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Infraserv in Höchst Kritik an Klärschlamm

750 Personen und Institutionen haben Einwände gegen die Pläne von Infraserv in Höchst eingereicht. Der Industriepark.Manager möchte in seiner Ersatzbrennstoffanlage auch Klärschlämme verwerten.

Ersatzbrennstoffanlage
Die Ersatzbrennstoffanlage. Foto: Christoph Boeckheler

Das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) lädt für Montag, 22. Oktober, 9.30 Uhr zu einer Erörterung ein. Es geht um die Klärschlammverbrennung im Industriepark Höchst. Besagten Schlamm möchte die „Thermal Conversion Compound“, eine Tochter von Infraserv Höchst, künftig in ihrer Ersatzbrennstoffanlage (EBS) verwerten.

Die Anlage ist im südlichen Teil des Parks in der Nähe von Kelsterbach zu finden. Bislang verbrennt sie heizwertreichen Haus- und Gewerbemüll, gewinnt daraus Strom und Dampf für die Unternehmen des Industrieparks. Die Anlage könnte aber auch Klärschlämme verbrennen, was sie auch testweise tut. Seit einer Gesetzesänderung ist das interessant. Künftig dürfen die Kommunen Schlämme aus Kläranlagen nicht mehr auf Feldern ausbringen. Verbrennen wäre eine Alternative. Lukrativ für die Höchster, sehr viele Anbieter gibt es in diesem Segment noch nicht.

Die Infraserv-Tochter schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Das hat sie im März beim Gesprächskreis der Nachbarn des Industrieparks erklärt. Die EBS brenne zu heiß, ist darum nicht ausgelastet. Wenn die Fachleute dem Brenner aber die richtige Menge an Klärschlamm zufügen, könne die Anlage besser und effizienter arbeiten. Klärschlamm hat wegen des Wassers einen niedrigeren Brennwert als die anderen Materialien im Gemisch.

Darum hat Infraserv beim RP beantragt, jährlich 210 000 Tonnen teils gefährlichen Klärschlamm verbrennen zu dürfen. Die Nachbarn, vor allem in Kelsterbach, sind von der Idee nicht begeistert. Gut 750 Personen und Institutionen haben beim RP Einwände erhoben. Bedenken gibt es etwa wegen der Gerüche. Infraserv betreibt bereits eine Klärschlammverbrennungsanlage, in der Nähe von Sindlingen. Dort gibt es immer wieder Geruchsbelästigungen, auch wenn Infraserv bereits viel gegen die Belästigung unternommen hat.

Mit einer weiteren Anlage, so die Kritiker, werde auch der Verkehr zunehmen. Der Klärschlamm muss ja zum Brenner kommen, meist im Lastwagen. Nicht zuletzt geht es auch darum, welche Grenzwerte bei den Emissionen einzuhalten sind. Kritiker fürchten, dass sich da Schlupflöcher auftun könnten – weil Infraserv keine neue Anlage errichtet, sondern eine bestehende umbaut – was womöglich andere Grenzwerte ermöglicht.

Die Streitparteien möchte das RP nun an einen Tisch bringen. Kritiker und Infraserv sollen sich bei der Erörterung austauschen. Das RP erhofft sich davon neue Erkenntnisse, keine Entscheidungen, betont die Behörde. Erfahrene Beobachter solcher Verfahren erwarten aber, dass die Behörde die Genehmigung erteilen wird. Nur wenn die Infraserv gegen das Bundesimmissionsschutzgesetz verstößt, hat der RP Handhabe. Die Behörde kann keine politische Entscheidung treffen.

Erörterung zum Klärschlamm, Montag, 22. Oktober, 9.30 Uhr, Behördenzentrum Frankfurt, Gutleutstraße 114, Raum 3.6.40 im dritten Stock.

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