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Industriepark Höchst Streit um Methanausstoß

Die Klärschlammverbrennung im Industriepark Höchst stinkt Kelsterbacher und Frankfurter Umweltschützern. Infraserv möchte die Kapazitäten erhöhen.

Industriepark
Das viele Grün täuscht. Die Ersatzbrennstoffanlage im Industriepark Höchst kommt in der Nachbarschaft nicht gut an. Foto: Christoph Boeckheler

Die Ersatzbrennstoffanlage im Süden des Industrieparks erregt weiterhin die Gemüter. Die Betreiberin, die Thermal Conversion Compound GmbH, eine Tochter der Infraserv, möchte künftig mehr Klärschlamm verbrennen, 210 000 Tonnen statt der bislang 70 000 Tonnen. Das muss das Regierungspräsidium (RP) in Darmstadt genehmigen.

Im Gesprächskreis der Nachbarn des Industrieparks am Donnerstag beantwortet das Unternehmen eine anonyme Anfrage dazu. Bei den Schadstoffen, etwa Chlorwasserstoffen oder Ammoniak, liegen die Emissionen weit unter den Grenzwerten, versichert Infraserv. Ebenso verhalte es sich mit den Geruchsemissionen. Die lägen unter der sogenannten Irrelevanzgrenze. Es stinkt nicht mehr als zwei Prozent der Jahresstunden.

Unklar ist die Lage beim Thema Methan. Wenn alle drei Öfen der Anlage laufen, gibt es keine Probleme. Wenn einer der Öfen ruht, etwa bei Wartungsarbeiten, sammelt sich in der Abluft Methan. Das geht unverbrannt durch einen 80 Meter hohen Schornstein ab. Das können im Extremfall 200 Milligramm pro Kubikmeter Luft sein, statt zehn, wie im Normalbetrieb.

Das soll das RP abnicken, findet Infraserv. Denn: Einen Grenzwert gebe es dafür gar nicht. „Methan ist kein klassischer Luftschadstoff“, sagt Guido Schmitt, bei Infraserv für den Umweltschutz zuständig. Das Gas entstehe überall, wo Abfälle verrotten. „Auch in der eigenen Biotonne.“ Die 200 Milligramm entstünden auch nur im „worst case“. Den wolle das Unternehmen natürlich vermeiden, nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes, versichert Schmitt.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht gelte es, solche Stillstandsphasen zu minimieren. „Die Anlage macht dann Spaß, wenn sie läuft.“ Infraserv-Geschäftsführer Joachim Kreysing sieht sein Unternehmen gar in der Pflicht, Klärschlämme zu verbrennen. Bislang seien Schlämme aus kommunalen Kläranlagen auf den Feldern gelandet. Der Bund hat aber verfügt, dass das künftig nicht mehr geht. „Wir tragen also dazu bei, ein umweltpolitische Ziel zu erreichen.“

Zumal durch die Anlieferung nach Höchst auch nicht mehr Methan als vorher entstehe. Was früher auf den Feldern verrottet ist, verrottet jetzt eben im Ofen, beziehungsweise wird dort verbannt. Die Kelsterbacher tröstet das nicht. Die wären froh, blieben die Schlämme auf irgendwelchen Feldern, anstatt per Lkw nach Höchst zu reisen. „Als unmittelbare Nachbarn leiden wir sehr unter den Gerüchen“, kritisiert Kirsten Meier von der Bürgerinitiative für ein lebenswertes Kelsterbach. Entsprechend haben die Kelsterbacher 752 Einwände gegen die Infraserv-Pläne beim RP eingereicht.

Auch Thomas Schlimme, als Grüner Ortsbeirat und „Höchster Schnüffler un Maagucker“ Mitglied im Gesprächskreis, überzeugen die Argumente nicht. Für den Methanausstoß gäbe es allemal einen Grenzwert, findet er. Und die Kelsterbacher seien auch nicht so tolerant dem Industriepark gegenüber wie etwa die Sindlinger, die ihrerseits sich über Gerüche aus der Klärschlammverbrennung im Norden des Parks beschweren. „Da kommt was auf Sie zu“, prophezeit er.

Kritik übt er auch am Prozedere der Kontrollen bei Anlieferung. Die Kunden würden bereits davor geprüft, sagt Guido Schmitt. Dann kommen erste Probelieferungen, die bei Ankunft untersucht würden. Hernach gäbe es Stichproben-Kontrollen. Es sei damit sehr unwahrscheinlich, dass Stoffe in die Anlage gelangten, die dort nichts zu suchen haben. Thomas Schlimme hält das für etwas blauäugig. Nicht umsonst gebe es den Begriff „Müllmafia“. Außerdem gebe es so viele gefährliche Chemikalien, wie sollen die in einer ganzen Lkw-Ladung groß auffallen?

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