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Griesheim Käfige gegen den Verkehrstod

Bei einer Wanderung informiert der BUND über das Thema Kröten. Hunderte Tiere kommen jedes Jahr ums Leben.

Krötenzaun BUND Führung im Niedwald
Neues Zuhause für die Kröten. Foto: Monika Müller

Der Niedwald ist für Erdkröten gefährliches Terrain. Zumindest, wenn sich die Tiere im Frühjahr aufmachen, um im Grill’schen Altarm der Nidda zu laichen. Dann müssen sie die viel befahrene Oeserstraße überqueren, die den Wald teilt. Dabei finden hunderte Amphibien jedes Jahr den Tod.

Zäune, die seit 20 Jahren von der Frankfurter BUND-Ortsgruppe West, jeweils im Frühjahr, aufgestellt werden, halten die Tiere nur teilweise davon ab, über die Straße zu laufen. Einige Lurche buddeln sich unter den Zäunen hindurch oder finden Lücken an Stellen, wo die Barrieren durch Feldwege unterbrochen sind.

„Kröten sind ortstreue Tiere, die dort ablaichen wollen, wo sie geboren worden sind“, berichtet Christian Haak vom örtlichen BUND, der am Samstagnachmittag eine Gruppe von rund 40 Besuchern vom alten Wasserwerk aus durch den Niedwald führt. Hunderte Kröten, die sich vom Zaun aufhalten lassen, tragen er und seine Mitstreiter frühmorgens und spätabends über die Straße, sodass sie ihren Weg fortsetzen können. „Etwa genauso viele kommen um“, sagt Haak.

Eine Brücke für die Kröten oder ein „Stopp-Schild“ für Autos, sind Ideen, die die siebenjährige Luise vorschlägt . Das vom BUND getaufte „Freiland-Experiment“ ist eine andere. In einem Tümpel am Rand des Niedwaldes, nahe der Waldschulstraße, hat der Verein mit Andreas Malten vom Senckenbergischen Forschungsinstitut eine „neue, schöne Kröten-Heimat“ gefunden, wie Haak es formuliert.

Zaun zu aufwendig

Besucherin Sabine Menne, die mit ihrem siebenjährigen Sohn Vincent gekommen ist, fragt, wie groß der Wille der Kröten sei, zum Laichen trotzdem in ihre ursprüngliche Heimat zurückzukehren. Sie habe früher selbst Kröten-Zäune an der Bad Vilbeler Landstraße aufgestellt. Haak sagt: „Es reicht vermutlich nicht aus, die Kröten einfach in ein anderes Gewässer zu setzen“.

Deshalb sollen drei Holzkäfige, die aus dem Wasser des kleinen Tümpels, früher bekannt als „Lindensee“ oder „Teil der Scheidlach“, ragen, eine erneute Wanderung verhindern. „Käfige sind ein unangenehmes Thema, aber es muss sein“, so Haak. Ein Zaun um den Tümpel zu bauen, um den Bäume und Gestrüpp wachsen, sei zu aufwendig.

In die mit Draht verkleideten Kisten werden Kröten, die am Zaun an der Oeserstraße aufgehalten wurden, gesetzt, in der Hoffnung, dass sie dort für Nachwuchs sorgen, der dann zum Laichen in den Tümpel zurückkehren wird. Rund 100 Tiere hätten sie bereits umgesiedelt, berichtet Haak, häufig als „Doppeldecker“. Denn bei der Wanderung „nimmt das Weibchen das viel kleinere Männchen nicht ganz freiwillig auf den Rücken“, wie in einer Broschüre des BUND zu lesen ist.

Haaks Kollege Andreas Müller schätzt die Chancen gut ein, dass das Experiment funktionieren kann. „Wir haben die Idee und die Bauanleitung für die Kästen vom BUND Südwest übernommen, der am Schwanheimer Unterfeld damit Erfolg hatte“, sagt Müller.

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