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Nied Forderung nach Ortsbeirat

Zahlreiche Gäste gratulieren im Saalbau Nied zum 800. Geburtstag des Stadtteils Nied. Vereinsringsvorsitzender Hummel fordert ein stärkeres politisches Mitspracherecht für Nied.

Hauke Hummel hält seinen Stadtteil Nied nicht für ausreichend repräsentiert. Foto: Christoph Boeckheler

Hauke Hummel hält sich nicht mit der Vergangenheit auf. Gut, er ist am Mittwoch auf die Bühne getreten, um die akademische Feier zum 800. Jahrestag der ersten urkundlichen Nennung des Stadtteils zu eröffnen. Und die ganze Stadtgesellschaft des Frankfurter Westens ist im Saalbau zu Nied versammelt. Aber Hummel, Vereinsringsvorsitzender und damit Chefdirigent des Festjahrs, mag dennoch nicht die ereignisreiche Vergangenheit beschwören.

Es geht ihm um die Zukunft. Dafür hat Hummel knallharte politische Forderungen parat: „Nied soll ein eigener Ortsbezirk werden“, mit eigenem Ortsbeirat. Rumms, das hat gesessen. Hummel verweist auf den Stadtteil Nieder-Eschbach in Frankfurts Norden. Dort leben 11 400 Leute. Ihre Interessen gegenüber der Stadt vertreten die 19 Mitglieder des Ortsbeirats 15. Im Ortsbezirk 6, zu dem auch Nied zählt, leben 133.000 Menschen. Also rund ein Fünftel der Stadtbevölkerung. Ihre Interessen vertritt der Ortsbeirat 6 – auch der zählt 19 Mitglieder.

Hummel hat da ein Missverhältnis erkannt. Nicht, dass er den Ortsbeirat 6 kritisieren möchte. Der verdiene Hochachtung, betreue seine neun Stadtteile bestmöglich. Dennoch sei der Westen unterrepräsentiert. „19 Stadtverordnete geben an, für den Frankfurter Westen zuständig zu sein.“ Von 93.

Fast 20 000 Menschen leben in Nied, sagt Hummel. Aber für die Kinder gibt es keine weiterführende Schule. Mit zehn, elf Jahren müssen sie täglich den Stadtteil verlassen. „Wir brauchen eine IGS Nied.“ Auch der beschrankte Bahnübergang an der Oeserstraße sei ein einziges Ärgernis. Vor mehr als 100 Jahren sollte der schon beseitigt werden. Resignieren sollten die Nieder nicht, findet Hummel. Die Marken 800 Jahre und 20 000 Einwohner sollten selbstbewusst machen.

Wie sehr, das zeigt vielleicht doch ein Blick in die Vergangenheit. Die Festschrift, die der Heimat- und Geschichtsverein herausgebracht hat, ist da ein idealer Fundus. Vor etwa 40 000 Jahren zogen erstmals Menschen durch die Flusstäler von Main und Nidda, ist dort zu lesen. Ab 6000 vor Christus wurden sie sesshaft. Spuren aus der Vorgeschichte sind im Stadtteil gefunden worden. 450 vor Christus kamen die Kelten, später die Römer. 1218 nach Christus tritt Erzbischof Siegfried II. von Mainz Kirche und Fronhof Nied ans Mainzer Marienstift ab.

Ein üblicher Vorgang in der Zeit. Das erläutert Historiker Oliver Ramonat zum Abschluss des kurzweiligen Abends. Er skizziert die Epoche als eine Zeit, in der die moderne Welt entstanden ist: „Alles, wovon wir sagen, das war schon immer so.“ Nicht nur, dass es erst da üblich wurde, Dinge schriftlich zu fixieren. Darum gibt es kein früheres schriftliches Zeugnis der Existenz Nieds. Die Menschen entwickeln Techniken, Sümpfe und Flussauen trocken zu legen und dort zu siedeln. Kulturlandschaften entstehen, Handel.
Steinfundamente kommen auf, was erst feste Siedlungen ermöglicht, die auch wiederzuerkennen sind. Vorher sind Bauten mittels Pfahl im Boden fixiert, die spätestens nach 50 Jahren ersetzt werden müssen. Siedlungen haben zuweilen ihre Lage geändert, die Häuser sind einige Meter weiter gewandert, gekreist. Und somit entsteht auch in diesen Jahren erst so etwas wie Heimat. In Nied besonders schön, da sind sich an diesem Abend alle einig.

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