Lade Inhalte...

Frankfurt-Rödelheim Reaktion auf Mahnmal-Schändung

650 Menschen haben einen Aufruf gegen Fremdenfeindlichkeit unterzeichnet, der vor dem Rödelheimer Bahnhof hängt. Es ist eine Reaktion auf die Schändung des Mahnmals im Brentanopark.

Frankfurt-Rödelheim
Die Initiatorin Helga Dieter mit Meron Mendel, Leiter der Anne-Frank-Bildungsstätte. Foto: Christoph Boeckheler

„Gemeinsam gegen Nazis“, steht in dicken, schwarzen Lettern auf dem Plakat, das seit Mittwoch auf dem Baruch-Baschwitz-Platz vor dem Rödelheimer Bahnhof hängt. 650 Menschen aus dem Stadtteil haben den Aufruf unterzeichnet. Sie wollen damit signalisieren, dass Fremdenfeindlichkeit bei ihnen keinen Platz hat.

Der Aufruf ist eine Reaktion auf die Schändung des Mahnmals im Brentanopark. Anfang November, nur wenige Tage vor der Gedenkstunde an die Opfer der Reichspogromnacht, hatten Unbekannte die jüdische Gedenkstätte mit antisemitischen Parolen wie „Juden sind Verbrecher“ beschmiert. Die Initiative „Synagoge Rödelheim“ erstattete Anzeige. Die Kriminalpolizei ermittelte, stellte das Verfahren aber mangels Erfolg ein.

„Die Tat trägt eindeutig die Handschrift von Nazis“, sagt die Vorsitzende des Vereins Courage gegen Rassismus, Helga Dieter, bei der Ausstellungseröffnung. Sie sei zwar gegen den inflationären Gebrauch des Begriffs. Doch dort wo Nazis ihre Untaten verübten, solle man sie auch eindeutig benennen.

Dieter hat die Plakat-Kampagne initiiert. „Die ganze Welt redet davon, dass man Zeichen setzen soll: Das ist ein Zeichen, das Aufmerksamkeit erzeugen wird“, findet sie. Gemeinsam mit weiteren Bündnissen hatte Dieter in den vergangenen Jahren bereits das Anbringen der Schilder „Rödelheim – Stadtteil gegen Rassismus“ realisiert.

Sechs Monate lang soll der Aufruf im Werbeschaukasten hängen bleiben. Für die Finanzierung habe die Stiftung Citoyen einen Sockelbetrag zugesagt, berichtet Dieter. Trotzdem gebe es noch eine Finanzierungslücke. Deshalb hofft sie auf Spenden aus der Bevölkerung.

Eine Schar an Menschen hat sich am Mittwochnachmittag um die Werbetafel vor dem Bahnhof gruppiert. Rödelheimer Vereine und Initiativen erläutern, wieso sie die Aktion unterstützen. Die Schändung des Mahnmals sei nicht bloß ein Jungenstreich gewesen, betont etwa der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Armin Kroneisen.

Vereine sind wichtig

Der Vize-Vorsitzende des Vereinsrings, Reinhard Pietsch, ist froh darüber, dass „viele Vereine den Aufruf unterzeichnet haben“. 48 Gruppierungen aus dem Stadtteil gehören dem Ring an. „Die Vereine haben eine wichtige Aufgabe für die Integration und das Zusammenleben von Menschen“, sagt Pietsch. Wenngleich es auch in ihnen Mitglieder gebe, die nicht auf der gleichen Seite der Demokratie ständen.

Deshalb gehe es auch darum zu fragen, „inwieweit wir selbst ausgrenzend sind und Antisemitismus lebendig halten“, wie der Pfarrer der evangelischen Cyriakusgemeinde, Ernst-Detlef Flos, betont. Dazu habe die Verunglimpfung des Mahnmals im Brentanopark beigetragen. „Die Schändung hat uns zum Nachdenken angeregt.“

Eine Mehrheit im auch für Rödelheim zuständigen Ortsbeirat 7 unterstützt den Aufruf. „Demokratie und Toleranz sind keine Selbstverständlichkeit“, sagt Ortsvorsteherin Michaela Will (SPD). Neben ihrer Fraktion gehören Grüne, Farbechte/Die Linke und FDP zu den Unterzeichnern. Jüngst beschloss das Gremium eine ähnlich lautende Resolution.

Der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank war einer der ersten, der bei Helga Dieter angerufen hatte, um den Aufruf zu unterstützen. „Ich bewundere das Engagement“, sagt Meron Mendel und spricht von einem guten Beispiel für Zivilgesellschaft. Er versichert: „Wir wollen der Initiative auch in Zukunft beiseite stehen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum