backsteinrote Klinkergebäude, aus dessen Fenstern im dritten Stock schwarze Rauchwolken quellen. Hilferufe tönen durch das Treppenhaus. Vor dem Hauseingang hat sich eine Traube Zuschauer versammelt.

Doch nein, es gibt keinen Grund zur Beunruhigung: Was hier nach Ernstfall klingt, ist der Abschluss einer Übung der Jugendfeuerwehren der Freiwilligen Feuerwehr Rödelheim und Ginnheim. Auf dem Gelände des Feuerwehr- und Rettungstrainingscenters bot sich am Samstagnachmittag zwar kein echtes Feuer, aber ein dennoch täuschend echtes Schauspiel: Rauch aus der Maschine, Hilfeschreie von Statisten – und die Menschentraube keine Schaulustigen, sondern begeisterte Eltern.

24 Stunden lang haben die 30 Jugendlichen den Ernstfall geprobt, auf der Wache geschlafen, sich verpflegt und insgesamt sechs verschiedene Rettungseinsätze simuliert. Verkehrsunfall, Brand, Seerettung – Truppführer Rainer Heftrich erklärt, dass die Jugendlichen nicht nur den Alltag der Feuerwehr nachfühlen sollten, sondern auch „kreativ denken“ mussten.

Während eine Einheit die Rauchwolken im Klinkergebäude der Realbrandsimulationshalle bekämpft, sind andere schon mit der Bergung der Opfer aus dem Erdgeschoss zugange. Leonard Sinning trägt einen Jungen zur Sammelstelle der Rettungskräfte, die mit zwei Einsatzfahrzeugen ebenfalls an der Übung teilnehmen. Der 14-Jährige will einmal Notarzt werden, in der Jugendfeuerwehr ist er auch wegen der Freundschaften, die er dort geschlossen hat.

Auf einer Liege legt Sinning den fünfjährigen Dennis ab, seinerseits Mitglied der Minifeuerwehr und heute als Statist im Einsatz, die Backen schwarz vom aufgemalten Ruß. Seine Mutter Sabrina Geier hat zusammen mit den anderen Eltern die Show der Kleinen und Großen beobachtet: „Ich bin ja schon aufgeregt, wie soll er sich erst fühlen?“, sagt Geier und schießt ein paar Erinnerungsfotos. Ihr Sohn macht ein schmerzverzerrtes Gesicht. Selbstredend will er einmal Feuerwehrmann werden.

Für Jacqueline Schmitt waren die zwei Tage Ernstfall und Vergnügen gleichermaßen. Die körperliche Erschöpfung tut ihrer Motivation für die Sache nichts ab. Zwei Jahre ist die 16-jährige nun bei der Jugendfeuerwehr, sie will unbedingt an Lehrgängen teilnehmen, um einmal echte Rettungseinsätze zu machen. „Bei uns ist es schon ernster als im Sportverein“, sagt die Schülerin.

Müde, aber zufriedene Gesichter haben nach Abschluss des Übungsmarathons auch die Einheitsleitenden. Nach sechs Monaten Planung und zwei Tagen Durchführung freut sich Hatice Cirak erstmal auf eine Pause. Die 26-jährige kann sich gut an die Übungen vor ihrer Zeit als Jugendwartin erinnern. Wie die meisten ist sie mit zehn Jahren eingetreten und dabeigeblieben. „Heute plane ich die Übungen mit den Leuten, mit denen ich damals schon bei der Jugendfeuerwehr war“, sagt Cirak. Trotz Vollzeitstelle widme sie der Feuerwehr viel Zeit und Energie: „Es ist meine Leidenschaft“.

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