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Gallus Brandschutzkonzept fehlt noch

Der Verein „Frankfurter Zauberturm“ lädt in den alten Wasserturm im Europaviertel.

Wasserturm
Zauberer Marco Huynh mit einer Skizze des „Zauberturms“. Foto: Peter Juelich

Die Journalisten und Fotografen müssen sich noch kurz gedulden. Der Schlüssel, den ein Mitarbeiter des Grünflächenamts extra vorbeigebracht hat, will einfach nicht in Schloss passen. Irgendwann reicht es Jürgen Aha: Mit einem Schraubenzieher entfernt der Chef der Werbeagentur „Equipe“ kurzerhand das Vorhängeschloss des ehemaligen Wasserturms im Europaviertel. Geht es nach Aha, wird das 1911 verbaute Kulturdenkmal in städtischem Eigentum bald zum „Zauberturm“ umgebaut. Am gestrigen Donnerstag lud der Unternehmer zur Besichtigung.

Dort präsentierte Aha erstmals Skizzen für sein Vorhaben: Den fünften Stock, in dem sich jetzt noch der riesige Wassertank befindet, der einst Dampflokomotiven am Güter- und Hauptbahnhof mit Wasser versorgte, will er zu einem Bühnensaal mit Platz für bis zu 30 Menschen umbauen. Dreimal die Woche sollen Magier die Zuschauer dort verzaubern. Im ersten Stock soll eine Ausstellung an die Geschichte des Ortes erinnern – unter anderem mit einer Modelleisenbahn. 
Für das Projekt gründete Aha vor knapp drei Wochen mit neun Mitstreitern den Verein „Frankfurter Zauberturm“. Mit dabei ist sein Sohn Leonhard – seines Zeichens selbst Zauberer und wahrscheinlich einer der Ersten, die auf der Bühne stehen würden. 

Doch bis es soweit ist, dürfte es noch dauern. Es ist düster im Inneren des Turms, der Boden im Erdgeschoss ist übersät mit Vogelkot und leeren Getränkedosen. Graffitis an den Wänden zeugen davon, dass Aha nicht der einzige ist, der mit widerspenstigen Schlössern umgehen kann. 
Zu konkreten Zeitplänen will sich dann bei der Besichtigung auch niemand äußern.

„Wir führen derzeit noch Gespräche mit der Stadt“, sagt Udo Mann, Architekt und Gründungsmitglied des Zauberturm-Vereins. Man kalkuliere mit Kosten zwischen 300 000 und 500 000 Euro. Der Umbau soll durch Spenden finanziert werden. „Wir hoffen auf mittlere bis große Unternehmen und Kultur-Stiftungen“, sagt Aha. Der Verein wolle aber erst die Zusage der Stadt abwarten.

Die Kommunikation mit der Stadt ist offenbar ausbaufähig. Man habe dem Verein den Schlüssel überlassen, damit er sich ein Bild vom Turm machen könne, sagte Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamts, das den Wasserturm verwaltet. „Wir sind etwas erstaunt, weil wir nichts von der Pressemitteilung wussten.“ Er könne sich mit der Zauberturm-Idee anfreunden, aber ohne Absprache die Presse einzuladen sei unüblich. 

Knackpunkt ist bisher vor allem der Brandschutz. Es bräuchte einen zweiten Fluchtweg, eine Stahltreppe am Außenbereich würde aber das Erscheinungsbild des Turms verändern. „Ein ausgearbeitetes Konzept liegt uns nicht vor“, sagte Planungsdezernat-Sprecher Mark Gellert. Der ungewöhnlichen Idee des Vereins, die Besucher im Ernstfall über die Leiterwagen der Feuerwehr zu retten, widersprach Gellert: „Einfach nur zu sagen, da kommt dann die Feuerwehr, ist kein Brandschutzkonzept.“

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