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Gallus Ein Spielplatz als Protest

Die von Gentrifizierung betroffenen Mieter in der Knorrstraße in Frankfurt wehren sich gegen einen Neubau, der ihnen die letzte Grünfläche nimmt. Anwohner sammelten für ein Klettergerüst.

Vonovia-Häuser | Knorrstraße | Frankfurt | 06.10.2017
Mieter Roberto Stojanoski, Nikola Arnautovic und Mitar Balac (v.l.) wollen die Grünfläche erhalten. Foto: peter-juelich.com (peter-juelich.com)

Eine Fläche von 45 Quadratmetern ist für die rund 30 Kinder in der Knorrstraße vorgesehen. Neun Meter lang, fünf Meter breit. Dabei sollen in den kommenden Jahren noch weitere Menschen hierhin ziehen, 40 Wohnungen sind geplant. „Da können die Kinder wie im Bürgeramt Nummern ziehen, wann sie mal spielen dürfen“, sagt Karl Bruder von der Nachbarschaftsinitiative Nordend Bornheim.

Er ist zur Unterstützung in die Knorrstraße im Gallus gekommen, denn auch dort schreitet die Gentrifizierung voran. Im Hintergrund sind die Bauarbeiten im Gange, am Ende der einstigen Eisenbahner-Siedlung werden zwei Gebäude hochgezogen. „Gegen die beiden Gebäude haben wir nichts, niemand hat was gegen neue Nachbarn“, sagt Anwohner Roberto Stojanoski. Aber ein drittes Gebäude auf der einzig verbliebenen Grünfläche möchte er verhindern. „Das ist ein Verlust an Lebensqualität. Wir bestehen darauf, dass die Grünfläche Teil des Mietvertrags ist“, sagt er.

Gärten wurden plattgemacht und Bäume gefällt

Seit dem Beginn der Bauarbeiten wirkt die Knorrstraße trostlos und verwahrlost. Bäume wurden gefällt, Grünflächen versiegelt, Gärten plattgemacht. „Wir haben uns überlegt, was wir machen können, um die Grünfläche zu erhalten“, sagt Stojanoski. Durch Spenden von Mietern aus dem Gallus wurde in dieser Woche eine Art Spielplatz eröffnet. Auf der öffentlichen Grünfläche steht nun ein Spielgerüst mit Rutsche, Schaukeln und Kletterbalken und ein Sandkasten. Sitzbänke sollen noch folgen. „Wir Mieter haben uns immer um die Anlage gekümmert“, sagt Stojanoski. So hätten Nachbarn nicht nur für die Pflege der Wiese bezahlt, sondern auch Rasen gemäht.

In der Knorrstraße plant die Wohnbaugesellschaft Vonovia Nachverdichtung und Modernisierungen für mehr als 13 Millionen Euro. Zu den vier Gebäudekomplexen sollen drei weitere kommen, zwei gen Europaviertel, eines auf einer Grünfläche im vorderen Bereich – das verbliebene Grün soll dann Privatgarten werden. Zwei der Bestandsgebäude sollen um eine Etage aufgestockt werden, hierfür will Vonovia Aufzüge anbringen lassen. Die Kosten dafür sollen auf die Mieter umgelegt werden – was diese sich nicht leisten können und wollen, „immerhin haben wir keinen Mehrwert“, so Stojanoski. Der Einspruch gegen den Einbau läuft.

Ohnehin fürchten sie, dass aus der Knorrstraße ein Luxusgebiet wird. Die Dachwohnungen werden 135 Quadratmeter haben, im Bestand sind es 60 Quadratmeter. „Ich zahle für meine Wohnung 545 Euro Miete, die baugleiche Wohnung nebenan ist nun für 890 Euro ausgeschrieben“, sagt Stojanoski. Vonovia habe bereits angekündigt, in den neuen Gebäuden eine Kaltmiete von 14 Euro pro Quadratmeter zu verlangen.

Durch die Modernisierungsarbeiten würde die Miete dauerhaft um etwa 200 Euro steigen, schätzt Karl Bruder von der Mieterinitiative. Erfolg verspricht ein Urteil im Fall der Wallauer Straße. Dort setzten sich Mieter erfolgreich gegen einen Aufzug durch.

Juristisch wehren sich die Mieter auch gegen eine 180-Grad-Winkel-Kamera auf einem der Dächer, die offiziell zur Überwachung der Baustelle installiert wurde. Mieter fühlen ihre Privatsphäre verletzt. „Man kann mir direkt auf den Balkon gucken“, sagt Nikola Arnautovic. Vonovia hatte zugesagt, Stojanoski Bilder zu zeigen, um Befürchtungen auszuräumen. Bislang sei das nicht geschehen.

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