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Pro Familia in Frankfurt Gegenwind für die Abtreibungsgegner

Christliche Fundamentalisten wollen ab heute wieder Mahnwachen vor der Beratungsstelle von Pro Familia im Frankfurter Westend abhalten. Doch dagegen formiert sich Widerstand.

Abtreibungsgegner
Rosenkranz, gefaltete Hände: So demonstrieren Abtreibungsgegner vor Pro Familia. Foto: Peter Jülich

Gut möglich, dass sich die sogenannten Lebensschützer mit ihren „Mahnwachen“ selbst ein Bein gestellt haben. Zum vierten Mal werden sich ab Mittwoch, 26. September, Teilnehmer der christlich-fundamentalistischen Initiative „40 Tage für das Leben“ vor der Beratungsstelle von Pro Familia im Westend aufbauen. Ihre Strategie, wie zuletzt im Frühjahr dieses Jahres: die Ratsuchenden mit gemurmelten Gebeten und Schildern mit der Aufschrift „Ich will leben!“ von einem Schwangerschaftsabbruch abhalten. Zum vierten Mal würden sie damit auch den Arbeitsalltag der Mitarbeiterinnen der Pro-Familia-Beratungsstelle stören.

Zwei Frankfurter Initiativen wollen dagegen demonstrativ Stellung beziehen und sich für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung einsetzen. Das Bündnis „Frankfurt für Frauen*rechte“ zählt mittlerweile mehr als 500 Unterstützer. Gegründet wurde es im vergangen März – als Reaktion auf die Mahnwache. In diesem Herbst aber wollten die Initiatorinnen nicht mehr nur reagieren und meldeten selbst eine Kundgebung an – lange vor den christlichen Fundamentalisten.

„Wir wollen den Platz besetzen“, so Mitinitiatorin Ursula auf der Heide (Grüne). Vertreterinnen des Bündnisses werden – anders als im Frühjahr – zwischen dem Eingang der Beratungsstelle und den Abtreibungsgegnern stehen. Die Abtreibungsgegner werden mit der zweiten Reihe vorliebnehmen müssen. Diesen Platzwechsel sieht die Sprecherin des Bündnisses Beatrix Baumann (Grüne) als Notwendigkeit an. Ein Gewinn sei das nicht.

Baumann sieht die Stadt in der Verantwortung: „Das Ordnungsdezernat drückt sich vor einer Entscheidung.“ Denn obwohl die Stadtverordnetenversammlung im März beschloss, die Rechtmäßigkeit der Mahnwache prüfen zu lassen, seien Ordnungsdezernat und -amt untätig geblieben.

Frank: Schutzzone juristisch nicht umsetzbar

Die Forderung, eine Schutzzone von 150 Metern um die Beratungsstelle zu erwirken, hält Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) für juristisch nicht umsetzbar. Dies stößt beim Bündnis auf Unverständnis.

Den Mahnwachen etwas entgegensetzen will auch „Begegnen in Bockenheim e.V.“ Der Verein steht im Austausch mit Pro Familia. Wie schon im März wollen die Mitglieder einen Kleintransporter so vor der Beratungsstelle parken, dass er zweierlei Schutz bietet: Den Mitarbeiterinnen soll das Fahrzeug den erzwungenen Blick auf Plakate von Föten und den ratsuchenden Frauen einen „Spießrutenlauf“ ersparen, sagt Vorstandsmitglied Sophie Bauer.

Im Rückblick auf die Frauenbewegung der 70er Jahre sagt „Frankfurt für Frauen*rechte“-Sprecherin auf der Heide empört: „Wir dachten, das darf ja nicht wahr sein, dass wir hier schon wieder stehen.“ Diesmal befänden sie sich in einer „angriffsverteidigenden“ Lage. Die wichtigste Forderung für das Bündnis ist deshalb eindeutig die Schutzzone.

Beide Initiativen sehen jedoch auch abseits der direkten Konfrontation mit den Abtreibungsgegnern im Westend gesellschaftlichen Handlungsbedarf. Denn die Debatte um die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen sei zwar gesellschaftlich wieder aufgegriffen worden, politisch sehe sie jedoch keine Einigung kommen, betont Ursula auf der Heide.

Ähnlich sieht es Alexandra Jugelt von „Begegnen in Bockenheim“. Es sei Zeit für radikale Veränderungen: „Langfristig muss es um die Entkriminalisierung der Schwangeren gehen“, sagt Bauer, darum, dass den Betroffenen „objektive Informationen zum Eingriff zur Verfügung stehen“. Es müsse endlich mit dem Stigma gebrochen werden, dem Frauen unterliegen, die einen Abbruch vornehmen lassen.

Und nicht nur das: „Frau und Kind, das wird wie eine lebenslange Zwangsgemeinschaft behandelt“, sagt auch Vereinsmitglied Lea Rosenbusch. „Bereiche, in denen die Frau wenig Autonomie hat, gehen weit über die Geburt hinaus. Um das zu ändern, müssen wir ganz unten anfangen.“

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