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NS-Vergangenheit in Frankfurt Straße nach Nazi benannt

Im Frankfurter Stadtteil Nied ist eine Straße nach dem Nazi Werner Haustein benannt. Bürger wollen das ändern. Der Ortsbeirat will jetzt die Personalie überprüfen.

Nied
Diese Sackgasse im Frankfurter Stadtteil Nied soll umbenannt werden. Foto: Boeckheler

Hauke Hummel ist ein neugieriger Mensch. Die kleine Sackgasse, die vom Nieder Kirchweg zum Main und zu den Kleingärten führt, läuft der Nieder Vereinsringsvorsitzende oft entlang. Schon manches Mal hat er sich dabei gefragt, wer dieser Werner Haustein eigentlich ist, nachdem die Gasse benannt ist. Lange haben seine flüchtigen Internetrecherchen nichts ergeben. Kürzlich hat er es noch einmal versucht. Und hat sich sehr erschrocken: Werner Haustein war ein übler Nazi.

„Das ist für einen Demokraten nicht zu ertragen“, sagt Hummel. Deswegen ist er am Dienstag beim Ortsbeirat 6 vorstellig geworden, mit der Bitte, den Straßennamen ändern zu lassen. Straßenbenennung ist eine der Hoheitsaufgaben des Gremiums. FDP-Mann Georg Diehl sagt stellvertretend für alle: „Was wir gegeben haben, können wir auch wieder wegnehmen.“ Allerdings wollen die Fraktionen zunächst prüfen, was es mit Haustein auf sich hat.

Das hat Hummel bereits getan. „Die Rolle der Reichsbahn zur NS-Zeit ist erst seit kurzem aufgearbeitet“, sagt er. Verdient darum gemacht hat sich der 2015 verstorbene Jurist und Historiker Alfred Gottwaldt. Sein 2011 erschienenes Buch „Die Reichsbahn und die Juden 1933–1939“ gibt auch über Werner Haustein detailliert Auskunft.

Verantwortlich für die Umsetzung der Nürnberger Gesetze

Haustein ist ab 1936 in der Personalabteilung der Reichsbahn tätig, er ist verantwortlich für die Umsetzung der Nürnberger Gesetze und antisemitische Maßnahmen. Reichsbahnbeamte waren zum Beispiel angehalten, nicht in jüdischen Geschäften einzukaufen oder sonstigen Umgang zu pflegen.

1937 tritt er in die NSDAP ein, wird auch Hauptsturmführer bei der SA. Er steigt auf, wird Leiter der Personalabteilung im Verkehrsministerium und macht auch nach dem Krieg noch Karriere. 1952 wechselt er als Leiter der Rechtsabteilung in die Hauptverwaltung der Bundesbahn nach Frankfurt. Wohl deshalb ist die Straße in Nied Ende der 60er überhaupt nach ihm benannt worden.

Eine wichtige Route ist sie nicht, Hausnummern gibt es keine, sagt Hummel. Das einfachste wäre, das Straßenschild einfach zu entfernen und die Gasse als Teil des Nieder Kirchwegs zu führen. Wenn sie wirklich einen Namen braucht, findet Hummel, könnte sie auch den Flurnamen tragen: Unter dem Kirchweg.           

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