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Frankfurter Bürgermedaille Vorsitzende, Kämpferin, Unikum

Sie führt den Vereinsring, den Regionalrat und streitet gegen allerlei Unheil, das ihren Stadtteil Griesheim bedroht: Ursula Schmidt erhält am Montag die Frankfurter Bürgermedaille.

Ursula Schmidt, Vorsitzende Vereinsring Griesheim e.V., Frankfurt, Bild x von 4
Ursula Schmidt, die Vorsitzende des Griesheimer Vereinsrings. Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Ursula Schmidt erhält am Montag die Frankfurter Bürgermedaille, eine der höchsten Auszeichnungen der Stadt. Die Nachricht verwundert niemanden im Stadtteil, schließlich ist Schmidt sehr aktiv vor Ort. Unklar ist höchstens, wofür genau sie geehrt wird. „Ich bin vielseitig“, sagt sie und errötet. Aber nur ein bisschen. Selbstbewusst ist sie nämlich durchaus auch.

Für die Feier im Römer hat sie Catering bestellt. Damit die Gäste nicht nur „trockene Brezelchen“ bekommen. Typisch Schmidt. Im September feiert der Griesheimer Regionalrat 20. Geburtstag, sie ist die Vorsitzende. „Bloß keine akademische Feier“, wünscht sie sich. Im Clubraum sitzen und wohlfeilen Reden lauschen, nicht mit Schmidt. Statt dessen wird es ein „Fest für die Bürger“ geben. Mit Ordnungsamt und Polizei und Seniorensicherheitsbeauftragten.

Ihr längstes Engagement verbindet Schmidt mit dem Vereinsring, seit 30 Jahren ist sie aktiv, war erst Beisitzerin, dann stellvertretende, schließlich selbst Vorsitzende. Früher ist es leichter gewesen, sich zu engagieren, findet sie. „Vor 30 Jahren war ich saturiert.“ Nach der Ausbildung zur Kosmetikerin hat sie sich ein eigenes Geschäft aufgebaut, ist abgesichert.

„Ich hatte Zeit, mich einzubringen, der Gesellschaft etwas zu geben.“ Heute haben es die jungen Leute schwerer, findet Schmidt. „Sie wissen nicht, ob sie ihren Job behalten, müssen Überstunden machen, werden versetzt. Ein gesellschaftliches Problem.“

Aber Schmidt engagiert sich über Ämter hinaus. Sie ist von revolutionärem Geist durchdrungen. „Mit Jahrgang 51 bin ich eigentlich zu jung, um zur 68er Generation zu zählen“, sagt sie kokett. Anders als mancher aus der Zeit, ist Schmidt allerdings noch immer auf Barrikaden zu finden.

„Das muss man manchmal“, sagt sie. „Aufbegehren.“ Statt frustriert mit Missständen zu hadern, unternimmt sie lieber etwas. Hilft zum Beispiel 1993 mit ihrer Beharrlichkeit, den Fall Sperzel aufzudecken, einen der größten Müllskandale Hessens.

2003 kündigt die Kommune an, Stadtteilbibliotheken einzusparen. Schmidt protestiert. Sammelt Unterschriften, trommelt tausende von Unterstützern zusammen. Eine Welle. Schmidt streitet gegen das in Griesheim geplante Braunkohlekraftwerk. Und für die Sanierung des Bahnhofs – mit Rollstuhlfahrern vor dem Bürofenster des Bahnbevollmächtigten. Der Mut hat sie nie verlassen. „Ich war ja nicht alleine“, winkt sie ab. „Ich habe immer Mitstreiter gefunden.“

Schmidt hätte eine politische Karriere einschlagen können, Anfragen hat es gegeben. Aber eine Diplomatin ist sie nicht. Sie bevorzugt das offene Visier. Einem Fraktionszwang hätte sie sich auch nicht gebeugt. Schmidt verkörpert ein anderes Ideal. Günter Schneider aus dem Straßenbauamt hat das über sie gesagt. Sie zeige, dass man auch ohne Parteibuch etwas erreichen, die Dinge verändern könne.

Schmidt ist „Citoyen, ein Bürger, der Teil der Gesellschaft ist und sich einbringt“, sagt sie. Die Heimatscholle hat sie gehalten, obschon sie in jungen Jahren „umtriebig“ gewesen ist. „Ich bin früh selbständig gewesen.“ Mit 17 Jahren geht sie als Au-Pair nach England, unternimmt Weltreisen. Ihr Griesheimer Elternhaus ist ihr aber stets Heimathafen. „Ich hätte immer zurückkehren könne.“ Wenn sie heute am Familiengrab in Griesheim steht, denkt sie: „Egal was auch passiert. Irgendwann werde ich dort liegen.“

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