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Gallus Gegen den Ekel auf der Toilette

Die Hellerhofschule im Gallus feiert ihre bemalte Toilettenanlage mit einer Kloparty. Die Eltern einer anderen Schule drehen Kurzfilme und starten eine Online-Petition für saubere und sanierte WCs.

Toiletten Hellerhofschule
Die Toiletten in der Hellerhofschule. Foto: Peter Jülich

Das Klo, das Klo, hast du keines bist du traurig, hast du eines bist du froh“, schallt es aus den Lautsprechern. Die Zweitklässler stampfen mit den Beinen auf der Bühne, halten ihre Klobürsten in die Höhe und singen lautstark mit. Die Aktion ist Teil einer „Kloparty“ in der Hellerhofschule, die damit den Abschluss eines besonderen Kunstprojekts feiert. Die Toilettenanlagen wurden nämlich von den Schülern nach den Themen Unterwasserwelt, Fußball und Dschungel gestaltet.

Fische, Quallen und Seepferdchen zieren das Mädchenklo. „Ich finde, das ist schön geworden. Sowas hab ich an noch keiner anderen Schule gesehen“, sagt Lorena aus der 2G. Sie hat eine Qualle und eine Seeschnecke beigesteuert. Die 477 Schüler malten im Unterricht Bilder zu den jeweiligen Themengebieten. Diese wurden dann gemeinsam mit den Künstlern Dominikus Landwehr und Steven Menzel auf Folie kopiert und auf den Fliesen der Toiletten angebracht. Über 1000 Motive zieren nun die beiden WC-Anlagen.

Die Schüler sollen so zum einen lieber auf die Toilette gehen, dadurch aber auch animiert werden, die Anlagen sauber zu halten. Obwohl die Toiletten mit der Schulsanierung 2012 renoviert wurden, fühlten sich die Hellerhofschüler dort unwohl. Da der Toilettenpapierspender vor den Türen war, nahmen einige zu viel Papier mit – das landete dann auf dem Boden. Zudem verstopften die Klos regelmäßig, auch Klodeckel wurden abmontiert. „Das war eklig“, sagt Hannah Henning. Die Schülerin reiste im vergangenen März mit ihrer Mathelehrerin Helga Sinn zur Bildungskonferenz. „Hannah ist einfach auf die Bühne gegangen und hat, unabgesprochen, das Thema angebracht“, sagt Sinn, sichtlich stolz. „Da wusste ich, dass ich genau das richtige Kind mitgenommen habe.“

In Workshops wurden Ideen erarbeitet, im Mai stellten Eltern dem Stadtschulamt diese vor: Man wünschte sich bunte Toiletten. Nach den Sommerferien – als Hannah in die fünfte Klasse kam und die Schule wechselte – begannen die Arbeiten. Die Schule wollte die Anlagen zunächst bemalen, doch Landwehr und Menzel rieten zur Folie. Die Kinder entwarfen ihre Werke, die Künstler ergänzten sie etwa mit Korallenriff und Algen.

„Das Thema ist gerade sehr aktuell und wir hoffen, dass wir die Kinder damit auch in die Verantwortung nehmen können“, sagt Elternbeirätin Andrea Bandowski. Deshalb geben auch alle Kinder einen Fingerabdruck ab: „Wir schließen einen Vertrag, mit dem wir alles ordentlich halten wollen“, sagt Sinn. Doch obwohl die letzten Bilder im Januar gehängt wurden, sind schon einige Werke zerstört.

Nicht erst seit dem OB-Wahlkampf wird das Thema Schultoiletten diskutiert. An einer anderen Frankfurter Schule hatten Eltern einen Kurzfilm gedreht, der zeigt, dass Kinder sich nur noch mit Gasmaske aufs Klo trauten. Seit Dezember läuft an der Schule zudem eine Petition (wir berichteten), in der saubere und sanierte Toiletten gefordert werden.

„Manche Kinder haben nicht viel getrunken, um nicht auf die Toilette zu müssen. Und Seife und Handtücher fehlen auch oft“, sagt Bandowski. Das greift auch die wesentlichen Punkte der Petition auf. Dort werden häufigere Reinigungen über den ganzen Schultag, zusätzliche Toiletten aufgrund steigender Schülerzahlen und eine angemessene Ausstattung gefordert.

„Die Reaktionen sind sehr gut“, sagt Filmemacher und Vater Lorenz Gempper. Mehr als 4000 Frankfurter haben bereits unterschrieben. „Die Problematik ist vielschichtig, mal sind die Klos zu alt, mal gibt es einen Mangel an Sauberkeit, mal sind sie einfach unästhetisch“, sagt er. Nicht alles könne man auf die Kinder schieben, so Gempper auf die Kritik, Schüler würden Vandalismus betreiben. „Wenn im Kaufhaus keine Person aufpasst, sieht es dort nach einem Tag auch entsprechend aus.“

In der kommenden Woche soll sein zweiter Kurzfilm online erscheinen. Das Thema wird sein, dass Kinder aus Ekel vor den Klos zu wenig trinken und dadurch Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme hätten. Dafür gibt es prominente Unterstützung: Ex-Eintracht-Kicker Thomas Zampach spielt mit. Während der erste Film noch auf die Petition verwies, soll der zweite mehr als ein Appell an die Stadt, endlich zu handeln, verstanden werden.

Filme, Petition und weitere Infos online unter: www.bessereschule.de

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