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Höchst Quer durch die Geschichte

Beim Orientierungslauf rennen 700 Schüler zu Stationen aus 175 Jahren Leibnizschule. Die Schule feiert in diesem Jahr ihren 175. Geburtstag.

Orientierungslauf
700 Schüler rennen am Montag Morgen durch Höchst. Der Orientierungslauf ist Teil der 175-Jahr-Feier der Einrichtung. Foto: Rolf Oeser

Paul Pogba ist aufgeregt. Nervös hüpft er auf dem Justinusplatz auf und ab. „Schnell, wir müssen weiter zum Stadtpark!“, ruft er. Und sein Team setzt sich in Bewegung. Natürlich geht es hier nicht um den französischen Fußballer Pogba, sondern um einen Jungen, der ein Trikot mit dem Namen seines Idols trägt. Wie er wirklich heißt ist nicht zu ermitteln. Pogba ist zu flink für den Reporter.

Es sind auch ziemlich viele junge Sportler an diesem Montag im Stadtteil unterwegs. 700, um genau zu sein. Von 8.30 bis 11.30 Uhr flitzen sie in kleinen Gruppen umher, fast alle in Sportklamotten. Es sind Leibnizschüler der Klassen fünf bis acht, die 15 Stationen in Höchst ablaufen. Die Justinuskirche ist dabei, der Schlossplatz, das Tor Ost des Industrieparks.

Das Gymnasium feiert in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen. Der Stadtlauf ist eine Etappe im umfangreichen Festprogramm. Zwei Ziele verfolgt der Lauf. „Wir wollen die Schüler in Bewegung bringen“, sagt Lehrerin Annegret Schirrmacher. Und sie sollen den Stadtteil besser kennenlernen. „Die Geschichte der Schule erlaufen“, wie Schirrmacher sagt. Die Bildungseinrichtung hat nämlich so manchen Umzug hinter sich.

Erster Schultag ist an Ostern 1818 gewesen. Da war die Leibniz noch eine Realschule, im Zimmer des einzigen Lehrers, eines Herrn Müller, wie die Chronik verrät. Das Projekt scheitert. In Schwung kommt die Einrichtung erst ab Ostern 1843. im ehemaligen Gasthaus „Zum Weißen Ross“ an der Bolongarostraße, Ecke Wed. Heute ist ein Sanitär-Fachgeschäft im Gebäude.

Ein weiterer Meilenstein: Ab Ostern 1859 dürfen auch Mädchen die Schule besuchen. Die Zahl der Schüler ist von Jahr zu Jahr zu unterschiedlich gewesen, um vernünftig planen zu können. Kleiner Wermutstropfen: Die Eltern müssen für ihre Töchter fünf Gulden mehr Schulgeld bezahlen als für die Jungs. Ausgleichende Ungerechtigkeit: Die Damen dürfen die Fächer Algebra, Chemie, Geometrie und Physik nicht besuchen.

Heute ist das anders. Schülerinnen und Schüler sind gleichermaßen gebildet. Das zeigt sich beim Stationenlauf. Die Kinder rennen nicht nur, sie beantworten auch Quizfragen. Zum Beispiel am Ettinghausen-Platz. Früher ist dort die Synagoge gewesen, heute ein Bunker. Die Frage: Wann wurde der errichtet? „Da müssen die Kinder ein bisschen nachdenken“, sagt Tamara Jendritza verschmitzt. Jendritza und ihre Mitstreiterin Kristina Mainka sind zwei der 95 Mütter und Väter, die ihren kompletten Vormittag aufgegeben haben, um zu helfen. Manche laufen mit den Gruppen mit, andere schieben Dienst an den Stationen. „Ohne die Eltern wäre das ganze nicht möglich“, lobt Schirrmacher. „Es ist schön zu beobachten, wie begeistert die Kinder sind“, sagt Jendritza.

Zurück zum Ettinghausen-Platz. Eine historische Tafel verrät, dass die Synagoge 1905 erbaut ist und die Nazis sie 1938 zerstört haben. „Lest die Tafel genau durch“, empfiehlt Tamara Jendritza den jungen Leuten. „Wofür wird ein Bunker gebaut?“ Drei Jahreszahlen haben die Läufer zur Auswahl: 1914, 1942 und 1981. „1942“, kräht Elias Böhmer aus der 5e über den Platz. Wie er darauf kommt? „Logisches Nachdenken“, sagt der Sportler und entschwindet im Laufschritt.

Jede Station bringt den Schülern Punkte. Richtige Antworten Extrapunkte. Eltern, andere Familienangehörige und Freunde der Kinder spenden außerdem für jeden Kilometer Geld für den Förderverein. Auf die Beine gestellt hat den Lauf Maximilian Gerny, Referendar für Sport und Biologie. Monatelang hat er organisiert und koordiniert. „Mitten in seinem Staatsexamen“, wie Kollegin Schirrmacher anerkennend sagt. Beim Lauf selbst, ist der Sportlehrer der einzige, der schummelt. Statt zu Fuß, klappert er die Stationen mit dem Auto ab. „Ich habe Wasser und Verpflegung verteilt.“

Hinweis: Wir hatten ursprünglich berichtet, dass ab Ostern 1959 auch Mädchen die Schule besuchen dürfen. Das war falsch. Mädchen dürfen seit Ostern 1859 die Schule besuchen. Wir  haben das korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.  

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