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Rödelheim Angst vor Vertreibung

Die rund 350 Mieter des Brentano-Hochhauses leiden seit Monaten unter Sanierungsarbeiten. Zugleich fürchten sie, verdrängt zu werden.

Brentanohochhaus
Die Bewohner des Brentanohochhaus in der Tudichumstraße 18-22 fürchten, aus ihren Wohnungen verdrängt zu werden. Foto: peter-juelich.com

Der Bauaufzug steht still. An einem Gerüst, das an der Fassade bis in die 15. Etage ragt, hängt der Korb des Lastenlifts auf Höhe des Erdgeschosses. Für die Sanierungsarbeiten in dem Hochhaus an der Thudichumtraße 18 – 22 wurde er noch nicht bewegt.

Als sich am frühen Dienstagabend mehr als 50 Menschen zu einer Kundgebung vor dem Hochhaus einfinden, sind keine Bauarbeiter zu sehen. Die städtische Bauaufsicht hat die Sanierungsarbeiten an dem Wohnblock, bekannt auch als „Brentano-Hochhaus“, mit seinen rund 350 Mietern gestoppt.

Weil Bauarbeiter die beiden Personenaufzüge im Haus widerrechtlich genutzt hätten, sei die Bauaufsicht vor zwölf Tagen eingeschritten, berichtet Bewohner Malte Stieber am Rande der Kundgebung. Ihr Ziel war es, auf die Situation in dem Haus und auf die stadtweite Wohn-Problematik aufmerksam zu machen.

Eigentlich hätten die Bauarbeiter nur den Lastenaufzug am Gebäude benutzen dürfen. Dieser sei bisher jedoch noch nicht in Betrieb genommen worden. Nachdem in den vergangenen Wochen wegen der großen Hitze einer der beiden Aufzüge im Haus gestreikt hatte und der zweite abgestellt worden sei, hätten Bewohner aus den oberen Etagen teilweise das Haus nicht mehr verlassen können.

Schon mehrere Monate sind die Mieter von Lärm, Dreck und teils unangekündigtem Abstellen des Leitungswassers geplagt. Seit Herbst vergangenen Jahres lässt die Eigentümerin, die gemeinnützige Darmstädter Schader-Stiftung, das Haus sanieren. „Meine Wohnung ist nicht mehr wirklich meine Wohnung“, sagt Angela Piblinger, die seit rund zwei Jahrzehnten in dem Hochhaus lebt. Kurz nach Baubeginn im November habe die Mieterin über einen knappen Monat hinweg täglich zwischen 8 und 18 Uhr zuhause sein müssen, um Bauarbeitern ihre Wohnungstür zu öffnen. Diese brachten dort unter anderem Boiler für eine dezentrale Wasserversorgung an. Die 29-Jährige fürchtet die Verdrängung aus ihrer Wohnung nach den geplanten dreistufigen Mieterhöhungen.

Lärm und Staub

„Als Altmieterin fühle ich mich als Mieterin zweiter Klasse“, sagt Piblinger. Ihr Mitbewohner, Alexander Dunkel, habe sich aufgrund der Lärmbelastung durch Bohrarbeiten, das Abschleifen von Fußböden und das Kratzen alter Farbe von den Wänden in den Fluren einen Schallschutz für die Ohren zugelegt. „Es war über drei bis vier Tage so laut, dass ich Ohrenschmerzen bekommen habe“, berichtet Dunkel. Wegen der hohen Staubbelastung habe er einen Luftreiniger gekauft, ergänzt er. „Jeden zweiten, dritten Tag ist eine Staubschicht auf den Fensterbänken“, sagt Dunkel.

Der Blick ins Haus zeigt unfertige Baustellen: In den Fluren des Wohnblocks baumeln Kabel teils lose von der Decke. Wände sind nur halb verputzt. Dem Treppenhaus ist anzusehen, dass es über Jahre nicht renoviert worden ist.

Mittlerweile bietet bietet Vegis-Immobilien, die das Haus für die Schader-Stiftung verwaltet, zweimal im Monat eine Sprechstunde für Mieter an. Die Kommunikationsbereitschaft der Verantwortlichen hatten die Bewohner bis zuletzt immer wieder kritisiert. Drei offene Briefe hatten sie geschrieben. Bewohner Malte Stieber sagt: „Die Kommunikation hat sich nach monatelangem Drängen der Mieter verbessert“. Wann der Umbau weiter gehen wird, bleibt bislang noch unklar.

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