Lade Inhalte...

Höchst Frühstücksstube bietet mehr als frische Brötchen

Seit 30 Jahren nutzen Gäste das Angebot der Caritas St. Josef im Frankfurter Stadtteil Höchst. Es wendet sich nicht nur an Obdachlose.

Caritas St. Josef in Höchst
Die Frühstücksstube in der Schleifergasse 2 ist seit 30 Jahren eine feste Institution für bedürftige Menschen. Foto: Christoph Boeckheler

Ein Teller mit Wurst, Käse, etwas Obst, einem Brötchen und eine Tasse Kaffee – was für die meisten nach einem gewöhnlichen Frühstück klingt, ist für manche etwas ganz Besonderes. Die Frühstücksstube der Caritas St. Josef an der Schleifergasse 2 ist seit 30 Jahren eine feste Institution für viele, die ohne die Arbeit der zwölf ehrenamtlichen Mitarbeiter kein regelmäßiges Frühstück hätten.

Für nur 50 Cent können die Gäste sich montags und donnerstags satt essen – auch dann, wenn sie nicht bezahlen können. „Wenn wir genug da haben, kann sich auch jeder gerne fünf Mal den Teller vollmachen“, sagt Gisela Bräuer. „Wir schmeißen kein Essen weg und geben unseren Gästen auch Lebensmittel mit nach Hause.“ Die 73-Jährige ist seit der erstmaligen Öffnung der Frühstücksstube 1987 ehrenamtlich dabei und hat miterlebt, wie sich die soziale Einrichtung im Laufe der Jahre verändert hat.

Kaum noch Obdachlose unter den Gästen

„Anfangs waren nur obdachlose Gäste in der Frühstücksstube“, erinnert sich Bräuer. „Inzwischen hat sich das aber geändert und vor allem alleinstehende ältere Menschen und Langzeitarbeitslose kommen zu uns, während Menschen ohne Wohnung nur noch vereinzelt da sind.“ Den Wandel erklärt sich die ehrenamtliche Helferin damit, dass es insgesamt in Höchst weniger Obdachlose gebe.

„Altersarmut ist heute ein großes Thema bei unseren Gästen“, sagt Pastoralreferent Franz-Karl Klug. „Außerdem kommen viele Menschen, um einfach jemanden zum Reden zu haben.“ 30 bis 50 Gäste nehmen das Angebot der Frühstücksstube wahr, wenn diese geöffnet ist. Nicole Hagedorn ist regelmäßig Gast der Caritas. Die 36-Jährige bezieht aufgrund einer Krankheit Erwerbsminderungsrente. „Ich komme hierher, weil die Rente nicht zum Leben reicht“, sagt Hagedorn. „Außerdem ist mir der Kontakt mit den Menschen hier sehr wichtig.“

„Ich brauche die Gesellschaft“

Ähnlich geht es auch der 78-jährigen Hannelore Nitzsche. Die Rentnerin besucht die Frühstücksstube jede Woche zwei Mal, da ihre Rente seit dem Tod ihres Mannes nicht ausreicht. „Außerdem brauche ich die Gesellschaft hier, damit ich nicht so einsam bin“, sagt Nitzsche.

Auch Erwerbstätige gehören zu den Gästen der Frühstücksstube: „Wenn die Arbeit es zulässt bin ich immer da, weil ich mir alleine nicht die Zeit zum Essen nehme und hier Gesellschaft habe“, sagt Andreas Bein. Dem 31-Jährigen fehlt trotz seiner Arbeit im Gebäudemanagement in manchen Monaten das Geld. „In der Regel komme ich klar, aber manchmal habe ich am Ende des Monats nicht mehr so viel.“

Der soziale Aspekt der Frühstücksstube ist mit den Jahren immer wichtiger geworden. Laut Bräuer steht die Versorgung der Gäste mit Lebensmitteln heute nicht mehr im Vordergrund: „Es geht vielmehr darum, den Menschen ein soziales Miteinander zu ermöglichen und ihnen ein Stück Lebensfreude zu geben.“

Ehrenamtliche machen seit Jahrzehnten großartige Arbeit

Finanziert wird die Stube überwiegend durch Spenden. Von der Frankfurter Tafel bekommt die Einrichtung pro Jahr Lebensmittel im Wert von 5000 Euro. Was fehlt, wird hinzugekauft. „Wir haben ein strukturelles Defizit und leben von Rücklagen“, sagt Klug. Diese werden jedoch 2019 aufgebraucht sein. „Wir hoffen dann auf viele Spenden oder die Pfarrei muss einspringen, was in der Vergangenheit immer gut funktioniert hat.“

Dass die Frühstücksstube mit vergleichsweise wenig Geld auskommt, liegt insbesondere an der Arbeit der Ehrenamtlichen wie Gisela Bräuer. Die Helfer kümmern sich nicht nur um das Frühstück und die Betreuung der Gäste, sondern übernehmen auch Reparatur- oder Renovierungsarbeiten. „Die Ehrenamtlichen machen seit Jahrzehnten eine großartige Arbeit und wir haben noch nie Probleme gehabt, genug Hilfe zu finden“, sagt Klug. „So wünschen wir uns Kirche.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen