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Historische Villa in Frankfurt Altes Literaturhaus wird restauriert

Die KfW-Bankengruppe lässt die historische Villa Bockenheimer Landstraße 102, das frühere Frankfurter Literaturhaus, aufwendig restaurieren und schafft so ein neues kulturelles Zentrum.

Sanierung der historischen Villa Bockenheimer Landstraße 102
Noch sind die letzten Arbeiten rund um die Villa im Gange. Foto: Michael Schick

Eingangs des 20. Jahrhunderts säumten großbürgerliche Villen die Bockenheimer Landstraße in voller Länge. Heute sind sie durch die Bürotürme der Banken fast vollkommen verdrängt. Glasfassaden, die im Himmel verschwinden, dominieren den Straßenzug. Doch halt: Fast am Ende, schon kurz vor der alten Universität, fällt auf der rechten Seite ein Villengebäude ins Auge. Noch eine Baustelle, auf der viele Arbeiter wuseln. Kaum zu glauben, dass die Stiftung der KfW-Bankengruppe hier am 19. September ein Eröffnungsfest feiern möchte.

„Wir wollten dieses Haus der Stadt Frankfurt zurückgeben“, sagt KfW-Sprecher Wolfram Schweickhardt schlicht beim Rundgang. Sein Unternehmen hat den stadtgeschichtlich bedeutsamen, denkmalgeschützten Bau vier Jahre lang saniert. Und die Kosten? Schweickhardt winkt ab. „Wir haben es liebevoll restauriert.“ Ein Zitat von Günther Bräunig, dem Vorstandschef der weltweit größten nationalen Förderbank. Von anderen Mitarbeitern ist später zu erfahren, dass eine einstellige Millionensumme ausgegeben wird.

Das Haus, mit dessen Errichtung 1912 begonnen wurde, soll künftig „das Gesicht der KfW-Stiftung“ sein.

Mit Lesungen, Konzerten, Diskussionen, Ausstellungen will sich die Stiftung hier präsentieren, möchte ein vielfältiges Kulturprogramm verwirklichen. Es soll aber auch „Raum für geeignete Kooperationspartner“ sein, das heißt andere Veranstalter.

Für viele Menschen in Frankfurt ist das Gebäude noch von früher vertraut. Von 1990 bis ins Jahr 2005 diente es als Literaturhaus der Stadt, dann zog dieses ins heutige Domizil an der Schönen Aussicht um. 2009 verließ auch das Café das vertraute Ambiente, der Leerstand begann. Es folgten mehr als 30 vergebliche Versuche, das Gebäude zu verkaufen – alle scheiterten. Fünf Jahre lang stand die Villa gänzlich leer und begann zu verfallen. Ohne Zweifel hat das Engagement der KfW-Bankengruppe den Bau gerettet.

„Mit betriebswirtschaftlichen Maßstäben ist das sicher nicht zu betrachten“, sagt Schweickhardt. Und fügt hinzu: „Wir wollten ein Zeichen setzen.“ Christine Lüpke, die für den Umbau verantwortliche Projektleiterin, führt über die Baustelle. Berichtet von langwierigen Diskussionen mit den städtischen Denkmalschützern.

„Sehr viel historischer Bestand ist erhalten geblieben.“ Tatsächlich hat sich auf den ersten Blick im Parterre nichts verändert. Die alte dunkle Holztäfelung ist erhalten geblieben, die Treppe, die ins Obergeschoss führt, ebenso.

Doch die Oberflächen täuschen. „Wir haben hier überall sehr viel moderne Technik versteckt“, bilanziert Lüpke stolz. Beim Brandschutz, bei der Lüftung und Heizung, aber auch bei der Veranstaltungstechnik galt es, neueste Standards zu berücksichtigen.

Selbst ein Kronleuchter in einem der Räume soll noch ein Original sein. Hier entspann sich ein Streit. Bauherr der Villa war Anfang des 20. Jahrhunderts der deutsche Korvettenkapitän Anton Hoffmann. Er gab Architekt Alfred Engelhardt den Auftrag für das Domizil im „maßvollen Neobarock“. Doch er wohnte nur wenige Jahre mit seiner Ehefrau, einer US-Amerikanerin, in dem Haus. Dann zerbrach die Ehe. 1918 erwarb der jüdische Industrielle Albert Sondheimer die Villa. Dessen Tochter beharrte bei einem Besuch noch vor wenigen Jahren darauf, sie kenne den Kronleuchter nicht. Aber die städtischen Denkmalschützer widersprachen.

KfW-Stiftung gibt Buch zur Geschichte der  Villa in Auftrag

Die KfW-Stiftung beließ es nicht bei der sorgsamen Renovierung des Hauses. Sie beauftragte den jungen Historiker Marc Zirlewagen mit einem Buch über das Gebäude. Es liegt inzwischen vor. Zirlewagen kann zu jedem Zimmer, zu jedem Detail der Villa den Hintergrund liefern. Zum Beispiel zum „Dienstbotentrakt“, der oben unter dem Dach lag, damit das Personal nur ein paar Schritte hatte zu den Gemächern der Herrschaften.

Der Korvettenkapitän ließ im Obergeschoss sogar einen schmalen Balkon anbauen. Hier sollte seine Gattin seine Rückkehr von erfolgreichen militärischen Operationen erwarten – notfalls aber auch die Nachricht entgegennehmen, dass ihr Ehemann für Volk und Vaterland gefallen sei. Prompt erhielt der Vorbau den Spitznamen „The widows walk“.

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