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Höchst Kultur für alle

Seit 150 Jahren fördert der Bund für Volksbildung Integration im Frankfurter Westen. 1997 hat er etwa die Kleinkunstbühne „Neues Theater Höchst“ gegründet.

Bund für Volksbildung in Höchst
Bernd Kuske-Schmittinger erinnert sich. Foto: peter-juelich.com

Eigentlich ist die Situation gegenwärtig ähnlich wie 1868“, sagt Bernd Kuske-Schmittinger, Vorsitzender des Bunds für Volksbildung. Am Sonntag feiert der Bund sein 150-Jähriges, intern, mit geladenen Gästen. Unter dem Namen Höchster Fortbildungsverein wurde er zur Eingliederung zugewanderter Arbeiter ins Leben gerufen. „Kulturelle Integration ist heute wieder ein großes Thema“, sagt Kuske-Schmittinger.

In den 1860er-Jahren kamen durch die aufstrebende Chemieindustrie viele junge Arbeiter nach Höchst. Darunter Schwaben oder Bayern, die nur Dialekt sprachen. „Der Bund bot daher Hochdeutsch-Kurse an“, sagt der Vorsitzende. Auch Vorlesungsreihen und eine kleine Bibliothek waren Teil des Angebots. „Im Prinzip machten wir das, was heute die Volkshochschule macht.“

Weil die Nachfrage hoch blieb, kommunalisierte die Stadt Frankfurt 1976 die Volkshochschule Höchst und die Volkshochschule Frankfurt. „Damit war unser Angebot hinfällig“, sagt Kuske-Schmittinger. Doch das kulturelle Engagement des Vereins sollte fortbestehen, ein neues Konzept musste her, eine neue Idee: eine Kleinkunstbühne. Was zunächst verwunderte. „Niemand glaubte daran, dass es hier ein Publikum für Kleinkunst gab.“ Doch die Kritiker täuschten sich.

1977 in der Königsteiner Straße 49 als „Kulturtreff“ in einem kleinen Raum für 70 Besucher mit Kabarett angefangen, zog das Projekt 1987 in die Emmerich-Josef-Straße 46a um. Dort besuchen heute an sechs Tagen die Woche bis zu 250 Gäste pro Abend die Varieté-, Kabarett- oder A-Cappella-Shows des Neuen Theaters Höchst. Im Vorführraum darüber logiert das Filmforum Höchst.

„Inzwischen sind wir weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt“, sagt Kuske-Schmittinger und zählt Busgruppen aus Köln oder Speyer sowie Stammgäste aus dem Main-Taunus- oder dem Wetteraukreis auf. Namhafte Comedians wie Bernhard Hoecker oder Bülent Ceylan locken die Besucher an. Auch Urgesteine der Kleinkunstszene. Der Kabarettist Gerd Dudenhöffer etwa ist „schon 1977 in der Königsteiner Straße aufgetreten, heute füllt er regelmäßig unseren großen Theatersaal“, erzählt Kuske-Schmittinger.

Auch Laienschauspielgruppen gab der Verein eine Plattform. Etwa einer türkischen Theaterformation aus Darmstadt, die ein Molière-Stück in die eigene Muttersprache übersetzte. „Das kam gut an“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende. Interkulturalität spiele in Höchst sowieso eine große Rolle. „Wir haben noch immer einen hohen Zuwandereranteil.“

Neben türkischstämmigen Bürgern gebe es eine große Gruppe Jugoslawen, Polen oder Afrikaner im Stadtteil. So ist es dem Verein heute noch ein Anliegen, Integrationsarbeit zu leisten. „Die Menschen über Kultur einzubeziehen und zusammenzuführen, diese Aufgabe stellte sich uns 1868 ebenso wie heute.“ Es gehe darum, aus allen Kulturen etwas aufzunehmen und eine gute Mischung zu gewinnen.

Ein Projekt dieser Philosophie ist der Bunte Tisch, den der Bund für Volksbildung vor nunmehr zehn Jahren ins Leben rief. „Das ergab sich aus unseren Höchster Stadtgesprächen“, erinnert sich der Vorsitzende. Weil das Angebot zur kulturübergreifenden Bürgerbeteiligung damals gut aufgenommen wurde, soll ab dem 17. September eine neue Gesprächsreihe gestartet werden. „Dieses Mal soll sich alles um die Höchster Geschichte drehen“, verrät Kuske-Schmittinger. In Kooperation mit dem Geschichtsverein soll stets ein anderes Thema in den Blick genommen werden.

Woher rühren die Namen der Höchster Straßen? Oder: Wie hat sich die Brauerei- und Kneipenkultur in den vergangenen Jahrhunderten gewandelt? Dabei können die Teilnehmer nicht nur etwas über ihren Stadtteil lernen und einen Zugang zu Kultur finden, „sie sollen vor allem miteinander ins Gespräch kommen – auch mit Jenen, mit denen sie sich auf der Straße vielleicht nicht unterhalten würden“, sagt Kuske-Schmittinger.

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