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Hausen Mit Volksliedern Erinnerungen wecken

Im Pflegeheim Santa Teresa lassen sich Ehrenamtliche viel einfallen, um die Sinne der Bewohner anzuregen.

Annemarie Maurer-Bächtle
Annemarie Maurer-Bächtle ermuntert mit ihrem Akkordeon die Clubbesucher zum Mitsingen. Foto: Peter Jülich

Vergnügt sitzen die gut 25 Senioren im Foyer des Caritas-Altenpflegeheims Santa Teresa in der Großen Nelkenstraße zusammen. Es ist Dienstagsclub. Darauf freuen sich viele Bewohner. Ehrenamtliche übernehmen an diesem Tag die Gestaltung des Programms. „Das verflixte ABC“ lautet das Thema an diesem Dienstagnachmittag. Dahinter verbirgt sich ein kreatives Wortspiel zu zufällig ausgewählten Buchstaben und einer Frage, die die Helfer formulieren.

„Das regt das Erinnerungsvermögen an“, erklärt Annemarie Maurer-Bächtle. „Die Besucher können dann einfach erzählen, was ihnen dazu einfällt, und jeder kann sich und seine Fähigkeiten einbringen.“ Zur Auflockerung stimmt die Ehrenamtliche zwischendurch auf ihrem Akkordeon Volkslieder an und ermuntert die Besucher mitzusingen. Wer die Strophen nicht auswendig weiß, greift einfach nach den kleinen Liederbüchern, die ausliegen. 

Seit 32 Jahren ist Annemarie Maurer-Bächtle eine von derzeit rund 20 Ehrenamtlichen, die den Dienstagsclub in Santa Teresa gestalten. Für ihr unermüdliches Engagement erhielt sie 2015 die Bartholomäusplakette von der katholischen Stadtkirche Frankfurt. Den Dienstagsclub gibt es seit gut 40 Jahren. Zunächst bestand das Angebot in der angrenzenden Seniorenwohnanlage, wo damals die Mutter von Maurer-Bächtle lebte. Die Musik- und Sozialpädagogin wurde gefragt, ob sie sich beim Singen und gemeinsamen Musizieren einbringen wolle. „So ist die Verbindung entstanden“, erinnert sich die heute 70-Jährige. Mehr Bedarf für das Programm gab es aber dann im Pflegeheim.

Beim Dienstagsclub geht es nicht darum, den Besuchern einen gemütlichen Kaffeenachmittag zu bereiten. „Vielmehr wollen wir bei den überwiegend dementen Menschen mit unserem Programm die Sinne ansprechen, das Gedächtnis anregen, verschüttete Erinnerungen hervorholen“, erläutert Maurer-Bächtle.

Das sei keine leichte Aufgabe, findet Hannelore Herke. „Das ist durchaus ein Balanceakt“, sagt die 80-Jährige, die seit 16 Jahren das Programm des Dienstagsclubs mit organisiert. Denn nicht alle Besucher seien dement. Man müsse mit dem Programm auch die Besucher erreichen, die noch fitter seien. Und so bringt sich jeder der Ehrenamtlichen im Dienstagclub mit seinen Interessen und Talenten ein, sagt Meggi Schöler (83), die im Seniorenwohnhaus lebt und dort zusätzlich wöchentlich Sitztanzen und Rollator-Tanz anbietet. „Der Dienstagsclub ist eine gemeinsame Sache von uns allen“, betont Annemarie Maurer-Bächtle: Gemeinsam werde für jedes Halbjahr das Programm besprochen, würden Termine festgezurrt.

„Kinderzeit“ heißt beispielsweise ein Angebot von Maurer-Bächtle, mit dem sie Kindheits- und Jugenderinnerungen der Besucher wecken möchte. „Ich sammele unheimlich gerne Sachen aus den 50er und 60er Jahren: Ranzen, Griffelkästchen, Poesiealben“, schildert sie. Die würde sie dienstags mitbringen und in die Besucherrunde geben. „Das ist einfach wunderbar, wenn die Besucher sie berühren, sich erinnern und einfach anfangen zu erzählen“, sagt sie.

 Ähnliches erlebt Hannelore Herke, wenn sie dienstags ihre Heilkräuter mitbringt. „Viele freuen sich, wenn sie die Kräuter sehen und riechen, dann berichten sie vom Garten ihrer Kindheit oder was die Mutter mit den Kräutern gemacht hat.“

Bewegung bringt Meggi Schöler ins Programm. Sie zeigt den Clubteilnehmern Übungen aus der Sitz-Gymnastik.

Aber nicht nur die Clubbesucher profitieren von dem Programm. „Der Dienstagclub tut einfach gut. Auch wir Ehrenamtlichen fordern uns, indem wir unser Programm gut vorbereiten müssen“, sagt Annemarie Maurer-Bächtle. „Es ist gut, dass wir auf die Art und Weise ebenso uns und die Besucher fordern und damit fördern.“

 

 

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