Lade Inhalte...

Palmengarten in Frankfurt Neuer Wind im Palmengarten

Die neue Direktorin Katja Heubach will den Palmengarten in Frankfurt behutsam verändern. Um über neue Angebote entscheiden zu können, soll eine Besuchererhebung gemacht werden.

Palmengarten in Frankfurt
Katja Heubach, die neue Direktorin des Palmengartens, im Frankfurter Central Park mit Skyline im Hintergrund. Foto: Rolf Oeser

Als Studentin oft im Garten

Dass sie es sein würde, die einmal die Geschicke dieses bald 150 Jahre alten Prunkstücks der Gartenbaukunst lenken soll – darauf wäre die aus Thüringen stammende Biologin von alleine gar nicht gekommen. Ein Anruf des Senckenberg-Generaldirektors Volker Mosbrugger war es, der ihr erst bewusst machte, dass die Stelle vakant war. Und im ersten Moment glaubte sie, er wolle mit ihr über mögliche Kandidatinnen und Kandidaten sprechen. Als sie begriff, dass sie selbst die Kandidatin war: So müssen sich diese Augenblicke anfühlen, die das Leben verändern, die Selbstwahrnehmung und das, was hinterm Horizont sichtbar ist. 

Ein Umstand, der sie besonders bewegte: Mosbrugger sagte, in der Frankfurter Forscher- und Naturbewahrer-Szene sei Heubachs Name auffallend häufig gefallen, als es um die Palmengartenstelle ging. Da ist sie vernetzt als Goethe-Uni-Absolventin und Gefährtin bei Umwelt- und Sozialprojekten, sei es von Senckenberg, Bik-F, BUND, ISOE. „Das war alles mein Herzblut“, sagt sie. „Deshalb hat es mich so berührt, dass dieses Engagement wahrgenommen wird und jetzt in etwas so Besonderes mündet.“

Die Bewerbung war ein Volltreffer. Die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig musste sich stark bremsen, um Katja Heubach im Juni nicht als „eierlegende Wollmilchsau“ der Presse vorzustellen, sprich, als die Person, die alles in sich vereinigt, was eine Palmengartendirektorin braucht: Kompetenz, Erfahrung, Begeisterungsfähigkeit, Stallgeruch. Und jung ist sie auch noch. 
Als Studentin kam sie Anfang der nuller Jahre oft herein in den Garten, der ihr zum „zweiten Hörsaal“ wurde, um zu lernen, Wasserflöhe zu erforschen, aber auch, um die Ruhe zu genießen. „Der Zaun, der den Palmengarten umgibt, verschafft den Besuchern auch eine gewisse Abgrenzung von der Welt“, sagt sie. „Gerade für Familien ist das ein Gefühl von Geborgenheit.“ Die Geborgenheit soll erhalten bleiben, aber neue Reize müssen hinzukommen. Erweiterte Öffnungszeiten für Berufstätige und Modernes, etwa eine Smartphone-App, hat Heubach schon ins öffentliche Gespräch gebracht. Beim „Geh-Spräch“ fallen ihr auch ganz konkrete, anschauliche Dinge ein: Felsspaltengesellschaften etwa. „Felsspaltengesellschaften sind faszinierend. Sie haben eine ganz besondere Ästhetik.“ 

Es handelt sich um Moose, Farne – Pflanzen eben, die in Felsspalten wachsen. Nicht jeder hat sie im Palmengarten schon wahrgenommen. Aber es lohnt sich. Und es beruhigt. „Wie kann ich Zugänge schaffen? Wie bringt man Menschen an Felsspaltengesellschaften heran?“, fragt die Direktorin. Und löst auf: „zum Beispiel durch Kunst.“ Klangkunst etwa, „Soundscapes“. Geräusche dekonstruieren und wieder zusammensetzen – zu Bildern. „Man kann auch Vegetation hörbar machen. Ich höre, was ich sonst nur rieche oder sehe.“ 

Sollte jetzt der Eindruck entstanden sein, Katja Heubach könnte die eine oder andere ungewöhnliche Idee in den Palmengarten bringen... Ja, da ist was dran. Schon darüber nachzudenken, belebt die Synapsen. Was da gerade läuft, ist ein „großer Strategiefindungsprozess“, und die Neue wäre keine Wissenschaftlerin, hätte sie nicht auch solche Sätze im Repertoire: „Ich bin in der Phase, in der es in die Latenz geht, bevor wir die Priorisierung und Terminierung vornehmen.“ Ansonsten ist sie aber ganz umgänglich. 
Noch keine Details

Die Gartenrunde nähert sich dem Ende. Gerade hat Katja Heubach die „irre Strukturvielfalt“ des Palmengartens besungen, da sieht sie auf der Rückseite des Steingartens: Bodendecker, Polsterpflanzen, Steinbrechgewächse. „Das sieht alles so toll aus.“ Und das sei doch schließlich Natur, auch wenn dem Palmengarten immer wieder vorgehalten wird, er zeige nur gestaltete Wirklichkeit. „Natürlich ist hier viel gestaltet. Aber wir arbeiten mit natürlicher Vergesellschaftung, und wir können die Natur nachahmen, und dadurch haben wir sie ja dann auch da. Insofern gibt es schon sehr viel Natur hier.“ 

Vielleicht bald noch Natur auf andere Art, in anderer Form wahrnehmbar, um zu zeigen, wie vielfältig und schützenswert sie ist. Aber so ganz ins Detail gehen will die Direktorin nicht. Noch geheim.

Und die „blaue Oase“, die sie daheim mit ihrer Hausgemeinschaft im Ostend anlegen wollte? Davon erzählte sie im Sommer, kurz nachdem der Blitzschlag sie im Palmengarten begrüßt hatte. Rittersporn sollte es sein, Lavendel und mehr – was kam, war der Jahrhundertsommer. „Die blaue Oase hat sich schön angelassen, aber der Sommer war einfach zu heiß“, sagt Katja Heubach mit einem Lächeln, das sagt: Macht nichts, weitere Sommer werden kommen. 
Sie hat Samen für ein künftiges Blau aufbewahrt. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen