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Griesheim Schillers Taucher als Installation

Der Ruderclub beteiligt sich mit einem Rausch an Klängen, Lyrik, Feuer und Kerzenschein am Luminale-Festival. Vereinsmitglieder bringen sich begeistert ein, auch die lokale Wirtschaft zieht mit.

Schillers Taucher
Gerd Volkmann und Steffi Barthel inszenieren im Ruderclub Schillers Taucher. Foto: Christoph Boeckheler

Eigentlich möchte Steffi Barthel Beruf und Hobby trennen. Malerei, Collagen, Skulpturen, damit beschäftigt sie sich als freie Künstlerin. In ihrer Freizeit befährt sie seit drei Jahren als Vereinsmitglied des Ruderclubs Griesheim den Main. Als Künstlerin ist sie dort nicht in Erscheinung getreten.

Ein Bootsunglück hat das geändert. Barthel fährt mit einer Kameradin aus, in einem dieser zerbrechlich wirkenden Boote. Die Frauen kentern, treiben auf die Griesheimer Schleuse zu. Zurücklassen möchten sie ihr Boot nicht. „So ein Boot kostet ja auch was“, sagt Barthel. Da tauchen Retter auf. Eine Plattform mit drei Tauchern schippert ins Blickfeld. Der Kapitän hat nur einen Arm, flankiert ist er von zwei jungen Burschen. „Wie in einem Piratenfilm“, sagt Barthel. Die Taucher sind zufällig da, sie suchen die Ufer nach Schäden ab. Schnell bergen sie Boot und nasse Nymphen.

Das setzt einen Denk- und Dankprozess in Gang. Irgendwie müsste man die Taucher preisen. Barthel grübelt und stößt auf die anstehende Luminale. In den Statuten des Festivals ist vermerkt, dass der Spaziergang entlang der Licht-Installationen Wahrzeichen und Denkmäler mit unentdeckten und abseitigen Orten in der Stadt verbinden möge. Also: mit Griesheim, denkt sich Barthel und wendet sich mit ihrer ersten vagen Idee an ihren Ruderclub. Man könnte doch Friedrich Schillers Gedicht vom Taucher inszenieren.

Was dann folgt, hat sie nicht erwartet, obschon sie sich sehr wohl fühlt im Club, der familiär sei und bei dem die Chemie stimme. Vereinsvorsitzender Gerd Volkmann ist schlicht begeistert von der Idee. Menschen nach Griesheim oder gar zum Ruderclub zu locken, fabelhaft, denkt er sich. „25 Jahre lang lag der Verein danieder“, erzählt er. Von 1975 bis 2000 war das. Willi Maser, das Club-Urgestein, hat den Verein zum Leben erweckt. Hat das zugewucherte Gelände gerodet, Leute zusammen getrommelt, Boote besorgt.

Volkmann hat vor sechs Jahren den Vorsitz übernommen. Seine Agenda: Mehr als Sport anbieten, das Vereinsleben ausgestalten. Das klappt. Der Club hat viele junge Mitglieder, sie treffen sich nicht nur zum Sport, auch für Ausflüge und Plausch. Jetzt organisieren sie eine Kulturveranstaltung. An drei Abenden verwandelt sich das Gelände in eine Kunstinstallation. Am 18., 21. und 23. März, jeweils von 19 bis 22 Uhr. Am letzten Abend klingt die Kunst in einer Vereinsdisco aus, für Besucher zwischen 35 und 60 Jahren.

Barthel und Volkmann waren sich sofort einig: „Wir wollen etwas Archaisches“, sagt Volkmann. Feuer und Kerzenlicht, außerdem Petroleumlampen. Der Weg vom Main zur Bootshalle symbolisiert die Straße von Messina, wo die Naturgewalten zerstörerisch an den von Menschen gebauten Booten wirken und eines in Flammen setzen. Sagt die Künstlerin. Der Höhepunkt des Gedichtes, der Kampf auf dem Meeresgrund, findet in der dunklen Bootshalle mit Licht- und Toneffekten Ausdruck. Auch Schiller, also ein Vereinsmitglied im Schillergewand, schreitet über das Areal und deklamiert Verse.

Alle im Verein ziehen mit, haben sich eingebracht, Vorschläge ersonnen. Und das bei einem Kulturprogramm. „Wir hängen ja gegenüber dem Nordend ein bisschen hinterher“, sagt Volkmann. „Aber wir holen auf.“ Griesheim sei unterschätzt. Dem Vorsitzenden fällt eine Anekdote ein: Als er die Veranstaltung bei der Luminale anmeldet, fragt er, ob alle Sponsoren genannt werden können. Die leicht despektierliche Antwort: Na klar, mehr als zehn können es ja nicht sein.

Volkmann gluckst. Zu dem Zeitpunkt sind es bereits zwölf Unternehmen aus dem Stadtteil, die das Ereignis unterstützen wollen. Tendenz steigend.

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