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Höchst Textilkunst aus vier Jahrhunderten

Eine Ausstellung in der Justinuskirche zeigt historische Messgewänder von der Barockzeit bis heute. Die Roben sind über Jahre hinweg handgearbeitet worden.

Justinuskirche in Frankfurt-Höchst
Ernst-Josef Robiné, Ehrenvorsitzender der Stiftergemeinschaft Justinuskirche, zeigt einen Chormantel von 1735/40. Foto: Monika Müller

Mit ihren fast 1.200 Jahren ist die karolingische Justinuskirche ein historischer Schatz in der Höchster Altstadt. Zugleich ist sie eine Schatzkammer. Als ältestes Frankfurter Gotteshaus beherbergt sie eine Vielzahl an wertvollen Artefakten. Neben den Reliquien der Heiligen Margareta zählt eine Sammlung prachtvoll verzierter Messgewänder aus den vergangenen vier Jahrhunderten dazu. Ab dem heutigen Freitag, 5. Oktober, 18 Uhr, sind sie als Ausstellung zu bewundern.

Eigentlich wollte Ernst-Josef Robiné sein Wissen über die Paramente, die seit der Barockzeit in der Justinuskirche aufbewahrt werden, in einem Buch festhalten. Mehr als 30 Jahre lang sammelte der Ehrenvorsitzende des Vereins Stiftergemeinschaft Justinuskirche Informationen über den umfassenden Textilbestand der Kirche. Darunter prächtige Kaseln, Stolen, Fahnen kirchlicher Vereine oder Altarbehänge.

„Als ich das Inventar sichtete, stellte ich fest, dass es unvollständig war“, erzählt der Hobbykunsthistoriker am Donnerstag. Hier fehlte eine zum Gewand passende Stola, dort ein auf alten Fotos dokumentierter Altarbehang. Robiné hegte einen Verdacht und verschaffte sich Zugang zur St.-Josef-Kirche, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Justinuskirche als Pfarrkirche ablöste – und tatsächlich fand er dort einige der vermissten Stücke. „Bevor wir nun alle Exponate zusammenführen und einlagern, möchte ich sie der Öffentlichkeit zugänglich machen“, verrät der Ausstellungsleiter. Seine Aufzeichnungen hat er hierfür gemeinsam mit der Frankfurter Kunsthistorikerin Karen Stolleis in Form eines bebilderten Ausstellungskatalogs herausgegeben – erhältlich in der Justinuskirche und der Höchster Buchhandlung Bärsch.

Bis zum 21. Oktober können die 150 Exponate des Kirchenbestands besichtigt werden. Die meisten Stücke wurden einst von adeligen Familien gestiftet. „Es war auch üblich, dass abgelegte Ballkleider in Messgewänder umgenäht wurden“, erzählt Robiné. Die ältesten Gewänder stammen aus der Zeit um 1730. Darunter ein bassgeigenförmiger Kasel mit zwei passenden Dalmatiken und einem Chormantel. Getragen wurde die Amtstracht damals hauptsächlich an hohen christlichen Feiertagen. Den blauen Seidenstoff zieren indianische Blütenzweige. „Ganz im Stil der Zeit“, sagt Robiné. „Auch bei kirchlichen Gewändern ging es bisweilen um Modefragen.“

Die meisten Stücke stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Beliebte Motive dieser Zeit waren Christus am Kreuz oder in Höchst die Heilige Margareta. Die Seidenstoffe wurden oft mit feinen Gold- und Silberfäden aufgewertet, in Kreuzen, Wappen oder floralen Mustern gewoben wurden. 

Heute sind die Kunstgegenstände von hohem Wert, denn „sie werden hierzulande gar nicht mehr hergestellt. Die Nadelmalerei ist im Aussterben begriffen.“ Bei Ebay etwa wechsle ein Messgewand schon mal für 1000 Euro den Besitzer. Die Exponate in der Justinuskirche sind unbezahlbar, denn „all das hier sind Einzelstücke, die in jahrelanger Handarbeit bestickt wurden“, erklärt Robiné. Allein die Restauration der älteren Gewänder sei mit knapp 5000 Euro pro Stück zu Buche geschlagen. 

Aufgrund ihres empfindlichen Stoffs müssen alle Exponate nach der 14-tägigen Ausstellung geschützt vor Lichteinstrahlung eingelagert werden. Zu besonderen Anlässen wie dem Kirchweihfest können Einzelstücke aber auch in Zukunft noch bestaunt werden. „Dann wähle ich immer ein Gewand aus, das der Pfarrer während des Gottesdienstes tragen darf“, verrät Robiné.

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