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Frankfurt-Sossenheim Verkehrsversuch gescheitert

Die Anwohner der Siegener und umliegenden Straße sind wegen der Verkehrsbelastung unzufrieden. Nach dem gescheiterten Verkehrsversuch wollen sie bauliche Veränderungen.

Rush-Hour auf der Westerbachstraße in Sossenheim, Frankfurt, Bild x von 5
Die Staus in Sossenheim sind legendär, hier auf der Westerbachstraße. Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Siegener Straße, kurz vor 18 Uhr. Der Verkehr in Richtung Ortsmitte stockt. Die Blechkarawane schiebt sich im Schritttempo voran. Mancher versucht, abzukürzen, biegt einfach ins Wohngebiet ab. Und rast dort.

Das haben zumindest die Anlieger beobachtet und dem Ortsbeirat 6 berichtet. Der hat die Stadt gebeten, die Verkehrssicherheit zwischen Schaumburg und Montabaurer Straße, zwischen Auf der Schanz und Siegener Straße zu erhöhen. Das Ergebnis ist der Sossenheimer Verkehrsversuch. Im Dezember 2015 haben die Ämter auf Abschnitten die Einbahnregelung der Straßen gedreht. Das sollte sie als Alternative zur Siegener Straße unattraktiver machen.

Am gestrigen Donnerstag haben die Behörden die Auswertung im Volkshaus vor knapp 50 Sossenheimern präsentiert. Stadt und Ortsbeirat haben den Versuch allerdings bereits für gescheitert erklärt. In der Januarsitzung hat das Gremium gebeten, die alte Verkehrsführung wieder herzustellen. Vier bis sechs Wochen wird das noch dauern, sagt Despina Leonidou vom städtischen Referat Mobilitäts- und Verkehrsplanung.

Der Versuch hat nur auf der Westerwaldstraße eine Besserung gebracht. Dort fahren weniger Autos. Das aber zulasten der Schanz, die vorher kaum Verkehr hatte. Mehr los ist es auch auf der Hachenburger Straße, die zuvor schon stark belastet war. Die Zahl der Temposünder hat ebenfalls zugenommen.

Und etwas Erstaunliches hat die Stadt festgestellt. Auf der Siegener Straße hat der Verkehr seit 1988 tendenziell abgenommen. Auch in der Zeit des Verkehrsversuchs. Was in der Phase aber zugenommen hat, ist die Zahl der Fahrten im betreffenden Quartier. Knapp 6000 waren es in 24 Stunden im Juli 2015, also vor dem Versuch. Knapp 7900 pro Tag im Juli 2016.

Das liege an der Änderung an sich, glauben die Verkehrsexperten. Die zwinge die Anlieger, neue Wege zu finden. Erheblichen Anteil an der Menge hätten auch die Parkplatzsucher. „Obwohl wir das Durchfahren unattraktiv gemacht haben, nimmt der Verkehr dennoch nicht ab“, sagt Despina Leonidou. Das sei Indiz dafür, dass es sich um Quell- und Zielverkehr handele. Nicht um Durchfahrtsverkehr. Oder es liegt daran, dass die Stadt genau die falsche Variante ausprobiert habe, findet Anwohner Michael Weber. Er hat einen eigenen Plan erstellt. Am Donnerstag bringt er eine Power-Point-Präsentation mit, die er den städtischen Vertretern mit Verve und einem USB-Stick auf das Notebook schwatzt.

Nicht die Fahrtrichtung der Abschnitte der Schaumburger und Westerwald- zwischen Siegener und Michaelstraße hätte die Stadt drehen müssen, meint er. Sondern die Abschnitte zwischen Schanz und Michaelstraße. Außerdem noch die Fahrtrichtung für die Michaelstraße zwischen Westerwald und Schaumburger. Das hätte den Weg durchs Quartier für Schleichverkehr viel unattraktiver gemacht. Dazu hätte die Stadt noch flankierend die Bürgersteige sichern müssen, mit Gummiaufbauten. So wie es die Stadt Eschborn handhabe. Die Aufbauten verhinderten, dass die Autos mit Tempo über den Bordstein fahren.

Auch andere Anwohner melden sich zu Wort. Bauliche Veränderungen an und auf den Straßen haben die meisten Fürsprecher. Die Sossenheimen haben den Glauben verloren, der Verkehr im Stadtteil könne weniger werden. Sie wünschen aber, dass die Autos langsamer fahren. Das müsse die Stadt auch über mehr Kontrollen erreichen.

Der Ortsbeirats hat die Anregungen aufgenommen. Nun muss das Stadtteilparlament entscheiden, ob tatsächlich wie im Januar beschlossen, die alte Verkehrsführung zurückkommt. Oder ob die Gelegenheit nicht günstig wäre, über andere Änderungen nachzudenken.

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