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Gallus Persönliche Haushaltshilfen

Das Hilfenetzwerk der Caritas unterstützt seit zehn Jahren Senioren und Kranke bei Hausarbeit und Erledigungen.

Gallus
Jutta Czarnowski hängt bei Gisela Raghunath die gewaschenen Vorhänge auf. Foto: Rolf Oeser

Jutta Czarnowski steht auf einer kleinen Leiter, ihr Körper ist dem Fenster zugewandt, durch das die Baumspitzen der Frankenallee und die Türme der Friedens- und Versöhnungskirche zu sehen sind. „Einmal, da bin ich aus der Straßenbahn gestiegen, da hat mich eine Frau angesprochen, ob ich denn hier im Gallus wohne“, sagt Gisela Raghunath, „nur weil ich Hut und Handschuhe trug“.

Sie sitzt im Schaukelstuhl und schüttelt den Kopf, „Können Sie sich das vorstellen, Frau Czarnowski?“ Diese antwortet, während sie die Fenster putzt und erzählt, dass auch sie oft mit einem schlechten Ruf des Viertels konfrontiert wurde. „Als würden hier Asoziale leben“, sagt Frau Raghunath, „ich war Industriekauffrau, meine Söhne sind Arzt und Professor.“

Frau Raghunath und Frau Czarnowski kennen sich über das Hilfenetzwerk Gallus. Dabei treffen seit nunmehr zehn Jahren Nachbarn aufeinander, die sich unterstützen. Ein Ehrenamtler hilft und wird geschult. Ein Hilfsbedürftiger erhält gegen Geld Unterstützung im Alltag. Die Caritas betreut das Angebot, besucht Hilfsbedürftige und vermittelt. Nicht nur im Gallus.

Frau Raghunath ist 86 Jahre alt. Sie lebt im vierten Stock eines Altbaus, wo sie vor vielen Jahrzehnten mit ihrem Mann, einem Amerikaner, einzog. Sie fremdelte mit dem Gallus, aber sie blieb, zog zwei Söhne groß und beerdigte ihren Mann. Jeden Morgen geht sie die Stufen hinunter, „mein Training“, holt sich die Zeitung, manchmal geht sie auch einkaufen; nur Milch und Sprudel, das bringen ihr ihre Söhne mit, die heute in Zürich und München wohnen. Bezahlt wird mit Karte, „damit ich nicht zur Bank muss.“

Frau Czarnowski ist 66. Sie ging 2009 in den Vorruhestand, wollte aber noch was Sinnvolles tun. Die Vierfachoma meldete sich bei einem Kleingartenverein und im Hilfenetzwerk Gallus an. Seit neun Jahren betreut sie gegen kleines Entgelt Nachbarn aus dem Gallus und der Kuhwaldsiedlung. Bei Frau Raghunath putzt sie, andere Kunden hat sie zum Arzt begleitet oder für sie eingekauft.

„Ich habe das mit dem Hilfenetzwerk lange hinausgezögert“, sagt Frau Raghunath. Beim Staubsaugen sei ihr vor einem Jahr die Luft ausgegangen, beim Fensterputzen schwindelig geworden. „Ich bin froh, dass es das Netzwerk gibt“, sagt sie, „es gibt einfach Sicherheit.“

Im Gegensatz zu normalen Putzfirmen wird auf eine persönliche Betreuung geachtet, die Caritas übernimmt die Bürokratie, Versicherungen und Genehmigungen. „So muss ich mir überhaupt keine Sorgen machen“, sagt Frau Raghunath. Und denkt weiter: „Man hat jemanden zum Babbeln. Bei mir ist das nicht so, aber viele ältere Leute vereinsamen.“

Für Frau Czarnowski ist es mehr ein Ehrenamt als ein Job. Bis zu 2100 Euro darf sie im Jahr verdienen, auch deshalb hat sie meist nur drei Kunden, die bis zu zwei Stunden Bedarf pro Woche haben. Sie begleitet und beobachtet, hört zu und erzählt. Als einer ihrer Kunden immer schweigsamer wurde, sich gehen ließ, meldete sie das der Caritas. Der Mann hätte sich zeitnah nicht mehr selbst versorgen können. Durch Frau Czarnowski fiel es auf.

Frau Czarnowski hat schon viele Menschen betreut. Sie weiß, dass sie in die Privatsphäre eindringt, dass jeder Eigenheiten hat, was die eigene Haushaltsführung angeht. „Ich bin davon ausgegangen, dass die Frau Czarnowski schon weiß, was sie tut“, sagt Raghunath und lacht.

Frau Czarnowski hat Menschen ins Heim ziehen und sterben sehen. Menschen, zu denen sie ein Verhältnis aufgebaut hat. „Eine Kundin habe ich im Krankenhaus besucht, kurz bevor sie starb.“ Das, sagt sie, gehe nicht spurlos vorbei. Und doch macht sie ihren Job gerne. Sie weiß, dass sie mehr ist als nur eine Putzkraft. Sie ist auch eine Alltagsbegleiterin.

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