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Rödelheim Abschied von der Fabrik

Eine Fotoausstellung in der Rödelheimer Stadtteilbibliothek erinnert an frühere Zeiten in der Westerbachstraße. Vom 3. Januar bis 2. Februar sind dort Impressionen aus der ehemaligen Schuhmaschinenfabrik zu sehen.

Getränkeautomat
Ein alter Getränkeautomat am Kesselhaus. Foto: Fotofreunde Rödelheim

Der Rausch kam durch Zufall bei der Rödelheimer Musiknacht im vergangenen Mai. Reinhard Wandtner war mit seinen „Rödelheimer Fotofreunden“ in der ehemaligen Schuhmaschinenfabrik in der Westerbachstraße zu Besuch, um Bands bei ihren Auftritten zu fotografieren. An Ort und Stelle waren die Hobby-Fotografen aber so von den Gebäuden der ausgedienten Fabrik fasziniert, dass sie beschlossen, aus den Aufnahmen eine Ausstellung zu konzeptionieren. Diese ist ab dem heutigen Mittwoch in der Rödelheimer Stadtteilbibliothek in der Radilostraße zu sehen.

Bis 1991 hatte die Deutsche Vereinigte Schuhmaschinen GmbH auf dem Gelände an der Westerbachstraße 47 produziert, ehe sie mit einem englischen Unternehmen fusionierte und nach Großbritannien übersiedelte. Drei Jahre später zogen Künstler, Designer und Handwerker, darunter der Kulturverein Fritz Deutschland in die Räume der leerstehenden Fabrik und erfüllten sie mit Leben. Bis Ende des vergangenen Jahres.

Dann begann der große Auszug der Kreativen. Fritz Deutschland zog nach Seckbach, ebenso Mitglieder des Ateliers 3. Etage, andere gingen nach Hausen. Denn Teile der Fabrik, darunter das Kesselhaus an der Straße In der Au, sollen jetzt abgerissen und durch Wohnungen ersetzt werden. Die Nutzungsänderung von Gewerbe in Wohnen ist schon durch. Wie die Stadt im April vergangenen Jahres im Ortsbeirat mitteilte, sind eine Aufstockung mit 19 Wohneinheiten sowie die Errichtung eines Mehrfamilienwohnhauses mit 44 Wohneinheiten, einer Lärmschutzwand und einer Tiefgarage mit 89 Stellplätzen geplant (die FR berichtete).

Die Umwandlung des Geländes war ein weiterer Grund für die Mitglieder der Rödelheimer Fotogruppe, Eindrücke, wie die Fabrik einst genutzt wurde, mit der Kamera festzuhalten und diese Bilder der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Von einem wahren „Fotografier-Rausch“, in den er verfallen sei, erzählt Wandtner, als er von Steinmetz Manfred Reitzlein damals durch dessen Werkstatt im Kesselhaus geführt wurde. Den 71-Jährigen reizte besonders „die Kombination einer funktionalen Industrie-Anlage, die von Handwerkern und Künstlern umgestaltet wurde“. Wandtner fand, „die Einrichtung hat weiter gelebt und ein neues Gesicht bekommen“.

 

Beim Anblick der schönen Fassade des Kesselhauses, tue es schon weh, zu hören, dass das Gebäude abgerissen werden soll, findet der Hobby-Fotograf. Wandtner will diese Entscheidung jedoch nicht bewerten. Die Aufnahmen seiner Gruppe versteht er als Einfangen von Impressionen, nicht als Dokumentation.

In den eingebauten Lofts und Büros, in den Werkräumen und Ateliers, fast überall drückten der gebürtige Bayer und seine Mitstreiter Hans-Joachim Haase, Hannelore Jütte und Norbert Lemmerz auf den Auslöser. „Just for fun“, nur zum Spaß, sagt Wandtner.

Vor allem Details lichteten sie ab, etwa den Geldwechselautomat am Eingang des Kesselhauses, an dem Deutsche-Mark-Scheine in Münzen getauscht werden konnten. Oder ein Lüftungsschacht, auf dem das Wort „Mozart“ gekritzelt ist. Hinweisschilder auf ausgedienten Rohren von Dampfkesseln und andere rostige Elemente, die von dem Industrie-Charme der Gebäude zeugen.

Aus den hunderten von Bildern, die auf diese Weise entstanden sind, haben Wandtner und seine Fotofreunde 30 Abzüge ausgesucht, die jetzt im DIN-A3-Format in der Rödelheimer Stadtteilbibliothek zu sehen sind.

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